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Dieter Bischoff liest "7pfeiffer" in der Karlskirche Zweibrücken

Lesung : Aus dem Leben eines Ungewöhnlichen

In der Karlskirche hat der Rimschweiler Autor Dieter Bischoff sein Buch über Siebenpfeiffer vorgestellt.

Der saarpfälzische Rebell Philipp Jakob Siebenpfeiffer ist eine ebenso bedeutende wie bekannte Persönlichkeit. Über den vom Bayerischen König Berufenen „Landcomissionär“ (Landrat) sind zahllose Fachbücher geschrieben worden. Denn der Homburger Poet und Jurist war zugleich ein großer Freiheitskämpfer und Rädelsführer der Demokratiebewegung, die von der heutigen Saarpfalz ausging. Ein Historienroman, der neben geschichtlichen Fakten und Wissensvermittlung zugleich die Leselust bedient, ist jedoch neu.

So jedenfalls die Erkenntnis von Fritz Presl, der die Moderation der Autorenlesung von Dieter Bischoff im Foyer der Karlskirche übernahm. Denn jetzt hat der gebürtige Rimschweiler Autor mit dem ersten Teil seines doppelbändigen „7pfeiffer“-Werkes den wohl ersten Historienroman über den Mitbegründer des Deutschen Vaterlandvereins und Herausgeber zahlreicher Protestschriften gegen den Feudalismus von König Luwig II. Von Bayern, zu dessen Hoheitsgebiet die Rheinpfalz Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte, veröffentlicht. Am Freitag stellte der 72-Jährige, der am Ammersee lebt, seinem Zweibrücker Fan- und Freundeskreis sein neuntes Werk in einer musikalisch umrahmten Erlebnis-Lesung persönlich vor.

Als junger Schriftsetzer hatte er die Festschrift zum Wiederaufbau der im schwedischen Stil gehaltenen Karlskirche zu verantworten und auch die nach dem legendären Schriftsetzermeister Georg Ritter benannte Straße liegt ganz in der Nähe, erklärte er den ausgewählten Ort. In Dieter Bischoffs von Wortwitz und Bonmots sprühendem Werk vereinen sich die Historie mit unter anderem Original-Siebenpfeiffer-Zitaten und hinzu gedichteten Phantasiegestalten, wie dem illustren Paar, der schwarzhäutigen Aimee und ihrem Mann Arsen als dessen Beschützer und einem ausgedehnten Lokal-Cholorit.

So hat der gelernte Schriftsetzermeister nicht nur seinem zehn Jahre älteren Lehrherrn und Freund für‘s Leben, Kurt Werle, als Alter-Ego von Georg Ritter ein literarisches Denkmal gesetzt. „Zweibrücken ist eine der bedeutendsten Druckerstädte, nicht der Pfalz oder Deutschlands, sondern der Welt“, erinnerte Dieter Bischoff stolz. Mit einem ebenso wortgewandten wie ausufernden Gedicht stimmte er sein Publikum auf das Kommende ein.

Die erste gelesene Textpassage, in der er gleich die wichtigsten Protagonisten wie das Ehepaar Philipp Jakob Siebenpfeiffer und dessen Ehefrau Emilie, Georg Ritter und dessen Tochter Julie, deren fiktives Beschützerpaar sowie den überlieferten Freiherrn von Renwitz als Vorstand der Gendarmerie vorstellt, spielt in Ritters Refugium. Hier lassen sich die Siebenpfeiffers das Schriftsetzter-Handwerk erklären, dem Bischoff viel Raum widmet. Ebenso wie Emilie Siebenpfeiffer, die er als selbstbewusste und hoch intelligente Persönlichkeit ihrem Mann ebenbürtig zur Seite stellt zu einer Zeit, da Frauen an den Herd gehörten und zu gehorchen hatten.

Doch Siebenpfeiffer wollte in seinen Schriften die Gleischstellung von Frauen und Männern betonen und von der Obrigkeit verlangen. Sachinformationen wie über das Zweibrücker Schloss führen in die jüngste Vergangenheit (bereits vor 200 Jahren wurde ein Eichenwäldchen einfach zu Gunsten eines Bauwerks abgeholzt) und zu den Zitaten aus der Festschrift „200 Jahre Oberlandesgricht Zweibrücken“ aus der Feder des langjährigen OLG-Präsidenten und Bischoff-Förderers Walter Dury.

Mit seinen vielfältigen „Einwürfen“ erzählt der ehemalige Fußballprofi auch im Historienroman aus seinem Leben, bis er im 21. Kapitel seines 45 Kapitel auf 300 Seiten starken Werkes Spannung aufbaut. „Heißt das, wir müssen uns sorgen?“ fragt Philipp Jakob Siebenpfeiffer in einem konspirativen Treffen in seinen Amts- und Privaträumen Aimee und Arsen. Diese haben erfahren, dass nicht nur seine Position als Landrat gefährdet ist, am Bayerischen Hof von „King Lui“ von Versetzung und Herabstufung die Rede ist, sondern Freiherr von Rendwitz wohl Beweise suche, um die Druckerpresse von Georg Ritter zu versiegeln. Ohne mich“, beschließt Dieter Bischoff seine knapp zweistündige Lesung. Er bekennt: „Am liebsten hätte ich Euch das ganze Buch vorgelesen. Doch dann habt Ihr keinen Grund mehr, es zu kaufen.“

Was ihm in dem Bemühen, allen Einflüssen für dieses Buch gerecht zu werden, an rotem Faden auf dem Blick gerät, gleicht Eckhard Fischer als „Eckes“ aus. Der historisch versierte Barde sorgte mit den passenden Revolutionsliedern zur Gitarre stimmgewaltig für die rechte Stimmung. In einem unterhaltsamen Geschichtsunterricht erstaunte er mit deren Hintergründen. Zum Abschluss schmetterte das rund 60-köpfige Publikum gemeinsam „Die Gedanken sind frei“.

Karin Schanne hat als Seniorin selbst bereits einiges erlebt und fand den Abend „sehr interessant“. Die Homburgerin Karin Kuhn lobte die Textauswahl, neugierig auf das Gesamtwerk. Ihr Ehemann Norbert, Fußballkollege von Dieter Bischoff, nutzte den Abend nach vielen Jahren im Ausland, um wieder Kontakt zu den alten Kumpels zu pflegen. Was sich in den 200 Jahren seit Siebenpfeiffer laut Fritz Presl nicht gewandelt hat: „Es lohnt sich immer wieder, sich für die Freiheit in Deutschland einzusetzen!“

Ein Bericht über die Lesung von Dieter Bischoff ist auch im Internet zu sehen unter www.youtube.com/watch?v=U65IvvQFIgU.

Dieter Bischoff „7Pfeiffer“, Verlag tredition 2021, 316 Seiten. 20 Euro,
ISBN: 978-3-347-38226-8