Ein zarter Hauch von Frühling

Der ungewöhnlich warme Winter treibt kuriose Blüten: Statt vorweihnachtlicher Schneeflocken rieseln derzeit allenfalls weiße Blätter. Am Goetheplatz lassen Zierkirschen Frühlingsgefühle aufkeimen.

Dass die Zierkirschen auf dem Goetheplatz ein paar Wochen früher in den Frühling starten als andere, das kennen die Zweibrücker. Aber dass schon kurz vor Weihnachten die weißen und zart-rosanen Blüten in voller Pracht an den Zweigen und Ästen zu bestaunen sind, ist dann doch ungewöhnlich. Der viel zu milde Winter macht's möglich, erklärt Heiko Hübscher, Leiter des Zweibrücker Rosengartens.

Laut Deutschem Wetterdienst ist der Monat bislang etwa 4,8 Grad zu warm. Das Dezemberwetter, das mit zweistelligen Temperaturen auftrumpft, hat die Bäume verwirrt. "Wir hatten ja bereits einmal Frost. Für die Pflanzen ist der Winter also theoretisch schon rum." Hunderte Knospen sind aufgegangen. "Die Zierkirsche ist tatsächlich einige Wochen zu früh", wundert sich Hübscher und verweist auf ein weiteres Phänomen. Am Weiher des Rosengartens erwacht zurzeit der Eisenholzbaum mit seinen roten Blüten. Und auch der sogenannte Winterschneeball hat sich schon gezeigt. Der habe sowieso nur Pause, wenn die Temperaturen in den Keller gehen, sagt Hübscher. Genau wie die Zaubernuss, die "Königin der Winterblüher", die in der Regel von Weihnachten bis Februar in voller Pracht erstrahlt.

Dass einige Bäume bereits jetzt ihre Blüten entfalten, mag zwar schön anzuschauen sein, birgt für die Pflanzen aber auch Gefahren. Wenn es in den kommenden Tagen doch noch frostig werden sollte, könnten die Blütenanlagen zerstört werden. Auch was jetzt "an Blüte verschossen wird, kommt im Frühjahr nicht wieder", betont Hübscher. Wirklich schützen könne man die Pflanzen vor Wind und Wetter ohnehin nicht. Während heimische Gehölze mit diesen Bedingungen ganz gut zurechtkommen, würden eingeführte Pflanzen, etwa asiatische, extreme Schwankungen nur schwer überstehen.

Den Obstbauern in der Region macht der milde Dezember noch keine Sorgen - im Gegenteil. "Die Temperaturen erlauben es uns sogar, noch neue Bäume zu setzen", erklärt Hans Conrad, Vorsitzender des Obstbauvereins Wattweiler. Eine Gefahr bleibt: Wenn die Natur auf Frühling umstellt und statt einer Winterruhe schon wieder auf Wachstum aus ist, dann könne der späte Frost viel kaputt machen.