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Ein Zeichner, bei dem die Empörung nie nachließ

Ein Zeichner, bei dem die Empörung nie nachließ

Hans-Georg Rauch gehört zu den großen Karikaturisten der Nachkriegszeit. Eine Auswahl seiner Arbeiten ist zurzeit im Zeitungsmuseum in Wadgassen zu sehen.

Zwischen 1982 und 1993 stapfte allwöchentlich ein Riese mit Ledermantel und knarrenden Stiefeln ins Chefbüro des Feuilletons der Wochenzeitung "Die Zeit": Hans-Georg Rauch. Triumphierend zog er vor Ulrich Greiner das neueste Blatt aus einer Mappe, das er für seine satirische Kolumne "Zeitzeichen" angefertigt hatte. "Ich habe ihn dann gelobt, fast immer aus tiefer Überzeugung, denn die Zeichnungen waren stets perfekt. Und Rauch freute sich wie ein Kind", erinnert sich Ulrich Greiner.

Hauptsächlich in der "Zeit", unter anderem aber auch in der "New York Times", im "Stern" und im "Spiegel" sind Rauchs Zeichnungen erschienen. 95 davon sind jetzt im Zeitungsmuseum in Wadgassen zu sehen, in der Ausstellung "Journalismus - Medien - Technik. Karikaturen und Zeichnungen von Hans-Georg Rauch". Die gezeigten sowie weitere Blätter - insgesamt über 400 - hat die Witwe des Künstlers, Ursula Rauch, dem Museum langfristig als Schenkung zugesagt. Im begleitenden Katalog hält unter anderem Greiner seine Erinnerungen fest.

Die Ausstellung präsentiert einen Querschnitt durch Rauchs Schaffen und vermittelt anschaulich, welchen Stellenwert Technik und Medien darin einnahmen. Fernsehkritik, der immer stärker von Technik bestimmte Wandel und die Macht der Medien waren bevorzugte Themen. Und denen näherte er sich auf seine ganz eigene Weise: mit Formen, die nur aus Linien bestehen - seien es filigranste Gebilde oder gefüllte Flächen. Dabei erschließt sich die Satire selten auf den ersten Blick. Rauchs Motive sind rätselhaft und vieldeutig. Und einige scheinen trotz ihrer Bindung ans Tagesgeschehen noch immer aktuell, so die Zeichnung "Profis" zum Gladbecker Geiseldrama von 1988. Damals war die Presse, die die Täter interviewte, im Fluchtfahrzeug mitfuhr und durch ihre Nähe zum Geschehen die Polizeiarbeit behinderte, in Kritik geraten. Rauch zeigt einen bewaffneten Geiselnehmer und sein Opfer in Rückenansicht, hintendran gesellt sich, auf eine ins Bild gehaltene Kamera reduziert, die Meute derer, die das Geschehen verkaufen oder konsumieren. Die dahinterstehende Frage ist zeitlos: Wie sollen wir umgehen mit der Diskrepanz zwischen dem Ideal einer informierten Gesellschaft und der Gefahr, Täter zu Stars zu machen und Sensationsgierigen Unterhaltung frei Haus zu liefern? Voller Empörung reagierte Rauch jedes Mal aufs Neue auf Skandale und konfrontierte so sein Umfeld mit dessen eigener Abgestumpftheit. Ulrich Greiner schreibt: "Dann regte sich in mir fast so etwas wie ein schlechtes Gewissen und ich sagte mir: Hat er nicht recht?"

Bis 9. Oktober. Geöffnet:

Di bis So von 10 bis 16 Uhr.