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Die Spar-Schraube nicht überdrehen

Die Spar-Schraube nicht überdrehen

Man kann die Turbulenzen im Evangelischen Krankenhaus Zweibrücken kurz und knackig kommentieren: "Unglaublich!" Denn wenn in der größten Abteilung (Innere Medizin ) beide Chefs und ihr Vertreter gehen, wenn es statt zwei Chefärzten vor Ort eine Führung aus Homburg geben soll, was sogar das Mainzer Gesundheitsministerium ebenso offen kritisiert wie die Kommunikation des Klinikträgers LVIM, wenn Ärzte über Überlastung klagen, liegt wohl in der Tat einiges im Argen.

Einiges muss man aber auch differenzierter betrachten. Das "Evangelische" ist nur eines von vielen Krankenhäusern in Deutschland, die unter massivem Spardruck stehen. Die Ärzte werden immer weniger und (aufgrund des Prinzips von Angebot und Nachfrage) teurer, lassen sich Überstunden ohne Ende schon lange nicht mehr gefallen. Gleichzeitig verdienen Krankenhäuser aufgrund der Fallpauschalen pro Patient weniger als früher. Der LVIM hat die Kosten in Zweibrücken offensichtlich allzu lange aus dem Ruder laufen lassen. Der seit anderthalb Jahren amtierende neue Vorstandschef Rainer Wettreck hat das Ruder energisch herumgerissen - und steht aufgrund der jüngsten Ereignisse nun öffentlich als Buhmann da. Sicher: An den jüngsten Turbulenzen ist er nicht ganz unschuldig. Aber: Hätte Wettreck den Sanierungskurs nicht eingeleitet, wäre es fraglich, ob es das Evangelische Krankenhaus heute noch gibt. Nicht nur den Ärzten, auch den Pflegekräften und anderen Mitarbeitern verlangt die Sanierung einiges ab. Viele sehen aber auch mit Respekt, das Wettreck das Haus finanziell wieder zukunftsfähig gemacht hat. Die Schraube überdrehen sollte er aber nicht beim Sparen - die Innere Medizin ohne eigenen "Halbgott in Weiß" aus Homburg nebenbei führen zu lassen, dürfte viele Patienten kosten.