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Dreißig Jahre, vier Paar Hufe und vier Räder

Dreißig Jahre, vier Paar Hufe und vier Räder

In Erinnerungen schwelgte der Verein für Pferdefahrsport Westpfalz – ausgelöst durch einen Film, der eine Wanderfahrt von vor 14 Jahren wieder aufleben ließ. Eine ähnliche Fahrt soll es im Jubiläumsjahr wieder geben.

"Wir packen es noch einmal an!" Beim Neujahrsstammtisch des Vereins für Pferdefahrsport Westpfalz in der "Alten Brauerei Grund" flammte die alte Begeisterung für das Wander-Kutschenfahren wieder auf. Mit einem facettenreichen, bunten Film von Holger Euskirchen erinnerten sich die fast 40 Kutschenfahrer der weiten Region von Pirmasens bis Limbach an ihre Fahrt auf dem Stanislausweg und der alten Salzstraße vom Gestüt La Rosière bei Nancy bis nach Zweibrücken . Vor 14 Jahren trafen sie nach acht Tagen auf der Straße pünktlich zum Euro-Pferdetreff wieder in der Heimat ein.

Sehnsucht, freudige Erinnerungen, auch Trauer, weil fast alle Pferde und auch einige Teilnehmer nicht mehr unter uns sind, bewegten die Gemüter. Die zahlreichen Neuzugänge im Verein staunten darüber, was damals möglich war: Fünf Kutschen und Planwägen, zehn Pferde und fast 30 Reisende galt es zu versorgen.

Allein die Toilettennutzung bei der Unterkunft auf dem Familienbauernhof sei ein Meisterstück gewesen. Ganz abgesehen vom Planungsaufwand: Zwei Tage lang mit dem Lkw des Landgestüts alle Pferde nach Rosière "kutschen" - die Route ausarbeiten, abfahren, Quartiere für den Tross finden. "Es war wunderbar, und wer so etwas miterlebt hat, zehrt sein ganzes Leben lang davon", waren sich alle einig. "Einigkeit macht stark und man kann etwas bewegen. Wenn man einen Verein hoch halten will, geht das nur mit Herzblut und Freude", betonte der Vorsitzende und Trossführer, Augustinus Mayer. "Jeder hat jedem geholfen, Hufe beschlagen, Bier einkaufen, die Pferde bändigen, am Planwagen reparieren", erinnerte sich der Pirmasenser Erich Kissmann an Herausforderungen und ihre Lösung. "In diesem Maß ging das nur durch Fördergelder des Landes und die Unterstützung durch Hans Dieter Nebe", dankte Mayer dem ehemaligen Gestütsleiter in Abwesenheit. Da der Verein in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert, sei neben dem üblichen Sommerturnier auf der Rennwiese auch eine Mehrtagesfahrt wünschenswert. Vorschläge hierzu kamen von Zweibrückens bekanntestem Kutschenfahrer, Werner Euskirchen.

Vergangenes Jahr hatte dieser nach 300 Jahren Einzug von Polenkönig und Fasanerie-Begründer Stanislaus Leszczynki im Herzogtum Zweibrücken , die "Rückkehr des Königs" mit drei Kutschen als "Kurier des Herzogs" begangen: mit einer Fahrt von Rodalben nach Zweibrücken und unterwegs mit den Bewohnern etwa in Rieschweiler gemeinsam gefeiert. Noch bis 2019 will Euskirchen jedes Jahr eine Tour auf der Fortsetzung des Stanislausweges durch den Bliesgau bis nach Saargemünd organisieren, in diesem Jahr bis zum Kloster Gräfinthal. "Zum Todestag von Anna Leszczynska, die dort begraben liegt, am 20. Juni", schwebt ihm vor.

Im kleineren Rahmen - keine fünf Kutschen mehr und auch keine ganze Woche - sind alle Feuer und Flamme. "Ich bin dabei", streckt Erich Kissmann trotz seiner 76 Lenze sofort die Hand. "So lange ich das körperlich kann, mache ich mit! Da freuen sich natürlich auch meine Pferde ."