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Die ersten Chorproben in der Region

Die ersten Chorproben in der Region : „Traut euch wieder zu proben“

Die ersten Chorproben in der Region verliefen trotz aller Auflagen mit viel Freude und guten Ergebnissen.

„Es ist so schön, euch alle wiederzusehen. Ich habe mich so gefreut!“ Fast laufen Karol Seegmüller die Tränen, als sie beim Pizza-Essen nach der ersten Chorprobe diesen Toast ausbringt. Drei Monate ohne einander – für die Sängerinnen des Mittelbacher Gospelchors Gospel & Praise eine harte Zeit, sind doch die 19 Damen zumeist freundschaftlich miteinander verbunden.

Dennoch hielten sich bei der ersten Chorprobe am Sonntag im Spätnachmittag auf dem Parkplatz des Contwiger Vereinsheims von Chor 2000 und dem Contwiger Sängerbund peinlich genau an die Vorschriften. Hände desinfizieren, erst auf den zugeteilten Stühlen die Masken abnehmen und trotz des enormen Drangs nach Nähe und Umarmung vorschriftskonform die Abstände einhalten.

Weniger als die seit Wochen antrainierte Konditionierung, ist es der Respekt vor der Vereinsvorsitzenden, Simone Blatt, die persönlich für die Einhaltung haftet und die niemand in Bedrängnis bringen möchte. Aber die gute Laune lässt sich dadurch niemand nehmen. So wird exakte 30 Minuten lang nicht nur gesungen, sondern auch gescherzt und gelacht.

Am Vorabend hatte der Vorstand in Absprache mit dem Chorleiter die Sitzplätze in drei Reihen festgelegt. Simone Blatt und ihre Schwester Anja Sonntag haben bei fast 30 Grad zwei Stunden lang Stühle gereinigt und Nummernschilder verteilt, Anwesenheitslisten und die Desinfektionsschleuse vorbereitet. Doch dann ging es los.

Von den geplanten acht Titeln konnten immerhin fünf geprobt werden, bevor das Zeitlimit auslief. Mit längst bekannten Liedern aus dem Repertoire, darunter dem Schlager „Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka-dot Bikini“ oder dem Gospel „Wir sind hier“ sang der Chor sich warm.

Die für Zuhörer tolle Akustik erwies sich für die Sängerinnen als eher nachteilig. Außer den sich mit ihrem Vorabendlied beteiligenden Piepmätzen hörte jede auf Grund des Abstands und der geraden Reihenaufstellung nur sich selbst. Dennoch klangen die Lieder, als habe niemals eine Pause stattgefunden.

„Das hat online schon ganz gut geklappt“, findet Birgit Bette. Das lag daran, dass dann nur eine Einzelne sang, während die Mikrofone der Übrigen auf stumm geschaltet waren. „Alle haben sich getraut“, freut sich auch Rüdiger Schreiweis, der auf diese Weise zu den bewährten eventuell weitere Solistinnen motivieren kann. Außerdem gewannen die Chorsängerinnen damit deutlich an Selbstwertgefühl.

So lange Corona-Verordnungen das Zusammenleben regieren, will der Chor an seinem wöchentlichen Zoom-Singen zur gewohnten Probenzeit am Mittwochabend festhalten.

Auch der Vorstand trifft sich mittlerweile online, da alle Mitglieder weit auseinander wohnen und die Mutter eines Babies dabei ist. Doch bei allen Vorteilen, die virtuelle Online-Begegnungen bieten, können sie den direkten Klang und persönliche Begegnung nicht ersetzen.

Wunderschön hallten die Stimmen à capella, ohne instrumentale Begleitung, zu „King Jesus is a listening“. Ein gutes Zeitfenster beanspruchte auch der neue Song „Bring me little water, Silvie“, der mit den abgestimmten Körperbewegungen untermalt, erst seinen ganzen Charme entfaltet. Hände klatschen auf der Seite unter vollem Körpereinsatz, Rumpfbeugung – Singen ist viel mehr, als korrekte Töne artikulieren.

Und die Choreografie ist etwas, das tatsächlich live einfach besser rüberkommt als online. Zufrieden mit dem Leistungsstand, halten Gospel & Praise an ihrem traditionellen Jahreskonzert-Termin am zweiten Novembersonntag weiterhin fest. Bis dahin hoffen alle auf „normale Zeiten“.

Sehr zufrieden mit der ersten Probe während Corona war auch Benedikt Schwarz. Für den jungen Hornbacher Kantor und Chorleiter war es „ein unbeschreibliches Glücksgefühl nach all den Wochen des Berufsverbots wieder meiner Leidenschaft und vor allem meinem Beruf nachgehen zu dürfen!“ 16 Sängerinnen und Sänger dürfen aktuell in den großen Saal des Hornbacher Jugendheims kommen. Acht Mitglieder von „Cantus Novus“ trauten sich schließlich – zufällig auch noch zwei in jeder Stimmlage, sodass es einen sehr ausgewogenen und runden Chorklang ergab.

Sie sangen „I give you my heart“ vom Oslo Gospel Choir, das selbst in kleiner Besetzung gut klingt, sowie und „Stay strong“ von Mary McDonald. Nach den Beobachtungen von Benedikt Schwarz hat das Proben mit Abstand zur Folge, „dass die Sänger viel besser aufeinander hören müssen, aber auch selbst mehr gefordert sind, da sie sich nicht an den Stimmnachbarn hängen können“.

Sein Plädoyer an alle nebenamtlichen und Hobbychorleiter ist: „Traut euch wieder zu proben!“ Die Auflagen seien zwar streng, aber wo ein Wille sei, fände sich auch ein Weg. Selbst die 15-minütige Lüftpause alle 15 Minuten für Proben im Raum seien verschmerzbar.

Mit seinem Luwigshafener Chor „Good News“ will Benedikt Schwarz erst ab Juli wieder proben. Bei „Schir beMatana“ aus Thaleischweiler-Fröschen ist er aktuell in einer neuen Jahresplanung, sofern die ständig wechselnden Corona-Verordnungen dies zuließen.