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Die närrische Läuterung von Wosnitza: Wie der Zweibrücker Oberbürgermeister zum Jeck wurde

Bekenntnis zur Fastnacht : Die närrische Läuterung von Wosnitza

Zweibrückens Oberbürgermeister über seine „Verwandlung“ vom Fastnachtsmuffel zum Jecken.

Die Verwandlung

Meine Eltern hatten mir für den Kin­derfasching in der Festhalle rote Fransen an alte Jeans genäht, einen Hut aufgesetzt und einen Zünd­plättchenrevolver in einen Holster gesteckt. Zuvor hatten wir mehrere Tage eine nicht enden wollende Fach­diskussionen über die Vor- und Nach­teile von Zündplättchen vs. Ringmuni­tion geführt: Zwar erzielt man mit Ringmunition einen lauteren Schuss, demgegenüber ist das Preis/Schussver­hältnis von Zündplättchen aber deut­lich besser. Die Entscheidung fiel dann auf mehr peng peng und weniger bumm.

Die nächste Erinnerung – Faschingsum­zug mit den Wassersportfreunden – ich war so 14 – Bademantel, Badekappe, Schwimmärmel, Süßigkeiten werfen und Allee Hopp.

Ein paar Jahre später: „Kommst Du mit zum Fasching?“ „Ach nee, lass mal. Das ist nichts für mich. Ich bin nicht so der Fan von organisiertem Frohsinn“ und ich wandte mich wieder meinem Kafka zu. Irgendwann wurde ich dann nicht mehr gefragt und der Fasching hatte sich aus meinem Leben verabschiedet.

Zeitsprung

2018 – Gespräch mit Kerstin Keller und Markus Hornung – beide aktive Mitglieder des HFZ und Eltern der Karnevalsprinzessin Lisa.

„Wisst Ihr, ich denke darüber nach, als OB von Zweibrücken zu kandi­dieren“.

Mit der Reaktion, die dann kam, hatte ich nicht gerechnet. Die beiden schauten sich an und fingen an zu lachen. Kein Schmunzeln, sie krümmten sich vor Lachen.

Ich war irritiert – ich wusste, dass meine Überlegungen nicht besonders naheliegend waren, ich war ja politisch noch nicht wirklich in Erscheinung getreten, aber mit einer solchen Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Ich war echt sauer und dachte mir, das hätten sie mir auch etwas schonender beibringen können.

Die beiden konnten sich kaum noch einkriegen „das möchte ich sehen“,… prust…, „Du beim Sturm aufs Rathaus“ … Tränen in den Augen … „Marold hält eine Büttenrede“ … brüll.

Schlagartig verstand ich, meine Verärgerung schwand und Panik setzte ein, Schweiß trat mir auf die Stirn und mir wurde heiß und kalt. Am Ende des Abends war mir klar, ich werde mit Sicherheit nicht kandidieren.

Es kam dann doch anders.

Einige Monate später – Sturm aufs Rathaus 2019:

Zwei Monate hatte ich an meiner Rede gefeilt. Nur Wenige hatten sie kurz zuvor gelesen und sie für „ganz witzig“ befunden. Trotz des recht positiven Feedbacks war ich mir sicher, dass man mich nur schonen wollte. So kurz vor knapp würde mir ja keiner mehr sagen, was man wirklich von der Rede hält.

Um 11 Uhr 11 begann dann der Sturm aufs Rathaus. Narren von CGH, FZG, HFZ, KVZ, FZG und ZFF starteten ihren Angriff. Auf den Rat als Verteidiger konnte ich nicht bauen … wir wurden überrannt und schlagartig war das Rathaus,

ein Haus voller Narren und ICH.

Ich trat ans Pult, atmete durch und los ging es. Ich war nervös, nervöser als bei meiner Antrittsrede als OB. Ich begann mit meiner Rede … und dann passierte es: Ich erschrak. Was war das? Mein erster Lacher und dann ein zweiter und ein dritter.

Das Gefühl war unbeschreiblich und in diesem Moment passierte es:

Das Rathaus war voller Narren.