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Die Grantlerin ist wieder da: „Tante Poldi“ ermittelt in Sizilien

Die Grantlerin ist wieder da: „Tante Poldi“ ermittelt in Sizilien

Keiner flucht und grantelt sich so schön wie Tante Poldi durch einen Krimi. Deshalb schickt Autor Mario Giordano seine nach Sizilien ausgewanderte Münchnerin Isolde Oberreiter ein zweites Mal auf Mission. In "Tante Poldi und die Früchte des Herrn" wird ihr zunächst das Wasser abgestellt, dann der Hund ihrer Freundin um die Ecke gebracht. Erste Ermittlungen führen sie zum hammerattraktiven Winzer Avola, der prompt zum Hauptverdächtigen im Mordfall an einer Wahrsagerin wird. Poldi observiert mit einer Freundin und einem Pater (!) Verdächtige, stößt auf allerlei skurrile Charaktere und hat auch wieder so manch abgefahrenen Dialog mit dem Tod, der diesmal in schlimmstem Marketing-Sprech vom Wegrationalisieren oder der Vorstandsebene (in der Leben-Beenden-Branche) fabuliert. Die Poldi ist eine Wonne - auch unabhängig von der Kriminalhandlung macht es einfach nur Riesenspaß, sie durchs Leben und den Alltag zu begleiten. Sie ist Genießerin durch und durch - Alkohol in Massen, Zigaretten, Sex - hat reichlich Grips, ganz viel Herz, ist auf eine herrliche Art schrullig. Und natürlich ist da ordentlich Liebeskummer, denn mit Kriminalkommissar Vito Montana aus Teil eins läuft es nicht so recht.

All das erzählt Poldi ihrem Neffen, einem angehenden aber erfolglosen Schriftsteller abends bei einem Wein auf der Couch. Philipp Moog (die deutsche Synchronstimme von Ewan McGregor) hatte schon den ersten Band "Tante Poldi und die sizilianischen Löwen" eingelesen, der dieses Jahr in der Sparte "Beste Unterhaltung" den Deutschen Hörbuchpreis erhalten hat. Auch Teil zwei profitiert von seiner Interpretation. Nicht nur, dass er den bayerischen Dialekt bei Poldis Granteln so herrlich trifft - er verleiht auch dem Polizisten Montana und den anderen Protagonisten eine eigene Note.

Erschienen bei Lübbe Audio, 440 Minuten, Download-Fassung 110 Minuten länger