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Serie Straßennamen: Der Zweibrücker Oberlandesgerichtsrat

Serie Straßennamen : Der Zweibrücker Oberlandesgerichtsrat

Ludwig Molitor wirkte auch als Komponist und Schriftsteller. In der Rosenstadt erinnert ein Straßenschild an sein Wirken.

Auf nur 178 Metern ist die Molitorstraße eine wichtige Verbindung von der Innenstadt zur Peripherie in Richtung Flugplatzgelände und nach Frankreich. Die Straße beginnt an der Kreuzung Landauer-/Saarlandstraße und mündet in die Seilerstraße, die wiederum den Verkehr an die Steinhauser Straße übergibt. Auf den 178 Metern führt sie fast komplett an der Justizvollzugsanstalt vorbei und dies wohl wegen der Vergangenheit des Namensgebers. Ludwig Alois Molitor, geboren am 12. Juli 1817 in Zweibrücken, gestorben am 12. Januar 1890, am gleichen Ort, war ein bayerischer Justizbeamter, Komponist, Heimatkundler und Buchautor. Er wurde geboren als Sohn des Appellationsgerichtsrates Joseph Alois Molitor (1775–1848) und seiner Frau Aloysia geborene Mayer aus Mainz.

Sein einziger Bruder war der Speyerer Domkapitular und Schriftsteller Wilhelm Molitor (1819–1880). Molitor besuchte die Volksschule und von 1828 bis 1835 das Herzog-Wolfgang-Gymnasium in Zweibrücken, studierte von 1835 bis 1839 Rechtswissenschaft in München sowie in Heidelberg und legte beide Staatsprüfungen erfolgreich ab. 1844 wurde er Ergänzungsrichter am Bezirksgericht seiner Heimatstadt, 1845 dort Bezirksgerichtsassessor, 1852 Bezirksrichter und 1865 Appellationsgerichtsrat. Zuletzt wirkte er als Oberlandesgerichtsrat in Zweibrücken. 1846 heiratete der Jurist Katharina Elise geborene Zott (1826–1912). Aus der  Ehe, die 44  Jahre währte, gingen fünf Kinder hervor. Ende 1857 erwarb das Ehepaar von Frau von Mannlich ein Wohnhaus in der Herzogstraße 8, auf das 1881 ein drittes Stockwerk aufgebaut wurde.

Am Neujahrstag 1884 wurde ihm der Bayerische Verdienstorden  1. Klasse verliehen. Im gleichen Jahr trat er altershalber in den Ruhestand. 1888 ernannte ihn der Zweibrücker Stadtrat zum Ehrenbürger. Molitor starb 1890 und wurde auf dem Hauptfriedhof beigesetzt, wo sein Grab noch erhalten ist. Das „Mannlichhaus“ in Zweibrücken (Herzogstraße 8), im Besitz der Kulturgutstiftung Gehrlein-Fuchs, dient als Erinnerungsstätte an die beiden Zweibrücker Persönlichkeiten Mannlich und Molitor. Neben seinem Beruf interessierte sich Molitor besonders für Musik, Schauspiel, Zeichnen und Heimatgeschichte. Als junger Mann trat er vielfach als Schauspieler im Laientheater auf. Er spielte Klavier und Cello. Außerdem betätigte er sich als Dirigent und Komponist. 1845 komponierte er die „Missa Dominica“ die er dem Speyerer Bischof Nikolaus von Weis widmete. Das Verzeichnis seiner Tondichtungen führt 28 Werke auf. Er war auch musikalischer Leiter des Gesangvereins Liederkranz Zweibrücken. Zwischen 1861 und 1890 publizierte Molitor mehrere Bücher zur Geschichte seiner Heimatstadt und des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. Das Verzeichnis seiner Druckschriften nennt 13 Werke, die er zum Teil mit eigenen Zeichnungen illustrierte. Sein Hauptwerk „Vollständige Geschichte der ehemals pfalz-bayerischen Residenzstadt Zweibrücken“ (Zweibrücken 1885) erschien 1989 nochmals als Faksimile-Neudruck. Überdies engagierte er sich hinsichtlich der Erhaltung des Zweibrücker Schlosses und der Erbauung der Heilig-Kreuz-Kirche für die katholische Gemeinde.­