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Sia Korthaus sorgt für Gelächter: Eine sanfte Tour durch die Jahrzehnte

Sia Korthaus sorgt für Gelächter : Eine sanfte Tour durch die Jahrzehnte

Kabarett in Mittelbach mit Sia Korthaus: „Sorgen mache ich mir morgen“.

Es war eine softe Tour durch die Jahrzehnte von den 70ern bis 2054. Keine umwerfenden Gags waren zu hören, aber trotzdem ansprechendes erfrischendes Niveau. Die ältere Generation unter den Zuhörern konnte in der Vergangenheit schwelgen, wie hinreißend war doch damals der Sex im „Käfer mit den Halteschlaufen“. Und wirklich ganz echt und irgendwie urkomisch markiert sie die Fahrt im Käfer mit der ganzen Familie Richtung Rimini. Geradezu lieblich scheint die Vergangenheit verglichen mit der Zukunft 2054 oder auch schon 2035, wo die Autos machen, was sie wollen. Früher gab es noch die sogenannte Verlobung, das war, „wie wenn man ein Fahrrad geschenkt bekam, durfte aber nicht fahren, sondern nur klingeln“. Es war eben früher, deswegen aber ganz und gar nicht schlechter.

Und weil die CDU in die Mehrzweckhalle in Mittelbach geladen hatte, konnte Kabarettistin Sia Korthaus die SPD-Wähler nur noch in Reservaten ausmachen. Und gab es überhaupt den neuen Berliner Flughafen jemals?. Sie konnte sich natürlich nicht mehr erinnern. Und irgendwann hatte Google die Zentralbank aufgekauft; der Euro verschwand, von der Drachme abgelöst.

Sia Korthaus ist, keine Frage, ein Multitalent, ihr Singen kann richtig kabarettistisch-schnoddrig schön sein, sie posiert und karikiert markant, man hört gern zu und sieht gern hin, wenn sie in der Zeitdroschke mit ihrem süßen kleinen außerirdischen Chauffeur durch die Zeiten kutschiert. Chirurgen definiert sie als Aufschneider und fast Allmächtige.

Die Pharmaindustrie hat ein Medikament erfunden, das es möglich macht zu erfahren, wie man nach Hause gekommen ist, wenn man nicht weiß, wie man nach Hause gekommen ist oder so ähnlich jedenfalls. Hammerzehen kann man schmerzfrei auswechseln und anderes mehr. Natürlich ist man total vernetzt, die Zahnbürste übermittelt den Kariesstatus automatisch dem Zahnarzt.

Nein, „Sorgen mache ich mir morgen“, singt Sia am Ende. Sie setzt auch in ferner Zukunft, auf jeden Fall aber heute, auf Freundschaft und Liebe trotz aller Imponderabilien. Das tröstet dann doch. Es könnte ja noch viel schlimmer sein als es ist. Es braucht nur ein wenig pharmaunterstützte Alltagsphilosophie und die Welt läuft wieder oder noch rund. Und Dank Sia!