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Jahresrückblick 2019 (Teil 4 von 4): Was sonst noch geschah: Ein spannendes Zweibrücker Jahr geht zu Ende

Jahresrückblick 2019 (Teil 4 von 4): Was sonst noch geschah : Ein spannendes Zweibrücker Jahr geht zu Ende

Das Landgestüt kann auf schon rund 60 0000 Euro Spenden von Bürgern und Institutionen zählen. Einige dramatische Prozesse beschäftigten 2019 das Landgericht. Zu einem Eklat im Stadtrat kam es in der Debatte über „Schule 4.0“.

Zum Thema Integration in Zweibrücken begann das Jahr 2019 mit schlechten Nachrichten für Zweibrücken – und endete mit guten. Im Januar recherchierte der Merkur, dass Kinder mit Migrationshintergrund in Zweibrücken viel seltener als sonst in Rheinland-Pfalz von der Grundschule aufs Gymnasium wechseln und Abitur machen. Eine positive Bilanz der Integration von Flüchtlingen in Zweibrücken seit 2015 zogen dagegen im Spätherbst Vertreter von Arbeitsagentur, Migrationsbeirat, Schulen und Polizei.

Ein Dauerbrenner war 2019 die Zukunft des Zweibrücker Bahnhofgebäudes. Trotz des Kaufs im Vorjahr durch die Gewobau gab es zunächst Probleme: Die Gewobau bemerkte, dass das Gebäude in noch schlechterem Zustand als erwartet war, die erforderliche Kernsanierung wird wohl sechs Millionen Euro kosten. Hinzu kamen im Februar Vermüllungs- und Überschwemmungsprobleme. Bürger überreichten Oberbürgermeister Marold Wosnitza eine Petition mit 384 Unterschriften zur Entwicklung des Gebäudes. Damit würden sie offene Türen einrennen, sagte der OB. Und das blieben keine leeren Worte. Denn während die Bahn selbst ihren Service am Bahnhof durch den Abbau eines von zwei Fahrkartenautomaten weiter einschränkte, wurde im Bahnhofsgebäude im Herbst deutlich verschönert und unter anderem mit einem Kiosk mit Backwaren ausgerüstet (dennoch gab es wieder Vandalismus, weswgen die Halle während der Weihnachtsferien versperrt ist).

Die Gewobau ließ auch viele besorgte Bürger aufatmen, weil sie im September verkündete, der zuvor angesichts jahrelanger Vernachlässigung und Besucherschwund von der Schließung bedrohten Zweibrücker Minigolf-Anlage eine Frischzellenkur zu verpassen und mindestens noch einige Jahre zu betreiben.

Sorgen gab es auch um den neuen AOK-Standort in der Poststraße – den hatte die Krankenkasse anderthalb Monate nach dem Umzug noch so versteckt (weder am Gebäude noch online gab es irgendwelche Hinweise auf die AOK) – sodass Sorgen aufkamen, die AOK wolle sich doch ganz aus Zweibrücken zurückziehen. Doch nach dem Merkur-Bericht und einem Brief des Zweibrücker Landtagsabgeordneten Christoph Gensch (CDU) besserte die AOK nach.

Gensch selbst musste seine landespolitischen Ambitionen vorerst begraben: Im Juni trat der zuvor oft als Hoffnungsträger Gehandelte als CDU-Generalsekretär zurück und nannte dafür familiäre Gründe.

