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Deutsche Philharmonie Rheinland-Pfalz in der Festhalle Zweibrücken

Euroclassic in der Festhalle : Romantisch und wild-dramatisch

Die Deutsche Philharmonie Rheinland-Pfalz war am Sonntagabend zu Gast beim Festival Euroclassic.

Nordische Musik stand auf dem Abendprogramm, Werke von Arvo Pärt, Jean Sibelius und Harald Grieg, dessen Peer Gynt Suiten dazwischenkomponiert wurden von Edvard & Säverud, so zu sagen nun Altbekanntes, aber eben ganz anders. Und das alles zur spannendsten Zeit der Bundestagswahl am Sonntag ab 18 Uhr. Man kommt also gar nicht umhin, beides irgendwie zusammen zu sehen.

Wenn Peer Gynt dann, glücklos in seiner Heimat, aufbricht nach Marokko und Ägypten, sich letztendlich in Märchen, Sagen, Trollen und Folklore verliert. Ach, und da darf die schöne Solvejg nicht fehlen. Und ihr wunderbares Lied, eine Geschichte eben von „Lüsten und Begehr“. 70 Musiker besetzen die Bühne in der Festhalle bis auf den letzten Platz, gezügelt und losgelassen von der taiwanesischen Dirigentin Yi-Chen Lin, die meisterlich den Taktstock führt und zwischendurch noch ihre langen schwarzen Haare immer  wieder aus dem Gesicht wischt, ohne dabei Musiker und Musik aus dem Blick zu verlieren. Die Musik, teils sanft und melancholisch, tänzerisch, dann wieder in rauschhafter Steigerung von Tempo und Dynamik, langsam auf- und absteigende Melodien in kurzen Sequenzen, herrlich schräge Töne und lautes geordnetes Getöse aller Instrumente zusammen. Und plötzlich löst die Musik sich ganz aus dem Ibsen-Drama, und die Zuhörer sind mitten im Wahlgetümmel, dem Himmel der Versprechungen nahe, dann wieder lasch mit gerade mal 20 Prozent. Es zerreißt das Herz in doppelter Fassung.

Vor Grieg noch Jeans Sibelius: Pelleas und Melisande, die ihr goldenes Haar kämmt, eine Tochter gebiert und stirbt, Pelleas stirbt auch. Eine traurige Geschichte ganz und gar. Der Leser, die Musiker, die Euroclassic mögen verzeihen, aber erneut dringt die Wahl in die Köpfe, die beinahe siechenden Volksparteien und all das. Man darf natürlich Musik aus ihrem eigentlichen Umfeld lösen und neu verbinden, ohne der Aufführung auch nur ein Tüpfelchen an Qualität zu rauben.

Das Konzert begann mit Arvo Pärt: „Wenn Bach Bienen gezüchtet hätte“, ein etwas kurioser Titel, Musik wie durchbrochenes Schweigen, nur wenige Takte, seltsam fremd. Insgesamt ein ereignisreiches Konzert, nordische Musik, folkloristisch auch, aber für die ganze Welt. Riesiger Applaus für  die Staatsphilharmonie, die in bester Besetzung und voller Ausdruckskraft musizierte.