1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Die Welt ist auf den Kopf gestellt: Zweibrückens Oberbürgermeister Marold Wosnitza steckt in Australien fest

Oberbürgermeister sitzt in Australien fest : Die Welt ist auf den Kopf gestellt

Oberbürgermeister Wosnitza will Urlaub in Australien abbrechen – und hat damit größte Probleme im Corona-Chaos. Lob für Bürger und Verwaltung.

Die Welt steht Kopf. Für die Zweibrücker, weil seit Mittwoch das öffentliche Leben in der Stadt mehr oder weniger lahmgelegt ist. Und auch für Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD).

Der befindet sich momentan nicht in der Rosenstadt, sondern am anderen Ende des blauen Planeten. Für ihn ist die Welt ebenfalls auf den Kopf gestellt – er möchte zurück in die Heimat, nach Zweibrücken. Aber damit hat er allergrößte Probleme.

Der Pfälzische Merkur erreichte Marold Wosnitza am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) in Australien. Der Oberbürgermeister klang sehr gedrückt. „Wir stecken hier fest“, klagte Wosnitza. „Wir“, das sind seine Gattin Heike Heb und er.

„Dieser Urlaub in Australien war lange geplant, das war als unser Jahresurlaub gedacht. Nach Australien fliegt man ja nicht mal einfach so hin. Der Flug dauert zirka 20 Stunden.“

Am 5. März flog das Ehepaar los, Richtung West-Australien. „Drei Wochen wollten wir bleiben, es sollte sich ja lohnen.“ Am Vorabend klangen die Nachrichten zu der Corona-Krise nicht zu ernst, die Agenturen vermeldeten in ganz Deutschland einige Dutzend Infizierte, in Rheinland-Pfalz und im Saarland war niemand infiziert.

„Wir dachten, dass sich das alles nicht so dramatisch anhört, dass wir ruhigen Gewissens fliegen können“, schildert Wosnitza. Doch in den darauffolgenden Tagen überschlugen sich die Ereignisse.

Und der Oberbürgermeister und seine Ehefrau mussten fassungslos vom anderen Ende der Welt aus zusehen, wie die Zahl der Infizierten nach oben schnellte und die anfangs so zögerliche Bundesregierung immer einschneidendere Maßnahmen beschloss.

 Wenige Tage nach dem Eintreffen an ihrem Urlaubsort wollten Wosnitza und seine Gattin wieder zurück. „Unser ursprünglich geplanter Rückflug steht. Das ist kein Problem. Aber einen früheren Rückflug zu bekommen, ist ein großes Problem. Ich stehe im Kontakt mit meinem Reisebüro, man versucht dort schon seit Tagen, mir den Abbruch zu ermöglichen.“

Aber in den Reisebüros herrscht ebenfalls Chaos. Dort ist genauso die Welt auf den Kopf gestellt.

Der Oberbürgermeister ist „in regelmäßigem Austausch mit Bürgermeister Christian Gauf“, Wosnitza verfolgt alle Schritte im Rathaus der Rosenstadt genau – und spricht ein großes Kompliment aus. „Das Rathaus leistet sehr gute Arbeit. Ein Rädchen greift ins andere, der Bürgermeister und die anderen Mitarbeiter machen das toll.“ Und die Bürger verhielten sich überwiegend offenbar auch besonnen und rücksichtsvoll.

Aber als Oberbürgermeister möchte er vor Ort sein. „Das ist jetzt eine schwere Zeit für die Zweibrücker, ich will bei ihnen sein.“

In Australien, fast 22 mal größer als Deutschland, waren am Donnerstagabend rund 500 Erkrankungen registriert. Also dramatisch weniger als in Deutschland (dort waren es über 11 000).

OB Marold Wosnitza. Foto: Marold Wosnitza/Claudia Fahlbusch

Doch auch wenn die Welt derzeit Kopf steht – in manchen Dingen unterscheiden sich die Menschen nicht. Wosnitza: „In Australien wird genauso gehamstert wie bei uns. In den Supermärkten gibt es teilweise kein Klopapier mehr.“