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Drei Pfarrstellen werden im protestantischen Kirchenbezirk Zweibrücken bis 2025 eingespart.

Protestantischer Kirchenbezirk Zweibrücken : Die Zeichen stehen auf Sparen

Drei Pfarrstellen werden im protestantischen Dekanat bis 2025 eingespart. Pfarrer sollen nicht mehr fest einer Gemeinde zugeordnet werden. Über Konkretes wird in offenen Gesprächsrunden diskutiert.

Der Protestantische Kirchenbezirk Zweibrücken läutet einen Sparkurs ein. Drei Pfarrstellen werden bis 2025 im Kirchenbezirk gestrichen. Die Details sollen in sogenannten „Werkstatt-Tagen“ gemeinsam mit den Kirchenmitgliedern diskutiert werden. Auftakt ist in Contwig am 8. Februar.

Dekan Peter Butz hatte bereits in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass die Streichung der drei Stellen am Horizont steht (der Merkur berichtete). Am Donnerstag erläuterte der Dekan mit seinem Stellvertreter, Pfarrer Tilo Brach, die Hintergründe.

„Wir merken, dass die Welt sich verändert hat“, sagte Butz zu Beginn. Wobei es genaugenommen nicht die Welt ist, die sich verändert hat – sondern, die Menschen, die auf ihr leben. Es sei ein Zeichen der Zeit, dass der Einzelne bindungsscheu, unverbindlicher werde. Die unbedingte Hingabe oder Treue zu einer Institution, einem Verein, das sei in früheren Zeiten stärker verankert gewesen.

„Es findet eine Verinselung statt“, sagte der Dekan, jeder lebe auf seiner Insel, mit gewissen Kontakten zur Außenwelt, zu anderen „Inseln“, aber doch ein Stück weit isoliert, auf sich selbst konzentriert.

Auch seine Kirche spüre diese Entwicklung deutlich, räumte Butz ein. „Die Zahl der Kirchenmitglieder nimmt ab, Menschen treten aus der Kirche aus“, das treffe seine Kirche bundesweit und natürlich auch den Kirchenbezirk Zweibrücken.

„Wenn man mal schaut, wie viele Konfirmanden wir früher hatten . . .“, merkte Butz weiter an. „Früher wurden 100 Prozent der Getauften auch konfirmiert. Teilweise sogar über 100 Prozent, weil auch nicht Getaufte mit zur Konfirmation gingen.“ Heute seien es im Schnitt nur noch 70 Prozent, teilweise auch weniger.

Dazu komme: Die Zahl derer, die sich als Pfarrer beziehungsweise Pfarrerin bewerben, gehe kontinuierlich zurück. „Wir haben Nachwuchssorgen“, bestätigte Butz’ Stellvertreter Tilo Brach. Es sei immer schwieriger, die Gläubigen seelsorgerisch vollumfänglich zu betreuen. Folglich sei in der Landeskirche die Entscheidung gefallen: Drei Pfarrstellen im Kirchenbezirk Zweibrücken werden gestrichen – in anderen Bezirken ähnlicher Größe wie der Zweibrückens würden gleichfalls drei Stellen gestrichen, erklärte der Dekan.

Künftig verblieben im Kirchenbezirk Zweibrücken dann noch 16 Gemeindepfarrstellen. Inwiefern diese alle besetzt werden könnten, hänge dann unter anderem von der Zahl der Bewerber ab.

Die Landeskirche habe „keine Vorgaben gemacht“, wo die drei Stellen genau gestrichen werden müssten, das sei Aufgabe des Kirchenbezirks.

Und der Kirchenbezirk Zweibrücken wiederum ist der Auffassung, dass er dies keinesfalls in Eigenregie, quasi „von oben herab“ diktierten könne, so der Dekan. „Wir wollen dies gemeinsam mit den Kirchenmitgliedern tun“, sagte Butz.

Daher seien besagte „Werkstatt-Tage“ anberaumt worden. An drei verschiedenen Orten soll gemeinsam mit der Basis über die geplanten Sparmaßnahmen und Sorgen und Nöte diskutiert werden. Die ersten Termine sind bereits fixiert: Auftakt ist am 8. Februar in Contwig (Veranstaltungsort wird im Laufe des Januar noch bekanntgegeben), am 29. Februar in Zweibrücken (Karlskirche) und am 21. März in Blieskastel (Käthe-Luther-Haus) – es handelt sich hierbei immer um Samstage, Veranstaltungszeitraum ist stets von 9 bis 14 Uhr.

„Alle Mitglieder der Presbyterien haben wir hierzu bereits eingeladen, ferner engagierte Mitglieder in den Gemeinden“, so Butz. Zusätzlich zum Diskutieren seien an den Vormittagen auch alle interessierten Gläubigen eingeladen, jeder könne sich einbringen.

Butz und Brach bestätigen, dass man selbstredend zur Kenntnis genommen habe, welche Widerstände es in der katholischen Kirche an der Basis gegeben hat, als dort Reformpläne bekanntgegeben wurden (so war im Bistum Trier die Kritik an Bischof Stephan Ackermann enorm, wir berichteten mehrfach).

Die protestantische Kirche gehe zwar aufgrund des Postulats Martin Luthers vom „Priestertums aller Gläubigen“ organisatorisch einen anderen Weg als die katholische Kirche. Dennoch möchten Butz und Brach vermeiden, dass auch in ihrem Kirchenbezirk das Gefühl entsteht, Reformen würden von oben durchgedrückt.

Die „Werkstatt-Tage“ in Contwig, Zweibrücken und Blieskastel sollen insgesamt vier Mal stattfinden – also vier mal drei Treffen. „Die ersten beiden ,Runden’ sollen Ende des Jahres abgeschlossen sein. Zu diesem Zeitpunkt sind dann die neuen Presbyter-Wahlen durchgeführt und die frisch Gewählten können sich in zwei weiteren Gesprächsrunden einbringen“, so Brach zum Zeitplan.

Korrespondierend zu den „Werkstatt-Tagen“ sei die Verwaltung der Kirchengemeinde dabei, eine Übersicht über die Gebäudebewirtschaftung zu erstellen; es werde geprüft, wie viele Gebäude im Bestand sind, wie diese genau genutzt werden und ob auf diese möglicherweise künftig verzichtet wird. Butz: „Zwei Drittel der Gebäude sind bereits erfasst.“

Neue Wege gehe man auch bei der Verwaltung der Kitas: Die Protestantischen Kindertagesstätten im Kirchenbezirk Zweibrücken, die in den Landkreisen Südwestpfalz und Saarpfalz-Kreis liegen, können bereits ab diesem Jahr Mitglied des Kitaverbunds Zweibrücken werden, in dem die Kindertagesstätten zentral verwaltet werden.

Auch die Verwaltung der Pfarrstellen soll überdacht werden. „Wir wollen weg von der festen Zuordnung einer Pfarrstelle für eine Kirchengemeinde“, sagt Butz. Überhaupt müsse bei der Arbeit der Seelsorger einiges neu justiert werden.

„90 Prozent der Arbeitskraft werden in zehn Prozent der Kirchenmitglieder investiert“, sagt der Dekan. Es gelte, Aufgaben neu zu verteilen, zu entlasten, Schwerpunkte anders zu setzen. Das alles wird Gegenstand der Werkstatt-Tage sein.