Die CDU rettet das Internet

Die Diskussionskultur im Internet ist allzu oft ein Trauerspiel: In scharfem Ton wird dort die eigene Meinung verbreitet und werden Andersdenkende verbal in Grund und Boden geprügelt. Enthemmt, bösartig, unsachlich. Das muss man nicht mögen. So gesehen ist es durchaus ehrenwert, wenn die Zweibrücker CDU sich um eine Diskussionskultur bemüht, die diesen Namen verdient.

Ob ihr das allerdings mit ihrer Stellungnahme zur "Diskussionskultur in den Zweibrücker Facebook-Gruppen" gelingt, ist mehr als fraglich. Erstens, weil sie ein wenig weinerlich rüberkommen könnte: Schließlich sind Parteien und ihre Repräsentanten bevorzugte Opfer der Verbal-Attacken im Internet . Zweitens, weil die Forderung nach korrekter Rechtschreibung so unfassbar fern jeder Realität ist. Im Wortlaut heißt es bei der CDU : "Wir fordern bei Äußerungen in den Zweibrücker Gruppen die verpflichtende Verwendung der Duden Rechtschreibprüfung Betaversion zur Sicherung eines Mindeststandards." Wie soll das gehen? Sollen das die Verwalter machen, die ihre Gruppen in aller Regel nur hobbymäßig betreuen? Sollen sich die Nutzer der Seite selber dazu verpflichten? Das eine ist so absurd wie das andere. Und es verrät eine Distanz zum Medium, die mit dem von Angela Merkel für die Internet-Thematik geprägten Begriff "Neuland" nur unzureichend beschrieben ist. Die Kommentare in sozialen Netzwerken werden nicht selten mobil abgesetzt, also von unterwegs per Smartphone oder Tablet. Da kann man schon froh sein, wenn man alle Buchstaben in der richtigen Reihenfolge trifft. Hinzu kommen Menschen, die bewusst online die Regeln der Rechtschreibung ignorieren oder gar in ihrer persönlichen Interpretation der pfälzischen Mundart schreiben. Das ist nicht schön, aber nicht dramatisch. Wäre Christoph Gensch schon etwas länger Vater, wüsste er, dass man mit einem gewissen Maß an Unordnung manchmal einfach leben muss.