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Gedenken an Nationalsozialismus: Erinnerung an die Opfer lebendig halten

Gedenken an Nationalsozialismus : Erinnerung an die Opfer lebendig halten

In der Wallstraße werden Anfang August zehn weitere Stolpersteine für Verfolgte der NS-Zeit gesetzt.

In Zweibrücken werden im August in der Wallstraße 44 zehn weitere Stolpersteine gesetzt. Der Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinem europaweiten Kunstprojekt an die Opfer des Nationalsozialismus, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt. Inzwischen liegen rund 70 000 Stolpersteine und Stolperschwellen in fast 2000 europäischen Kommunen. Es werden immer mehr.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Nachdem im Februar 2012 in der Alten Steinhauser Straße ein erster Zweibrücker Stolperstein für Walter Frick verlegt wurde, wird sich die Zahl der Gedenksteine nun verzehnfachen. Die heute in Madrid lebende Tochter von Greta Kadden, geborene Löb, die 1937 mit 18 Jahren aus der Wallstraße 44 in Zweibrücken nach Amerika geflohen ist, hat zur Erinnerung an ihre Familie bei der Stiftung „Spuren – Gunter Demnig“ die Patenschaft für zehn Stolpersteine übernommen.

Die Steine werden am 8. August in den Gehweg der Wallstraße 44 verlegt, wo das 1945 zerstörte Wohn- und Geschäftshaus der Familie Weis/Löb stand. Kadden erinnert mit den Stolpersteinen an gedemütigte, ermordete oder geflohene Zweibrücker Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens.

Bislang gibt es in Zweibrücken nur einen einzigen Stolperstein: In der Alten Steinhauser Straße vor dem Haus Nummer 30, in dem einst Walter Frick wohnte. Julia Frick arbeitete die Geschichte ihres Großvaters auf, bewarb sich um den Stolperstein und übernahm damals auch die Patenschaft. Der Künstler Gunter Demnig ließ den Stein im Jahr 2012 in den Gehweg vor dem Haus ein. Walter Frick, geboren 1908 in Zweibrücken, starb am 7. August 1941 in der Nervenheilanstalt Bernau. Sein Schwager, SS-Hauptsturmführer der Totenkopfstandarte, hatte den Dirigenten und Komponisten 1941 während des Zweiten Weltkriegs einliefern lassen.

Die Anstalt teilte der Familie mit, der Eingewiesene sei an Lungenentzündung gestorben. Es sei nicht bewiesen, dass Walter Frick in der Psychiatrie ermordet wurde, doch dass er ein Opfer der Ideologie und der Gräueltaten des Dritten Reiches wurde, sei unbestritten, hatte seine Enkeltochter anlässlich der Verlegung des Steines am 24. Februar 2012 gesagt. Diese Informationen sind auch auf der Messingplatte des Stolpersteins zu lesen.

Näheres zu diesem Kunst- und Gedenkprojekt findet sich auf der Internetseite www.stolpersteine.eu.