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Ein Stück südwestpfälzische Rockgeschichte

Ein Stück südwestpfälzische Rockgeschichte

„Rock 'n' Roll-Niemandsland – Wie Angus Young mich aus der Tanzhölle befreite“ heißt die Autobiographie des Zweibrücker Musikers Lars Lunova. Die Release-Party ist für Sonntag, 12. Juli, geplant.

Wenn heutzutage jeder halbwegs Prominente über 20 eine Autobiographie veröffentlicht, darf man fragen, ob die Welt so etwas wirklich braucht. Jetzt hat sich auch noch der Schlagzeuger der regional bekannten Band Sin City in diesem Genre versucht. Allerdings ist das Buch so unterhaltsam geraten, dass es auch Lesern gefallen dürfte, die zuvor noch nie von Lars Lunova gehört hatten.

Lunova hat seine schillernde Lebensgeschichte aufgeschrieben, die sich bis auf wenige Ausnahmen in Zweibrücken abspielt. "Rock 'n' Roll-Niemandsland" nennt sich das Werk, dessen Titel sich auf die Südwestpfalz vor dem Erscheinen von Sin City oder der Schnappergang, bei der Lunova ebenfalls mitmischte, bezieht. Untertitel: "Wie Angus Young mich aus der Tanzhölle befreite." Angus Young , das weiß jeder Rockfan, ist der Gitarrist der australischen Band AC/DC, den Göttern des Hardrock und großes Vorbild von Sin City.

Mit der Tanzhölle meint der 1968 geborene Lunova die Coverband seines Vaters, in der er seine ersten Bühnenerfahrungen sammelte. Die Rebellion gegen den Mainstream oder die angedachte Karriere als Elek-trotechniker, das Durchziehen des "eigenen Dings", in diesem Fall die Hingabe zur Rockmusik, ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Langweilig wird es dabei nie, weil Lunova es versteht, seine Lebensereignisse anhand von witzigen Anekdoten zu schildern. Und dabei nimmt er wahrlich kein Blatt vor den Mund. "Der ein oder andere wird sich auf den Schlips getreten fühlen, aber ich bin damit im Reinen", sagt der Autor im Gespräch. Mutig ist das schon, schließlich bewegt er sich ja nach wie vor im gleichen Umfeld. Allerdings endet die Autobiographie bereits im Jahr 1996. "Da kam die erste Sin-City-CD raus, das war für mich erstmal ein Punkt", sagt Lunova dazu. Über Vieles ist also schon etwas Gras gewachsen. Trotzdem ist bewundernswert, wie tief der Schlagzeuger den Leser in sein Innenleben blicken lässt. Natürlich drehen sich große Teile des Buchs um Sex, Bier und Rock 'n' Roll. Aber auch Lunovas erste Erfahrungen im sozialen Bereich (bis heute arbeitet er als Erzieher mit verhaltensauffälligen Kindern), seine Beziehungs- und Bandkrisen oder das nicht immer einfache Verhältnis zu seinen Eltern werden unumwunden beschrieben. "Ich bin der Meinung, dass jeder ein Buch schreiben sollte!", erklärt der Musiker seine Motivation, all die Geschichten aufs Papier zu bringen - sonst ginge doch alles verloren. Sprachlich bedient sich Lunova eines flapsigen Stils, der sich gut liest; außerdem enthält das Buch viele Stellen zum Schmunzeln, wie etwa folgende Beschreibung: "Sie sah zwar klasse aus, hatte aber den fast unerträglichen Dialekt unserer Nachbarstadt Pirmasens, den ich versuchte zu überhören." Wer die Achtzigerjahre in Zweibrücken verbracht hat, dürfte sich auch am Lokalkolorit erfreuen: damals, als die Kneipe "Vis á Vis" oder die Disco "Xanadu" noch beliebte Treffpunkte der Jugend waren. Gestern ist das Buch offiziell erschienen, am Sonntag, 12. Juli, um elf Uhr gibt es dann noch eine Release Party im Biergarten der Kneipe Hobbit - natürlich mit passender musikalischer Untermalung. Wer wissen will, wie die Sin-City-Story sowie Lunovas persönliche Geschichte seit 1996 weiterverlaufen sind, muss sich noch etwas gedulden - aber aufgeschrieben wird beides selbstverständlich.

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