Die Sache mit dem Saarland

Musical-Abend „Mythos und Unsterblichkeit“ begann so überraschend wie er endete.

Das ist für auswärtige Künstler immer wieder eine Stolperfalle: Zweibrücken klinge so ähnlich wie Saarbrücken, und die Festhalle liegt ausgerechnet in der Saarlandstraße. Und schwups, schon ist es passiert, und die Rosenstadt wird dem Nachbarland zugeordnet. So ging es auch Sänger Marc Gremm, der am Samstag die Zuhörer "hier im Saarland" begrüßte - und sich nach der aufkommenden Unruhe gerade noch so herauswinden konnte, indem er behauptete, er habe das Publikum nur testen wollen.

Das blieb aber so ziemlich der einzige Fehltritt, den die 550 Gäste in der Festhalle beim Musical-Abend unter dem Motto "Mythos und Unsterblichkeit" erlebten. Ansonsten machten die vier Hauptpersonen - neben Gremm waren das noch Janet Chvatal, Sabrina Weckerlin und Kevin Tarte - eine gute Figur bei dem großen Potpourri an Musical-Hits. Wobei sich darunter auch einige "eingemeindete" Schlager, Pop- und Rocksongs befanden wie "Aber bitte mit Sahne" oder "My Way". Zu "Ich war noch niemals in New York" klatschte der ganz Saal mit und bei "Thank You For the Music" standen zum Schluss die Leute von den Sitzen auf.

Musical-Fan Reiner Rau aus Schiffweiler war zum ersten Mal in der Festhalle und war sowohl vom Saal ("wunderschön") als auch vom Musical ("mit einem Wort: gigantisch") sehr begeistert. "Ich persönlich bin ein Musical-Fan bis zum Geht-nicht-mehr, habe also so gut wie alle Lieder gekannt. Ich war schon in 300 bis 400 Musicals, habe früher die Gäste mit dem Bus dorthin gefahren. Das Beste war Kevin Tarte mit ‚Die unstillbare Gier‘", sagte der Experte.

In der Tat zählte der diabolische Auftritt von Tarte mit dem Song aus "Tanz der Vampire" zu den Höhepunkten der Show. Der kernige Sänger, dem man seine 59 Jahre weder ansah noch anmerkte, bekam neben Sabrina Weckerlin den meisten Applaus. Das Paar Janet Chvatal und Marc Gremm konnte da nicht ganz mithalten. Weckerlin hatte auch ein paar eigene Fans dabei, nämlich ihre Verwandtschaft - ihre Großmutter stammt aus Hornbach. So war die Cousine ihrer Mutter, Stephanie Guth, mit großem Anhang anwesend. Ihr gefiel am besten der Udo-Lindenberg-Song "Hinterm Horizont", der als erste Zugabe von allen Darstellern gesungen wurde.

Ein Lob verdient hat auch die tolle Liveband mit Andreas Weber und Guido Löfflach an den Keyboards, Alex Uhl am Bass, Andy Schoy am Schlagzeug sowie Wolfgang Kehry an der Gitarre, der so manchem Solo-Applaus einheimste. Insgesamt also ein sehr gelungener Abend - und die Sache mit dem Saarland hatte sich spätestens erledigt, als Chvatal und Gremm bei Sinatras "New York, New York" immer "Zweibrücken" statt "New York" sangen.