Das Zweibrücker Landgestüt bekam dieses Jahr mit Maren Müller nicht nur eine neue Geschäftsführerin – sondern auch viel Geld. Und das aus überraschender Quelle: Fast 100 Bürger, Firmen und Organisationen zahlten bis Ende Dezember bereits rund 33 000 Euro in den neuen „Bürger- und Unterstützungsfonds Unser Landgestüt“ ein, eine Summe in gleicher Höhe wurde fest zugesagt (vor allem von Institutionen). „Die Spenden der Privatleute betragen meist zwischen 50 und 100 Euro. Die Spenden der institutionellen Spender (Vereine, Firmen, städtische Unternehmen und Parteien) sind zum Teil deutlich höher“, teilte auf Merkur-Nachfrage zum aktuellen Stand Ende Dezember Jan Mohr mit, Vorsitzender des Fördervereins Kulturgut Landgestüt Zweibrücken. „Wir freuen uns sehr über die gute Resonanz des Bürgerfonds und die eingegangenen Spenden. Sie ermöglichen es uns als Förderverein, einen signifikanten Beitrag zum Erhalt und Fortbestandes des Landgestütes zu leisten, den wir über die kommenden Jahre stabilisieren und ausbauen möchten.“ Mit dem Fonds sei das Gestüt auch wieder mehr im Bewusstsein der Zweibrücker verankert, freute sich Bürgermeister Christian Gauf, Vorsitzender der Gestütsstiftung. Dazu hätten auch die vielen sehr gut besuchten Veranstaltungen 2019 im Landgestüt beigetragen, darunter die Premiere eines Klassik-Gala-Konzert mit Pferdeshow.

Im März gab es erbitterte Diskussionen im Stadtrat über die angestrebte Digitalisierung der Zweibrücker Schulen mithilfe von Bundeszuschüssen. In der Sache war man sich zwar weitgehende einig. Trotzdem gab es einen Eklat. Die SPD machte öffentlich, dass CDU-Fraktionschefin Christina Rauch sich beim Deutschen Marken- und Patentamt die Rechte an der Marke „Schule 4.0“ hatte sichern lassen – und fragte, ob der Stadt ein finanzielles Risiko drohe, wenn sie diesen Begriff verwende. Rauch nannte die SPD-Wortmeldungen „verschlagen“, witterte Wahlkampf-Motive und behauptete, sie habe die (nach Merkur-Recherchen teure) Eintragung nur auf Wunsch des damaligen Oberbürgermeisters Kurt Pirmann (SPD) getätigt. Was wiederum die SPD empörte, weil Rauch sich damit auf einen Verstorbenen berief und keine schriftliche Quelle nennen konnte.

Klima- und Umweltschutz wurde 2019 auch in Zweibrücken immer mehr zum Thema. Einige Beispiele: 500 Leute kamen allein zur ersten vom drei Zweibrücker „Fridays for Future“-Demonstrationen, der UBZ bot Bürgern und Firmen kostenlos Saatgut für Blumenwiesen an. Und zwar kommt Tesla nicht nach Zweibrücken – aber Teslas können jetzt in Zweibrücken Strom tanken: Die Stadtwerke haben im November zwölf Ladestationen für Elektroautos eröffnet, zuvor gab es nur eine kaum nutzbare. Hitze und Trockenheits trugen im Sommer zu einer beunruhigenden Serie von Feldbränden im Zweibrücker Land bei.

Auch außerhalb der Politik gab es 2019 einiges Bemerkenswertes. Der Herzogplatz hatte Anfang Juni mit 2800 Besuchern bei Nico Santos endlich wieder einmal Gelegenheit, seine große Tauglichkeit für Openair-Konzerte unter Beweis zu stellen – viele Musikfans hoffen, dass sich das bei Veranstaltern herumspricht.

Die Hochschule Kaiserslautern freute sich 2019 über eine neue Studenten-Rekordzahl – wozu maßgeblich auch der Standort Zweibrücken beitrug, unter anderem dank der beiden neuen Fächer „International Business Administration“ und „Wirtschaft und Recht“.Erfreulich war auch die 2019 vorgestellte Kriminalitäts-Statistik der Polizei für 2018: Die Zahl der Straftaten in Zweibrücken, Pirmasens und der Südwestpfalz sank auf den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre.

Trotzdem hatten die Gerichte genug zu tun. Wegen versuchten Totschlags mit einem abgebrochenen Flaschenhals gegen einen Freund wurde eine 42-jährige Zweibrückerin zu viereinhalb Jahren Haft mit Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt.

