Die Rosenstadt trägt Trauer

Zweibrücken. Warum? Warum nur? Bleischwer lastet diese Frage auf der Trauergemeinde in der Alexanderskirche in Zweibrücken

Eine Passantin beobachtet ergriffen die Trauer-Zeremonie.
Zahlreiche Soldaten trauern in der Kirche um ihre Kameraden.
Ein Trompeter begleitete die beiden bei einem Anschlag Getöteten auf ihrem letzten Weg.

Zweibrücken. Warum? Warum nur? Bleischwer lastet diese Frage auf der Trauergemeinde in der Alexanderskirche in Zweibrücken. Warum mussten die beiden Soldaten Patrick Behlke, Stabsunteroffizier (25), und Roman Schmidt, Stabsgefreiter (22), Angehörige des Zweibrücker Fallschirmjägerbataillons263, bei einem Anschlag der Taliban in Afghanistan ihr Leben lassen? Keiner kann den Trauernden eine Antwort geben.

Militärdekan John Carsten Krumm bringt diese Sprachlosigkeit auf den Punkt: "Die beiden Soldaten haben das Beste gewollt - und dann dieser Ausgang. Verstehen kann das niemand." Aber in all der Erstarrung gelte, was Apostel Paulus an die Römer schrieb: "Eines ist gewiss: Der Tod mag kommen. Aber er ist geringer als Gott." Militärpfarrer Hans-Richard Engel schließt sich dem an, macht die rund 700 Trauergäste in der Zweibrücker Alexanderskirche auf das "Licht in der Dunkelheit" aufmerksam.

In tiefem Moll erschallt Bachs "Wer weiß, wie nahe mir mein Ende" von der Kirchen-Empore. Die fünf Spieler des Luftwaffen-Musikkorps2 aus Karlsruhe sind gekommen, der Trauerfeier einen würdigen musikalischen Rahmen zu geben. Langsam schreitet nun Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) an das Rednerpult. Er blickt auf die Särge. "Wir sind fassungslos", wendet er sich schließlich an die Gemeinde. Er würdigt Patrick Behlke und Roman Schmidt als "leidenschaftliche" und "geschätzte Kameraden". Jung spricht erstmals von "Gefallenen" und wirbt für die Fortführung des Afghanistan-Einsatzes.

Zweibrückens Oberbürgermeister Helmut Reichling pflichtet bei. "In die Tränen der Trauer mischt sich immer lauter der Ruf ,holt die Jungs nach Hause'". Aber aus vielen Gesprächen mit Kennern des Landes wisse er, dass die überwältigende Mehrheit der Afghanen den Einsatz der deutschen Soldaten positiv sehe. Reichling geißelt die Taliban, die sich zu dem Anschlag von Montag bekannten. Sie hätten nicht nur die zwei Fallschirmjäger, sondern auch fünf Kinder getötet. Ein Muslim, der so etwas tue, habe "den Anspruch verloren, sich Muslim oder gar Gotteskrieger nennen zu dürfen". Reichling mahnt: "Wenn wir jetzt unsere Soldaten zurückziehen, hat der Gegner sein erstes Ziel erreicht. Die Herren des Terrors werden sich damit aber nicht zufrieden geben. Sie werden ihren Hass wieder in die Welt tragen."

Die Nationalhymne erklingt. Soldaten marschieren langsam zu den Särgen, schultern sie und tragen sie aus der Kirche. Wehmütig erklingt das Stück "Ich hatt' einen Kameraden".