Serie Die Künstler von ZW im Fokus Immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Perspektiven

Zweibrücken · In einer Serie stellt der Merkur die Siegerfotos der Aktion „Zweibrücken im Fokus“ vor. Heute: Bernhard Faß

 Das schwarz-weiß Foto aus der ungewöhnlichen Perspektive sticht aus allen Siegerfotos deutlich heraus.

Das schwarz-weiß Foto aus der ungewöhnlichen Perspektive sticht aus allen Siegerfotos deutlich heraus.

Foto: Bernhard Faß/Bernhard Fass

Von Cordula von Waldow

„Fotografieren hat mich schon immer interessiert“, sagt Bernhard Faß. Dabei kam der 51-jährige Zweibrücker aus ganz praktischen Gründen zu seinem Hobby. Sein Sohn Steven (18) spielte Eishockey bei den Hornets in Zweibrücken. Dabei versuchte er ihn mit dem Handy zu fotografierten oder zu filmen.

„Die Ergebnisse waren miserabel“, erinnert er sich, „alles viel zu dunkel oder unscharf“. Der Feinwerkmechanikermeister beim UBZ war sich sicher: „Das muss besser gehen“ und legte sich seine erste Kamera zu. An der Seite der Merkur-Fotografin Sabine Blatt machte er seine ersten Schritte in Richtung Fotografie, die er sich autodidaktisch beibrachte. Schnell fand er Gefallen an seinem neuen Hobby und übernahm binnen Kurzem die Fotografie für die erste Mannschaft des Eishockey-Clubs EHC.

Das war vor zehn Jahren. Er erklärt: „Eishockey ist ein schneller Sport. Man muss sich genau auskennen, wissen, wie die Spieler reagieren und wohin sie den Puck jetzt schießen, um gute Bilder zu bekommen.“ Seitdem wird er in Sportlerkreisen „herum gereicht“. So gelangen ihm mit dem Teleobjektiv von weit außerhalb der Gruppe die besten Fotos der Frauenmannschaft der Saar Hurricanes im American Football. „Die waren ganz vertieft und haben meist überhaupt nicht gemerkt, dass ich sie fotografiert habe“, setzt er auf authentische Bilder. Aktuell betreut er fotografisch die Spiele der Jugendmannschaften sowie der 1. Mannschaft der „Saar Pirates“ Saarbrücken, welche in der Inlinehockey-Bundesliga spielen.

Dass er sich im Laufe der Jahre erheblich weiter entwickelte und heute von Landschaft über Technik oder Makro-Fotografie mehr oder minder alles vor die Linse nimmt, was schön ist, verdankt er dem Foto-Club Homburg-Zweibrücken. Dort trifft er sich jeden Mittwochabend mit Gleichgesinnten, tauscht sich aus und alle lernen voneinander. „Da sind viele dabei, die fotografieren seit 40 Jahren oder länger“, profitiert er von deren langjähriger Erfahrung.

Besondere Freude machen ihm die gemeinsamen Fotoausflüge. Zu seinen persönlichen Favoriten gehören insbesondere alte Maschinen und Industriedenkmäler. Ein Foto-Shooting in der Völklinger Hütte ist für ihn ein besonderes Geschenk. Er schwärmt: „Dieses Industriedenkmal ist für mich ein Paradies. Dort könnte ich Tage verbringen und würde immer wieder neue Motive entdecken.“

Sitzen hinterher alle zusammen und zeigen sich ihre Fotoausbeute, freut er sich, „wie ein kleines Kind zu Weihnachten“. Immer wieder staunt er über die oft so ganz anderen Perspektiven der Fotokameraden, die ganz Anderes entdeckt und wahrgenommen haben als er selbst. Er sagt: „Jeder zeigt so seinen fotografischen Blick auf die Welt.“

Weitere Höhepunkte sind frühmorgendliche Ausflüge in den Pfälzerwald zum Sonnenaufgang und Frühstück etwa auf den Schlüssel-Felsen, 50 Meter über dem Abgrund. Regelmäßig beteiligt sich der Foto-Club an der Homburger Künstler-Ausstellung „ARTmosphäre“ oder an den „Pirmasenser Fototagen“. Dort zeigte er – allerdings mehr auf Drängen seiner Foto-Kollegen – sein Lieblingsbild mit den zwei Fahrrädern, die in Holland an einer Backsteinmauer lehnen, sowie zwei Naturaufnahmen aus der Partnachklamm bei Garmisch-Patenkirchen.

Sein Fotokollege Peter Bauer aus Lautzkirchen war es auch, der ihn auf den Fotowettbewerb „ZW im Fokus“ aufmerksam machte. Mit ihm und Sohn Steven ging Bernhard Faß zum ersten Mal auf Fotopirsch in Zweibrücken. Immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Perspektiven, die nicht jeder abbildet.

 Bernhard Faß steht lieber hinter der Kamera als davor.

Bernhard Faß steht lieber hinter der Kamera als davor.

Foto: Cordula von Waldow

Auf der Arbeit erfuhr er von den Kollegen, dass er tatsächlich das Siegerfoto für den Monat April geschossen hatte: Das Audimax der Hochschule, sichtlich fotografiert unter dem Vordach der gegenüber liegenden Bibliothek und in schwarz-weiß. Auch hier das „etwas andere“ Motiv an Stelle der so beliebten Sternwarte R2D2 und eine sehr eigene Perspektive. Eingereicht hatte er fünf oder sechs Bilder. Sein persönlicher Favorit allerdings wäre die Aufnahme vom Schloss gewesen: Nicht etwa vom Schlossplatz aus, sondern über den Garten hinweg von der Rückseite.

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