Im Prozess um einen erstochen Vater in der Wilhelmstraße wurde der psychisch kranke 24-jährige Sohn wegen Totschlags zur Unterbringung in einer forensischen Psychiatrie verurteilt.

Eine 19-jährige Zweibrückerin wurde wegen versuchten Totschlags zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, weil sie eine gleichaltrige Saarbrückerin am Hauptbahnhof Zweibrücken nach einem Eifersuchtsdrama (das Gericht wertete dazu 3500 Handy-Nachrichten aus) zwei Mal hintereinander ins Gleisbett gestoßen hatte, ein Zugfahrer konnte im letzten Moment noch stoppen. Anders als andere „Gleisschubser“-Fälle fand dieser kein bundesweites Echo – die Täterin hatte keinen Migrationshintergrund.

Mit Rücksicht auf Flüchtlinge hätten Polizei und Justiz eine Sexualstraftat im Zweibrücker Freibad verschwiegen, prangerte die AfD-Landtagsfraktion an und mahnte: „Wenn wir uns nicht bald selbst ehrlich machen, werden wir die Kontrolle über unser Land verlieren.“ Allerdings stellte sich nach Merkur-Recherchen heraus Die AfD hatte in der (etwas unübersichtlichen) Straftaten-Übersicht, die das Innenministerium auf AfD-Anfrage erstellt hatte, übersehen, dass der Tatverdächtige im Zweibrücker Freibad gar kein Flüchtling oder Ausländer war – sondern Deutscher.

Obwohl es im Prozessverlauf keine eindeutigen Beweise für ein Autorennen gab, verurteilte das Landgericht wegen eines illegalen Rennens mit fahrlässiger Körperverletzung die Fahrer eines AMG-getunten Mercedes (Haft auf Bewährung) und eines Porsche (Zahlungsauflage und Arbeitsstunden), die auf der A 8 eine kleine Massenkollision verursacht hatten.

Nach einem schweren Unfall in der Ortsdurchfahrt Mittelbach – ein Auto schleuderte, wo kurz zuvor noch Passanten liefen – über den Bürgersteig gegen ein Haus – fordert der Ortsbeirat verkehrsberuhigende Maßnahmen wie mehr Blitzer – oder auch Selbsthilfe-Maßnahmen wie das Parken auf der Straße (statt unerlaubt halb auf dem Bürgersteig).

Drei Evakuierungen sorgten für Aufregung in Zweibrücken: Wegen einer ausgebrannten Leuchtgranate aus dem Zweiten Weltkrieg wurde die mittlere Passage des Outlet-Centers am 3. Juli eine Stunde gesperrt. Am 17. Oktober gab es eine anonyme Bombendrohung gegen das Rathaus – dass sie falsch war, war doppeltes Glück, denn die Droh-Mail wurde erst zwei Stunden nach Eingang gelesen, die Polizei erst kurz nach der angeblichen Explosionszeit informiert. Weshalb dann auch nur noch 15 Rathaus-Mitarbeiter evakuiert worden.

Folgenreicher war der Fund einer 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg an der Kita-Baustelle an der Gabelsbergerstraße: Zur Entschärfung mussten am 29. Oktober 3000 Zweibrücker ihre Wohnungen, Büros oder Geschäfte im Umkreis von 500 Metern verlassen.

Jahresrückblick Teil 1: Groko-Ende in Stadt und Land

Jahresrückblick Teil 2: Wie Tesla (fast) zur Zweibrücker Sensation des Jahres wurde

Pferde-Klassik-Gala: Das Euroclassic-Festival gastierte erstmals auch im Landgestüt. Dies war 2019 eines von vielen gut besuchten Events dort. Foto: cvw
Wegen dieses Bombenfunds wurden 3000 Zweibrücker evakuiert. Foto: Jan Althoff

Jahresrückblick Teil 3: Viel Spott über ausgebremsten Überflieger, Teilzeit-Streit um große Bauprojekte