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Drei weitere Stolpersteine für Zweibrücken

NS-Gedenken : Drei weitere Stolpersteine

Mit dem Projekt erinnert der Künstler Gunter Demnig an Zweibrücker Opfer der NS-Zeit.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, begründet der Künstler Gunter Demnig sein europaweites Projekt, bei dem er an Opfer der NS-Zeit erinnert. Dabei hat er bereits in 1265 Kommunen in 21 Ländern über 70 000 Stolpersteine verlegt. In Zweibrücken sind es bisher elf. In der nächsten Woche, am Dienstag, 7. Juli, kommen drei weitere hinzu. Damit werden drei weitere Menschen nicht vergessen.

Verlegt werden auch diese drei Stolpersteine vor den Häusern, in denen die Personen zuletzt selbst gewählt lebten. In der Karlstraße (um neun Uhr) wird an den Plüschfabrikanten Otto Escales erinnert. Und in der Mühlstraße (um 9.30 Uhr) an das Ehepaar Emil und Chana Dellheim.

Die Zweibrücker Brüder Gerhard und Rainer Schanne haben die Patenschaft für den Stolperstein in der Karlstraße übernommen. Als Jude wurde der ehemals angesehene Fabrikant in der Nazi-Zeit „entrechtet, gedemütigt und praktisch enteignet“, schreibt die Leiterin des Zweibrücker Stadtmuseums Charlotte Glück in einer Pressemitteilung. Die Mitgliedschaft seines Zwillingsbruders Emil in der Casino-Gesellschaft und im Deutschen Alpenverein seien Beleg für die sehr gute Integration in die Gesellschaft.

Den Immobilienbesitz konnte Escales nicht verkaufen, da der damalige Oberbürgermeister Collofong es 1938/39 ablehnte das Grundstück für mehr als 40 Prozent des Einheitswertes zu kaufen. Escales starb völlig verarmt in Frankfúrt bei seiner Schwester. Nutznießer war die Stadt, die das Grundstück 1941 bei der Zwangsversteigerung günstig erwarb.

Jean Maurice Pigeon, der heute in Kanada lebende Mitbegründer und Motor der Städtepartnerschaft mit Barrie, hat die Patenschaft für die Stolpersteine für das Ehepaar Emil und Chana Dellheim übernommen. Dellheim betrieb in Zweibrücken eine Pferdemetzgerei. In der Reichspogromnacht wurde er wie weitere jüdische Männer verhaftet und ins Zweibrücker Gefängnis gebracht.

Sein Vermögen wurde der staatlichen Vermögensverwaltungsgesellschaft übertragen. Anschließend wurde Dellheim in Dachau inhaftiert. Später ging er in seine Geburtsstadt Mutterstadt zurück. Von dort wurde er am 22. Oktober 1940 mit seiner Ehefrau nach Gurs deportiert. Doch wie für viele pfälzische Juden war Gurs eine Zwischenstation. Im August 1942 wurde er nach Ausschwitz gebracht, wo er ermordet wurde. Seine Ehefrau überlebte Gurs. Traumatisiert starb sie in einer psychiatrischen Anstalt.

Die Stadt Zweibrücken unterstützt diese Gedenkarbeit. Oberbürgermeister Marold wird die interessierten Bürger und den Künstler am Dienstagvormittag begrüßen. Museumsleiter Glück führt in die Familiengeschichte ein. Die Stadt weist darauf hin, dass an den Verlegeorten die Hygieneverordnung zu beachten ist. Das bedeutet Mund-Nasen-Bedeckung, Abstandsregel, Desinfektion der Hände und Hinterlegen der Kontaktdaten, um die Besucher im Notfall zu informieren.