1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Die fünf Ernstweiler Glocken werden 60

Die fünf Ernstweiler Glocken werden 60

Vor 60 Jahren wurden die fünf Glocken der Ernstweiler Christuskirche in Betrieb genommen. Zum Auftakt der Jubiläumsveranstaltungen gab es einen spannenden Vortrag der Glockensachverständigen Birgit Müller.

Was wären Kirchen ohne ihr Geläut? Auf jeden Fall ärmer. Dabei haben die Kirchenglocken doch so manches erlebt, eine Menge an Geschichten zu erzählen. Ihren Guss, Weltkriege, Zerstörung, Restauration, aber auch Feste, Jubiläen, Taufen, Konfirmationen, Kommunionen und Trauungen. Sogar das Abschiednehmen, Trauer und Tod, sie stimmen ihre Gemeinde auf die Gottesdienste ein und rufen Klein und Groß, Jung und Alt zusammen. Die fünf Kirchenglocken in der protestantischen in der Christuskirche in Ernstweiler (Kirchengemeinde Ernstweiler-Bubenhausen), feiern dieses Jahr ihr 60-jähriges Glockenjubiläum.

Die Auftaktveranstaltung zum Festakt machte am vergangenen Freitagabend im Gemeindehaus in Ernstweiler der Vortrag von Birgit Müller. Sie ist amtlich bestellte Glockensachverständige der pfälzischen Landeskirche in Speyer. Mehr als 5000 Kirchentürme gehören zu ihrem Bereich, wie sie eingangs ihres Vortrages ausholte. Seit mehr als 16 Jahren hat Müller diese Aufgabe inne und erzählte den Besuchern im Gemeindesaal zunächst einmal etwas über die unterschiedlichen Formen, Ausführungen und die Entstehung einer Kirchenglocke. Noch immer ist der Glockenklang ein menschliches Rätsel, da man nicht genau wisse, wann der Ton erklinge. Was für die Tonlage ausschlaggebend ist, das ist die sogenannte Rippe. Die Rippe ist vereinfacht gesagt die Außenhaut der Glocke. Durch ihre unterschiedliche Form und Dicken wird die Tonlage bestimmt. "Kirchenglocken sind ein Kunstwerk für sich", erklärte Birgit Müller, um weiter zu erläutern, welch filigrane Bilder, Umrandungen, Verzierungen oder Schriftzeichen die so schwerfälligen Objekte doch haben können. Eine der filigransten sei die "Gloriosa", die im Mittelturm des Erfurter Domes hängt. Nach den Varianten "Bienenkorb" und "Zuckerhut" habe sich ab dem 14. Jahrhundert die "Gotische Rippe" als die Glockenform durchgesetzt.

Die älteste der heute vorhandenen Glocken in der Ernstweiler Christuskirche stammt aus dem Jahr 1873 vom Gießer Ph. Dickes. Andere Glocken wurden während der Kriege beschlagnahmt und verhüttet. Im Jahr 1956 wurde diese historische Glocke zusammen mit vier neuen, von Hermann Hamm in Frankenthal gegossenen, wieder im Glockenstuhl der Christuskirche aufgehängt. Welche Glocken der mittelalterliche Chorturm aus dem 13. Jahrhundert hatte, darüber gibt es bis heute keine Angaben.

Weitere Informationen zu den Ernstweiler Kirchenglocken gibt es am Tag des Festgottesdienstes. Dieser findet am kommenden Sonntag, 2. Oktober, in der Christuskirche statt. Eine Glockenausstellung vor und nach dem Gottesdienst wird es ebenfalls geben.

Dazu wird ein neuer etwa 20 Kilogramm schwerer Klöppel für eine der fünf Kirchenglocken an diesem Tag im Gottesdienst eingeweiht. Ab 11.15 Uhr lädt die Kirchengemeinde zum Verweilen bei Kaffee und Kuchen ein. Die "Fidelen Lambsbachtaler" spielen dazu mit ihrer zünftigen Blasmusik.