Die Stadtwurst ist gegessen

Zweibrücken. Verführerisch brutzelt sie auf dem Rost. Verströmt einen appetitlichen Duft. Aber der stinkt manchem nur noch gewaltig. Dorothea Jäkel greift entnervt mit der Zange nach der Stadtwurst, legt sie ins Brötchen und erklärt verbittert: "Das war die letzte Stadtwurst. Es reicht. Um 18 Uhr machen wir dicht. Endgültig."Dabei waren Dorothea Jäkel und ihr Mann Harald gestern Morgen noch guter Dinge: Nach dem wochenlangen Hickhack um den neuen Standort für den Verkauf der Ein-Euro-Wurst (wir berichteten mehrfach) durften die Jäkels ihre Zelte vor der Sparda-Bank aufschlagen. Doch die Freude währte nicht lang. Dorothea Jäkel: "Kaum hatten wir mit dem Brutzeln angefangen, ging der Ärger schon los." Umliegende Einzelhändler hätten sich beschwert. Über den "Gestank", den die Wurst verbreite. Über den Rauch. Den Qualm. Über die Wurst an für sich.

Zweibrücken. Verführerisch brutzelt sie auf dem Rost. Verströmt einen appetitlichen Duft. Aber der stinkt manchem nur noch gewaltig. Dorothea Jäkel greift entnervt mit der Zange nach der Stadtwurst, legt sie ins Brötchen und erklärt verbittert: "Das war die letzte Stadtwurst. Es reicht. Um 18 Uhr machen wir dicht. Endgültig."Dabei waren Dorothea Jäkel und ihr Mann Harald gestern Morgen noch guter Dinge: Nach dem wochenlangen Hickhack um den neuen Standort für den Verkauf der Ein-Euro-Wurst (wir berichteten mehrfach) durften die Jäkels ihre Zelte vor der Sparda-Bank aufschlagen. Doch die Freude währte nicht lang. Dorothea Jäkel: "Kaum hatten wir mit dem Brutzeln angefangen, ging der Ärger schon los." Umliegende Einzelhändler hätten sich beschwert. Über den "Gestank", den die Wurst verbreite. Über den Rauch. Den Qualm. Über die Wurst an für sich.

Ein Mitarbeiter vom Ordnungsamt sei gekommen. Dorothea Jäkel: "Er sagte, aufgrund der vielen Beschwerden müssten wir umziehen. Wir dürften noch bis Samstag hier bleiben. Als neuen Standort schlug er die Stelle vor dem Bismarck-Denkmal auf dem Herzogplatz vor." Aber dieses "Hin- und Hergeschiebe sei nicht akzeptabel, zürnt die Unternehmerin. "Es ist Schluss. Ich bin es einfach nur noch leid."

Die Jäkels können den ganzen Ärger nicht fassen. Die Stadtwurst sei ein "Riesen-Erfolg", schwärmen sie. Am Tag der Wiedereröffnung gingen gestern rund 400 Würste über die Theke. "Wir haben an der Wurst nicht viel verdient. Es war für uns auch eine Marketing-Aktion, die der Stadt hilft", so Werbegemeinschafts-Mitglied Dorothea Jäkel. Sie sieht keine Chance mehr für den Stadtwurst-Stand. "Außer, uns wird ein Platz mitten in der Fußgängerzone angeboten. Wir lassen uns nicht an einen Platz abschieben, wo nicht viele Passanten hinkommen."

Mario Facco, Chef der Zweibrücker Werbegemeinschaft, hat dafür volles Verständnis. Auf den Vorschlag der Stadt, der Stand könne doch auf den Herzogplatz umziehen, entgegnet er ironisch: "Der Stand kann auch auf die Rennwiese umziehen." Auch Facco ist völlig entnervt von der Diskussion. "Was ich nicht verstehe, ist, dass gerade die Einzelhändler, die am lautesten jammern, dass nichts in der Fußgängerzone los ist und wir mehr Frequenz brauchen, am lautesten gegen den Stadtwurst-Stand protestieren." Bezüglich der Tatsache, dass er selbst den Stand vor seinem neuen Foto-Laden nicht haben wollte, entgegnet er: "Dafür muss man Verständnis haben." Das Konzept sei schließlich gewesen, dass der Stand rotiere und in erster Linie vor leerstehenden Läden seine Zelte aufschlage.

Sabine und Dieter Ernst, die die beiden Edeka-Märkte in Zweibrücken betreiben und die Imbiss-Bude mit der Wurst belieferten, zeigten sich gestern völlig überrascht von dem plötzlichen Aus. "Wir waren für den Stand, wir haben uns für die Stadtwurst eingesetzt, sonst wäre diese Sache doch gar nicht ins Rollen gekommen", merkte Sabine Ernst zu den Hintergründen an. "Ich bin es einfach nur noch leid."

Dorothea Jäkel, Betreiberin des Stadtwurst-Standes

Meinung

Provinzposse

Von Merkur-RedakteurMathias Schneck

In einer Zeit, in der die Lebenshaltungskosten explodieren, war die Ein-Euro-Stadtwurst heiß begehrt bei den Zweibrücker Passanten. Allein gestern, nach der von vielen herbeigesehnten Wieder-Eröffnung des Standes, gingen rund 400 Exemplare der günstigen Wurst über die Theke. War sie zu günstig? Erst wollten die Einzelhändler eine werbewirksame, Laufkunden anlockende Attraktion. Als diese da war, kam der Zorn. Über den "Gestank" vor dem eigenen Laden. Über die Konkurrenz. Wie ein aussätziges Wesen wurde der Stand hin- und hergeschoben. Die Jäkels schmeißen jetzt völlig zu Recht das Handtuch. Was für eine Provinzposse!