Fall beschäftigt nun auch die Politik Schlacht-Stopp im Schlachthof Zweibrücken sorgt für hitzige Diskussionen

Zweibrücken · Fünf Ratsfraktionen beantragen einen Tagesordnungspunkt im Stadtrat zum Thema Schlachthof-Aus: „Aufklärung“ sei nötig! Auf Facebook war zuvor eine intensive Diskussion entbrannt.

 Landwirte und Bürger kritisieren, durch das Schlachtungs-Aus im Schlachthof gebe es ab sofort deutlich längere Tiertransport-Wege (Symbolbild).

Landwirte und Bürger kritisieren, durch das Schlachtungs-Aus im Schlachthof gebe es ab sofort deutlich längere Tiertransport-Wege (Symbolbild).

Foto: dpa/Patrick Pleul

Weil der Schlachthof in Zweibrücken nicht mehr genug Personal finde, hat der Betreiber das Schlachten am Donnerstag eingestellt – und es ist offen, ob sich die Hoffnung erfüllt, dass dort jemals wieder geschlachtet wird. Der in unserer Mittwochausgabe veröffentlichte Artikel darüber bewegt auch viele Bürger. Allein auf der Merkur-Facebookseite gab es bis Donnerstagabend 219 Kommentare (die bislang zweitmeisten des Jahres). Darauf reagieren nun auch fünf Fraktionen im Zweibrücker Stadtrat, die sonst selten zusammenarbeiten, mit einem gemeinsamen Antrag.

Zweibrücken: Schlachthof-Aus sorgt für Diskussionen auf Facebook

Viele Bürger heben auf Facebook die Folgen für Landwirte und Metzger in und um Zweibrücken hervor. Etwa Peter Schaumburger, der die Debatte mit folgenden Worten eröffnete: „Und wenn der letzte Schlachthof geschlossen, der letzte Metzger seinen Laden geschlossen hat , dann quält man die Tiere hunderte Kilometer entfernt, weitab der Kontrollen, dann gibt es Wurst und Pressfleisch aus Abfällen , hergestellt von Lohnsklaven, für die Hygiene ein Fremdwort ist.“

Auch Andreas Schneider kritisiert, was künftig passiere: „Die Tiere müssen aus den Betrieben hier in der Umgebung unzählige Kilometer mit dem Lkw transportiert werden.“

Gabi Houy warnt zudem vor höheren Preisen infolge der längeren Wege – und einem Teufelskreis: „Die Erzeuger müssen sich das erstmal leisten können. Also wird es da wohl auch teurer, wenn es blöd für den Erzeuger läuft ist es den Kunden zu teuer.“ Davor warnt auch Flo Zilla – und findet das Schlacht-Aus paradox, weil immer wieder von der Bedeutung regionaler Ernte und Schlachtung geredet werde.

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Vandalismus in Zweibrücken - das ewige Problem

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Personalnot-Gründe nur vorgeschoben?

Kai Ziemerle befürchtet, dass schon klar ist, dass in Zweibrücken nie wieder geschlachtet werde. Die vom Schlachthof-Betreiber (Emil Färber GmbH & Co. KG aus Emmendingen) genannte Personalnot-Gründe halte er für „vorgeschoben“: „Für mich als Erzeuger und Direktvermarkter von Rind und Scheinefleisch ist es wahrscheinlich das Ende. Das Fleisch, das wir vermarkten hat eine gute Qualität, weil die Tiere gut gehalten werden. Weide im Sommer, offener überdachter Laufstall im Winter. Zum Schlachten zwei Kilometer. Ab jetzt 100 Kilometer einfache Strecke. Das Fleisch muss ja auch wieder geholt werden. Das alles will ich mir und meinen Tieren nicht antun.“ Das sei kein Vorwurf an die Firma Färber: „Auflagen und Richtlinien führen dazu, dass alles nicht mehr wirtschaftlich ist.“ Schade sei, dass „Leute, die Qualität von Fleisch aus der Region zu schätzen wissen, in Zukunft damit leben müssen, dass das Angebot an solchem immer weniger wird“.

Frederic Latour sieht, wie viel andere, ein grundsätzliches Problem: „Zeitenwende in vielen Bereichen. In jüngeren Generationen gibt keine Bereitschaft oder Motivation, Bäcker, Metzger oder Schlachter zu werden. Traditionelle Berufe sterben in Deutschland aus.“ Margarete Reimann ergänzt: „Das Handwerk wurde über Jahrzehnte vernachlässigt. Im Ansehen und bei den Löhnen. Da braucht man sich nicht zu wundern!“

Einige Menschen sehen das Schlachthof-Aus positiv

Etliche Kommentatoren sehen aber auch positive Seiten des Aus für den Schlachtbetrieb. Etwa Uli Leiner: „Wäre ich ein ,Nutztier’, würde ich lieber bei einem langen Transport an Herzversagen sterben statt im Schlachthof ermordet zu werden.“

Mehrere Rufe gibt es an den Oberbürgermeister, aktiv zu werden. So schreibt Peter Djalali: „Was sagt denn unser OB dazu, wenn ein weiterer wichtiger Versorgungszweig in Zweibrücken wegbricht?“ Ich finde gerade keine Äußerung von ihm hierzu.“ Sabine Blatt entgegnet: „Was soll er denn machen?“ Wo keine Metzger zum Schlachten seien, „kann er keine herzaubern, oder?“.

Zwar wird, worauf einige Kommentatoren verweisen, der Schlachthof nicht von der Stadt, sondern einem privaten Unternehmen betrieben. Doch auch die Stadtratsfraktionen von FDP, FWG, Grünen, SPD und CDU finden: Die Stadt muss sich mit dem Thema beschäftigen. In einer E-Mail vom Mittwochabend an Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) beantragen die fünf Fraktionen deshalb, „Information zur aktuellen Situation am Schlachthof Zweibrücken“ auf die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung am 27. September zu setzen.

Zwar darf sich der Stadtrat laut Gemeindeordnung nicht einfach mit jedem Thema beschäftigen, was er für Bürger oder Betriebe für wichtig hält – das Thema muss auch in die Zuständigkeit der Stadtverwaltung fallen. In dem von CDU-Fraktionschef Pascal Dahler versandten gemeinamen Antrag argumentieren die fünf Fraktionen aber, weil die Stadt eine Schlachthaus-Satzung habe (zuletzt 2001 vom Stadtrat aktualisiert), gebe es eine „originäre Zuständigkeit des Rates“.

Zur inhaltlichen Begründung ihres Antrags schreiben die Fraktionen: „Die Emil Färber GmbH & Co. KG hat nun bekannt gegeben, dass an diesem Donnerstag, den 31.08.2023 zum letzten Mal in Zweibrücken geschlachtet wird. Viele Betroffene wissen Stand jetzt immer noch nicht genau, wie es weitergeht und wo die Tiere danach zerlegt werden können. Wir fordern deshalb auch im Sinne der Betroffenen eine Aufklärung.“

Die Schlachthaus-Satzung schreibt vor (abgesehen von Hausschlachtungen zur Verwendung im eigenen Haushalt): „Alle zum Zwecke des menschlichen Genusses innerhalb des Stadtgebietes Zweibrücken zu schlachtenden Rinder, Kälber, Schweine, Schafe, Ziegen und sonstige Einhufer dürfen nur in dem in § 1 genannten Schlachthaus geschlachtet werden (Schlachthofzwang).“ Die Satzung erklärt den privat betriebenen Schlachthof insofern zur „öffentlichen Einrichtung“, als dass dort jeder dem Schlachthofzwang Unterliegende das Recht hat, zu schlachten.

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