Die 50 Facetten des Frank

Der 4. Dezember 1993 war ein scheußlicher Tag für die Rockmusik , denn an diesem Tag erlag Frank Zappa seinem Krebsleiden. Der Mann, der Schnauz- und Spitzbart trug, auf den Bühnenshows mit seiner Band Mothers of Invention Babypuppen massakrierte, der zu lieblichsten Melodien unglaublich versaute Texte ("Bobby Brown ") säuseln konnte, der an der Kante zum Massenerfolg einfach zurück ins Dunkel trat, um mehrteilige Gitarren-LPs heraus zu bringen. Dieser Mann, der so sensationell zu polarisieren wusste, weil er musikalisch zu allem fähig schien - er war tot, und wie so oft weiß man immer erst dann, was einem fehlt, wenn es nicht mehr da ist. Aber jetzt ist Zappa doch wieder da, nicht von den Toten auferstanden, sondern erwischt in seiner Zeit und montiert in einem seriösen Korpus, indem Interviews, Konzert- und Filmausschnitte zu einer der Chronologie der Ereignisse verpflichteten Struktur montiert wurden. So viel sollte jedem schon mal klar sein, dass das Material, dass es zu erleben gibt, hierzulande weitestgehend noch nicht zu sehen war. Und es gibt keine Zeitzeugen, die sich mit gelogenen oder übertriebenen Lobhudeleien wichtigmachen. Thorsten Schütte, der auch schon eine veritable Dokumentation über Pornofabrikant Lasse Braun drehte, hat in beachtlicher Fleißarbeit Archive durchwühlt, fand manch Erstaunliches und stellte es einfühlsam und kenntnisreich zusammen. Man erlebt also den intellektuellen Spaßvogel, den ätzenden Gesellschaftskritiker und sarkastischen Medienbloßsteller, den Familienmenschen und immer den Musiker. Der Mann, der 1969 konstatierte, dass Jazz nicht tot ist, sondern nur ein bisschen streng riecht, konnte Interviewer in schiere Verzweiflung treiben, war jedoch immer fair, wenn er merkte, dass sich jemand ernsthaft mit seiner Arbeit auseinandersetzte - wie jener Polizist aus Pennsylvania, der als bekennender Fan, aber trotzdem in Uniform zum Gespräch erschien. Es ist übrigens gar nicht nötig und vermutlich auch gar nicht gewollt, dass man nach diesem Film vor der Legende Frank Zappa auf die Knie fällt. Aber es hilft, gesehen zu haben, welch originäre Typen und Talente die Rockmusik einmal hervorbrachte, bevor sie ein bisschen streng zu riechen begann.