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Die Telefonzelle soll nicht sterben

Die Telefonzelle soll nicht sterben

Zweibrücken. Sie ist mehr und mehr vom Aussterben bedroht: die Telefonzelle. Zunehmend fallen Standorte dem Siegeszug der Handys zum Opfer. Das gilt auch für Zweibrücken, wo nach Auskunft von Stadtsprecher Heinz Braun die Zahl der Telefonzellen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist

Zweibrücken. Sie ist mehr und mehr vom Aussterben bedroht: die Telefonzelle. Zunehmend fallen Standorte dem Siegeszug der Handys zum Opfer. Das gilt auch für Zweibrücken, wo nach Auskunft von Stadtsprecher Heinz Braun die Zahl der Telefonzellen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist. Und das Sterben geht weiter: Bundesweit will die Telekom nach einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa gut die Hälfte der noch knapp 50 000 Standorte zur Grundversorgung aus wirtschaftlichen Gründen abbauen (wir berichteten). "Sie werden immer unrentabler", sagt auch René Henn, Sprecher der Bundesnetzagentur. Insgesamt beziffert er die bundesweite Zahl der Telefonzellen auf 79 000 (Stand: 2010).Betrifft der Abbau einen der erwähnten 50 000 "Pflichtstandorte" für die Grundversorgung, halten Telekom und Bundesnetzagentur zuvor Rücksprache mit den Kommunen. Die Stadt Zweibrücken hat schon öfter einem Abbau zugestimmt, zuletzt verschwand im vergangenen Jahr die Telefonzelle vom Alexanderplatz: "Wir können uns nicht den ökonomischen Umständen verschließen", sagt Braun. Oftmals tendiere der Umsatz eines Standortes gen null. "Noch ist keine Beschwerde bei uns eingegangen, weil eine Telefonzelle abgebaut wurde." Aber: "Wir legen Wert auf eine gewisse Grundversorgung." So solle zum Beispiel zumindest ein Standort pro Vorort erhalten bleiben. Denn eine gewisse Nachfrage gibt es trotz Handys weiterhin. Das sagt auch Telekom-Sprecher André Hofmann: "Sonst würden wir das Angebot ja nicht aufrecht erhalten." Wie viele Telefonzellen es noch in Zweibrücken gibt, können weder er, noch Braun, noch Henn genau beziffern. Doch wie viele es auch sind - dass es bald gar keine Telefonzellen mehr gibt, scheinen die Zweibrücker nicht zu wollen, wie eine Merkur-Umfrage in der Innenstadt zeigt. Auch wenn viele auf die Frage, wann sie zuletzt eine solche benutzt haben, genau überlegen müssen: "Ich glaube, das letzte Mal war vor 20 Jahren", schätzt der 73-jährige Fritz Peske. Für ihn sind Telefonzellen aber nicht wegzudenken, da sie beispielsweise am Bahnhof oder am Flughafen jederzeit gebraucht werden.

Hilfreich für Ältere

Anja Bähr (23) aus Zweibrücken weiß nicht mehr genau, wann sie das letzte Mal eine Telefonzelle genutzt hat. "Nur ganz selten" habe sie damit telefoniert, weswegen sie es auch nicht stören würde, wenn die Telefonzellen abgeschafft werden würden. Allerdings ist sie der Meinung, dass Telefonzellen für ältere Menschen durchaus brauchbar sind, da die meisten von ihnen kein Handy hätten. Selima Nobrda aus Zweibrücken hat noch nie eine Telefonzelle genutzt. Trotzdem findet sie, dass sie sinnvoll in "Notfällen" sind, wenn man zum Beispiel sein Handy vergessen hat. Die 23-jährige meint dennoch, dass Telefonzellen in Zukunft nicht mehr gebraucht werden, da "heute fast jedes kleine Kind schon ein Handy hat".

Britt Schubert (47) kommt ebenfalls aus Zweibrücken. Die Telefonzelle hatte sie das letzte Mal vor fünf Jahren genutzt, "lange her" wie sie meint. Auch sie schätzt, dass nur noch ältere Leute Gebrauch von Telefonzellen machen oder diejenigen, die das Geld zur Nutzung eines Handys nicht haben.

Der Pirmasenser Franz Stöckle (55) weiß noch, wann er das letzte Mal eine Telefonzelle besucht hat: "Das war vor etwa zwei Wochen", erzählt er. Für die heutige Zeit seien seiner Meinung nach Telefonzellen noch brauchbar, zum Beispiel wenn man gerade kein Handy zur Hand habe. Für Telefonzellen könne man auch wieder Kleingeld statt Karte zu nutzen, deshalb würde er es "bedauern", die Telefonzellen ganz abzuschaffen. gda/mila/rme