Ein Unternehmen namens Familie

Das Ehepaar Riffel aus Zweibrücken weiß jeden Abend, was es geleistet hat – die beiden haben sieben Kinder. Doch von Stress könne überhaupt keine Rede sein, lautet ihr überraschendes Fazit. Am Freitag erhalten sie im Rathaus die Urkunde von Bundespräsident Joachim Gauck, der für das siebte Kind die Ehrenpatenschaft übernimmt.

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs. Aber halt, hier ist ja noch eins! Also: sieben. Außenstehende können sich schnell vertun bei den Riffels. Sieben Kinder haben Olga und Alexander Riffel zusammen. Da verzählt man sich leicht. Das Zweibrücker Ehepaar behält hingegen den Überblick. Es gebe zwar kein Patentrezept für eine Großfamilie. "Aber wichtig ist, das ganze wie ein Unternehmen anzugehen", sagt der Vater: Vorausschauend planen - ob es der Einkauf ist, der Spielplatzbesuch oder die Frage, wer morgens zuerst ins Bad darf.

In Deutschland hatten Familien 2012 laut Statistischem Bundesamt im Schnitt "1,38 Kinder", heißt es auf der Internetseite der Statistiker.

Ehepaare wie die Riffels sind also eine Ausnahme-Erscheinung. Bundespräsident Joachim Gauck würdigt solche Großfamilien dahingehend, dass er für jedes siebte Kind die Ehrenpatenschaft übernimmt. Am Freitag erhalten Olga und Alexander Riffel im Rathaus die Ehrenurkunde überreicht. "Wir wissen noch gar nicht, was dies genau bedeutet. Aber wir freuen uns natürlich", sagt Vater Alexander. 2002 wurde seine Ehe mit Olga geschlossen, beide sind heute 35 Jahre alt. "Sieben Kinder - das war nicht von Anfang an geplant - obwohl wir beide aus großen Familien kommen", sagt die Ehefrau. Sie hat 14 Geschwister, bei ihrem Mann sind es immerhin fünf. "Geplant war es nicht. Aber ich sage immer: Eins ist keins. Bei zwei Kindern geht die Familie los", schiebt ihr Gatte Alexander lachend nach. Er findet: "Mit mehreren Kindern wird es leichter. Die Familie ist dann groß genug, sich gegenseitig zu helfen."

Da sind wir wieder beim Begriff Unternehmen - die Rollen sind klar verteilt, jeder muss mit anpacken, in dem Haus, das die Familie gemeinsam mit Alexander Riffels Eltern bewohnt. Die Jungs sind etwa dafür zuständig die Treppe zu putzen, die Mädels müssen sich ums Bad kümmern. Ordnung müsse sein, ein fester Rahmen sei wichtig. "Wir frühstücken morgens alle miteinander", betont der Vater. Finden die Kinder es manchmal nervig, so viele Geschwister zu haben? "Nein, ich finde es manchmal sogar richtig cool!", erklärt Melissa, die mit 13 Jahren die älteste ist.

Vater und Mutter Riffel glauben, dass ihre Kinder sehr davon profitieren, in einer großen Familie aufzuwachsen. "Einzelkinder haben oft nicht gelernt, zu teilen", sagt die Mutter. Dass das Leben ein Nehmen und Geben sei, werde in einer Großfamilie rasch klar.

Welche Wünsche hat das Paar? "Dass die Kinder sich gut entwickeln. Die Schule ist sehr wichtig. Wir legen Wert auf gute Noten. Am liebsten hätte ich, dass alle unsere Kinder studieren. Jeder soll etwas aus sich machen", sagt der Vater, der selbst als Monteur in einer Firma in St. Ingbert tätig ist.

Melissas Berufswunsch dürfte dem Vater gefallen: "Ich möchte Ärztin werden", sagt die 13-Jährige. Sohn Jeffrey, 12, ist noch nicht ganz so bodenständig: "Ich will Fußballer werden", sagt der Junge - und Marius, 8, ruft begeistert: "Ich auch!"

Empfinden die Riffels gelegentlich Stress, wird es ihnen manchmal zuviel? Die zwei schauen sich fragend an. Und überlegen eine Weile. Dann schütteln beide den Kopf. "Wir haben keinen Stress. Vielleicht ist das aber auch eine Einstellungssache", gibt der Gatte zu bedenken. Keine Frage: Das Unternehmen Riffel befindet sich in ruhigem Fahrwasser.