„Die Stimmung ist gereizt“

Kurt Dettweiler, Ortsvorsteher für Mittelbach-Hengstbach, warnt davor, Windräder im Dörrenbachwald bei Hengstbach vor der Nase der Anwohner aufzustellen. Der Dörrenbachwald sei ein wichtiges Stück Natur, die Hengstbacher seien entsetzt über die Pläne – auch, wenn alles in einem sehr frühen Stadium sei.

Wehret den Anfängen - sagt sich Kurt Dettweiler in Sachen Windräder . Zwei Standorte werden derzeit für die Aufstellung solcher Anlagen in Zweibrücken geprüft: die Weiße Trisch bei Ernstweiler sowie der Dörrenbachwald, der an Hengstbach grenzt. Die Tatsache, dass der Dörrenbachwald als Standort für Windräder geprüft wird, macht Dettweiler sauer. "Der Dörrenbachwald ist ein lebendiger Wald, da kreucht und fleucht einiges", deutet er den Artenreichtum an. Würden dort tatsächlich Windräder aufgestellt, wäre dies das Ende des Waldes, ist sich der Ortsvorsteher sicher. Bis zu 150 Meter hoch würden die Anlagen dann mitten im Grünen stehen - das sei nicht nur für den Wald ein Schreckensszenario, sondern auch für die Anwohner von Hengstbach , betont Dettweiler. "Die Stimmung unter den Anwohnern ist gereizt. Ich bin mir sicher, dass sich Bürgerinitiativen gründen werden, wenn es wirklich so weit kommt, die Anwohner werden Widerstand leisten."

Seinen Unmut hat Dettweiler auch in der jüngsten Sitzung des Stadtrates kundgetan. "Mitten in einem Naturschutzgebiet sollen Windräder aufgestellt werden - mir fehlen die Worte", hatte er geklagt - und die deutlichen Worte nachgeschoben: "Die Zerstörung der Natur dort wäre eine nicht mehr gutzumachende Schweinerei!"

Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD ) hatte Dettweiler, der im Rat als Vorsitzender der FWG-Fraktion sitzt, daraufhin entgegnet, es sei in Sachen Windräder für Zweibrücken noch lange nichts entschieden. "Es ist noch viel Zeit", hatte Pirmann erklärt. Im Auftrag des Landes seien Gutachten angefertigt worden, wo in Zweibrücken solche Anlagen denkbar wären, mehrere Standorte habe man unter die Lupe genommen, schließlich seien als potenzielle Flächen die Weiße Trisch und der Dörrenbachwald genannt worden. Die Verwaltung werde alles sorgfältig bewerten, es gebe keine überstürzten Maßnahmen.

Auch Dirk Schneider (SPD ) hatte Dettweiler einige Beruhigungstropfen verabreicht. Die Landesregierung drücke der Stadt Zweibrücken nicht einen Standort auf, sondern wäge alles sorgfältig mittels Gutachten ab, "das begrüßen wir", sagte Schneider. Er zeigte sich gewiss: Im Norden von Rheinland-Pfalz sei die sogenannte "Windhöffigkeit", also die Häufigkeit und Intensität, mit der dort Wind auftrete, deutlich höher, dies sei für die Betreiber von Windrädern ein entscheidendes Kriterium, weil sie schließlich in Sachen Stromproduktion eine ordentliche Rendite erwirtschaften wollten. Von daher sei davon auszugehen, dass die Rosenstadt mitsamt ihrer Vororte nicht attraktiv genug für Windrad-Betreiber sei. Dettweiler stimmte dennoch im Rat als einziger gegen die Stellungnahme der Stadt zum sogenannten Landesentwicklungsplan, in dem die Kommunen zu den Windrädern befragt werden. "Mir geht es darum ein Zeichen zu setzen", hatte Dettweiler seine Gegenstimme begründet.

Im Gespräch mit dem Merkur ergänzte Dettweiler nach der Ratssitzung, sein Nein könne nicht dem "Sankt-Florian-Prinzip" zugeordnet werden, er habe nicht etwa die Haltung Windräder nur zu begrüßen, solange sie nur andere vor der Nase hätten.

Dettweiler: "Es geht beim Dörrenbachwald um wertvollen Wald. Der darf nicht zerstört werden. Das Land hat schließlich auch entschieden, dass im Pfälzerwald keine Windräder aufgestellt werden dürfen. Wenn der Pfälzerwald geschützt werden soll vor einer ,Verspargelung', dann muss das auch für unseren Wald gelten."

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Hintergrund Kritische Anmerkungen hatte FWG-Fraktionschef Kurt Dettweiler in der jüngsten Sitzung des Zweibrücker Stadtrates auch zu dem Unternehmen Triwo, das den insolvent gewordenen Flughafen Zweibrücken vor zwei Jahren übernommen hat. "Von unserem Investor Triwo erwarte ich einiges mehr", hatte Dettweiler im Rat angemerkt. Auf Nachfrage des Merkur präzisierte er seine Kritik. "Die Triwo ist jetzt seit zwei Jahren da - aber haben Sie gemerkt, dass sich auf dem Flughafen groß etwas tut?", fragte er rhetorisch. Das, was bisher an die Öffentlichkeit gedrungen sei bezüglich der Triwo-Aktivitäten (etwa eine Auto-Teststrecke, wir berichteten), "das ist mir zu wenig", so der FWG-Fraktionschef. Triwo-Chef Peter Adrian sei sehr zurückhaltend mit seiner Informationspolitik, das störe ihn, sagte Dettweiler. "Die Bürger haben ein Recht darauf, die Entwicklung auf dem früheren Flughafen verfolgen zu können", sagte er. Am 26. November 2014 hatte das Trierer Unternehmen Triwo vom damaligen Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner den Zuschlag erhalten. Laut Medienberichten hatte Adrian rund 4,5 Millionen Euro für den Flughafen bezahlt. Von den zuletzt noch rund 100 Flughafenmitarbeitern habe er keinen direkt übernommen, hatte Adrian damals auf Anfrage unserer Zeitung gesagt; er hatte vor zwei Jahren angekündigt, vor allem ein Gewerbe- sowie ein Kfz-Testcenter auf dem Areal betreiben und hierfür 17 Millionen Euro investieren zu wollen. Adrian hatte skizziert, dass er fünf bis zehn Jahre an Entwicklungszeit für seine Pläne veranschlage, er denke, dass aufgrund des Potenzials des Areals 400 bis 500 Arbeitsplätze möglich seien. eck