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Drei Holzkreuze erinnern an die toten Zweibrücker Kameraden

Drei Holzkreuze erinnern an die toten Zweibrücker Kameraden

Kundus. Das Lager des "Provincial Reconstruction Team-Kunduz" (PRT) der Bundeswehr nahe Kundus liegt samt Flugplatz wie eine mittelalterliche Festung auf einem natürlichen Lehmboden-Plateau, das sich zwischen zwei Flüssen und weiten Ackerfeldern mitten aus dem flacheren Umland emporhebt

 Klaus Geier
Klaus Geier

Kundus. Das Lager des "Provincial Reconstruction Team-Kunduz" (PRT) der Bundeswehr nahe Kundus liegt samt Flugplatz wie eine mittelalterliche Festung auf einem natürlichen Lehmboden-Plateau, das sich zwischen zwei Flüssen und weiten Ackerfeldern mitten aus dem flacheren Umland emporhebt. Eine der wenigen befestigten Straßen in der gleichnamigen Provinz, vom Militär auf den Namen "Road Pluto" getauft, führt aus der 95000-Einwohner-Stadt Kundus hinaus und zieht sich nach Süden, am Militär-Camp vorbei, ins Flachland. "Von dort unten kommen fast täglich Raketen auf unser Lager geflogen, unsere Einsatzkräfte sind hier in der Gegend nahezu rund um die Uhr im Einsatz", sagt Oberstleutnant Klaus Geier, Kontaktoffizier für Besucher des Lagers, und lässt seinen Blick über das Gelände streifen. Was sich dem Betrachter rund um das Camp bietet, ist ein unwirklich erscheinendes Endzeit-Szenario: Zwischen vereinzelten Siedlungen, aus Lehm und Erde gebaut, sieht man einen riesigen Panzerfriedhof, von Sprengungen in tiefe Krater verwandelte Gebäudereste und sogar vereinzelte Helikopterwracks. Die Gegner der deutschen Nato-Einheiten in Kundus sind als "Insurgents" (Aufständische) bezeichnete Kämpfer, die immer wieder ganze Landstriche verminen, Hinterhalte durchführen und als "Suicide-Bomber" sogar freiwillig den Tod wählen, um die vermeintlichen Besatzer zu verjagen. "Zentral ist aber das Problem des ständigen Raketenbeschusses, erst am Heilig Abend ging es hier das letzte Mal richtig zur Sache", berichtet Oberstleutnant Geier. Durch hochmoderne, stahlbewehrte Schutzbauten sind die rund 650 Männer und Frauen im Camp zwar relativ sicher vor den meist ungenauen einschlagenden Raketen. Tag und Nacht ausrückende Patrouillen zu Sicherung eines Nahbereichs von zehn Kilometern um das Lager herum stellen für die zirka 350 Soldaten der Bundeswehr im Camp allerdings eine wirklich reelle Bedrohung dar. Trauriger Höhepunkt waren in diesem Jahr die in einem solchen Einsatz ums Leben gekommen Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 263 aus Zweibrücken (wir berichteten). Deren Muttereinheit, die so genannte Saarland-Brigade, ist in Kundus aber auch aktuell noch mit knapp 40 Fallschirmjägern aus der Kaserne in Lebach präsent. Im Camp bewohnen die Lebacher die so genannte Fallschirmjägerburg, eine Zeltstadt umgeben von meterhohen Schutzwällen aus Erde und Steinen. Am Eingang zur "Burg" hängen die Ortsschilder der heimischen Standorte und - direkt daneben - Holzkreuze, um an die drei in diesem Jahr gefallenen Soldaten zu erinnern. Eine bizarre Konstruktion, die Heimatgefühl und tödliche Realität vereint. "Wir sind hier eine kleine aber wehrhafte Ritterburg", beschreiben die Soldaten ihre Heimat auf Zeit. Bis Mitte März müssen sie noch routiniert mit Raketenbeschuss leben und in Lebensgefahr in ihre Einsätze ausrücken und können sich in der geringen Freizeit auf engstem Raum nur im "Lummerland", der Betreuungsanstalt im Camp, bei Tischfußball, Billard, einem Bier und Musik für kurze Zeit Ablenkung suchen. Doch die Stimmung ist gut, der lebensgefährliche Alltag sei "unsere selbst ausgesuchte Arbeit", heißt es aus den Reihen der Soldaten. Eine gewisse Art schwarzen Humors ist der seltsam passende Unterton in den Gesprächen im Lager: Auf eine "Nacht, die in Deutschland lauter nicht sein könnte" bereitet man sich demnach in Kundus zum Jahreswechsel vor und generell herrsche auch eine "Bomben-Stimmung".