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Einzelhandelskonzept zum Schutz der Innenstadt in Zweibrücken

Kommentar zum neuen Zweibrücker Einzelhandelskonzept-Entwurf : Mutiges, aber richtiges Konzept

Das hatten sich viele Zweibrücker Kommunalpolitiker ganz anders vorgestellt: Sie wollten die als Einkaufs-Innenstadt definierte Zone ausweiten und auch mehr Warengruppen auf der Grünen Wiese erlauben – und dafür das Einzelhandelskonzept überarbeiten.

Dies haben die Stadtplanungs-Experten des beauftragten Büros nun getan – allerdings mit gegenteiligem Ergebnis: Die Innenstadt soll leicht schrumpfen, um lebendig zu bleiben, die Schutzliste für die City sogar leicht (Fahrräder) vergrößert werden. Das stößt bei vielen Bürgern und ersten Politikern auf Unverständnis. Doch sie sollten auf die Fachleute hören statt auf ihr Bauchgefühl. Letzteres legt zwar durchaus die Frage nahe: Warum soll sich die Politik in die Wirtschaft einmischen, ja sogar Ansiedlungen verhindern? Warum darf König Kunde frei entscheiden, wo er einkauft? Spontan würde auch ich da antworten: Warum nicht? Doch ich finde: Man muss auch die Folgen einer Liberalisierung der Ansiedlungsregeln bedenken. Wollen wir wirklich Zustände wie in den USA – wo viele Städte schon lange den Wildwuchs auf der Grünen Wiese bereuen, weil dadurch die Innenstädte viel toter als in Europa sind? Wollen wir in ein, zwei Jahrzehnten nicht mehr in unserer schönen City flanieren und Café trinken können, weil Läden in den Ruin getrieben werden, indem nach dem Outlet-Riesen sowie dem Möbel- und dem Baumarkt mit großen innenstadt­relevanten Randsortimenten noch mehr Konkurrenz auf der Grünen Wiese erlaubt wird? Wem das alles egal ist – und wem auch egal ist, dass Menschen ohne Auto (also vor allem alle unter 18, viele Betagte und Behinderte) nur schwer an den Stadtrand kommen – der kann ruhig Nein sagen zum Schutz der Innenstadt. Alle anderen sollten der Versuchung erliegen, auf ihr Bauchgefühl zu hören – oder als Politiker Bauchgefühle zu bedienen.