Der Schock sitzt tief

Die IG Metall macht Terex schwere Vorwürfe: Ihr geplanter Radikal-Stellenabbau sei nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter, sondern auch betriebswirtschaftlich überhaupt nicht durchdacht. Der Stadtrat zeigte sich gestern Abend in seiner Sitzung wie vor den Kopf gestoßen.

Der geplante Kahlschlag bei Terex, wo zirka 500 Arbeitsplätze wegfallen sollen, hat gestern bei der Gewerkschaft IG Metall und in der Sitzung des Zweibrücker Stadtrates zu völligem Unverständnis und teils scharfen Reaktionen geführt. Ralf Cavelius, Geschäftsführer bei der IG Metall Homburg-Saarpfalz, machte Terex schwere Vorwürfe bezüglich der roten Zahlen, die am Standort in Zweibrücken geschrieben würden. Am Dienstag, als Terex die geplanten Einschnitte bekanntgegeben hatte, zeigte sich Cavelius bereits tief besorgt über die Entwicklung. Im Gespräch mit dem Merkur nahm er gestern ausführlich Stellung zu dem Radikal-Kurs. "Es ist eine Frechheit, eine Ohrfeige für die Beschäftigten von Terex", lautet sein Fazit. Der Gewerkschafter ist skeptisch bezüglich der Miesen, die Terex mit seinen beiden Standorten in Zweibrücken (Dinglerstraße und Wallerscheid) sowie in Bierbach angeblich mache. Cavelius: "Nach unserer Erkenntnis gehen die Geräte, die in Zweibrücken produziert werden ,kauftechnisch' in die Schweiz zum dortigen Terex-Werk - und das nahezu zum Selbstkostenpreis. Die Schweizer vermarkten die Zweibrücker Produkte dann weltweit." Der Metaller argwöhnt: "In der Schweiz ist wohl die Kohle versteckt." Will heißen: Bei den Eidgenossen würden satte Gewinne gemacht, Zweibrücken werde hingegen bewusst in die roten Zahlen getrieben. "Ich zweifle die Zahlen an, ich zweifle an, dass Terex bei uns so viele Miese macht. Zweibrücken ist offenbar nicht auserwählt dafür, schwarze Zahlen zu schreiben", attackiert er das Management des Kranbauers. Der neue Terex-Chef Steve Filipov ist gerade einmal seit rund sechs Wochen Präsident des Kranbauers und verkündet schon einen Radikalkurs - für Cavelius ist das Teil eines üblen Spiels mit den Mitarbeitern. "Filipovs Vorgänger stand noch etwas mehr für ,alte Werte', er musste gehen, damit Filipov seinen Platz einnehmen kann. Und Filipov soll nun die Grausamkeiten verkünden." Sein Vorgehen sei nicht nur die besagte Ohrfeige - es sei auch alles betriebswirtschaftlich nicht durchdacht, ist sich der Gewerkschafter sicher. "Dass der für viele Millionen modernisierte Standort Bierbach - er ist technisch auf Top-Niveau - geschlossen wird, dass das Verwaltungsgebäude in der Dinglerstraße aufgegeben wird, dass die gesamte Logistik in der Dinglerstraße künftig an Externe vergeben wird - das wurde am grünen Tisch entworfen." Es sei irrational, nur noch die Montage in der Dinglerstraße zu lassen und künftig Externe den Rest machen zu lassen. So komme keine Qualität zustande. Terex habe schon einmal damit Schiffbrauch erlitten. "Vor einigen Jahren wurde in Frankreich produziert, aber die bekamen die gewünschte Qualität nicht hin", blickt Cavelius zurück. "Wir werden den Amerikanern aufzeigen, dass sie bei den Kosten drauflegen werden", erklärt Cavelius. Das sei die einzige Möglichkeit, ein Einlenken zu bewirken. "Mit Appellen bewirkt man nichts. Die Unternehmenskultur bei Terex ist heftig und derb." Nur mit Zahlen könne man argumentieren.

Apropos heftig und derb: So fielen gestern teilweise auch die Reaktionen in der Sitzung des Zweibrücker Stadtrates aus. Oberbürgermeister Kurt Pirmann sprach von einem Nackenschlag für die Beschäftigten, es sei aber "eine unternehmerische Entscheidung von Terex, wir können da kaum etwas, beziehungsweise nichts bewirken", sagte er. SPD-Fraktionschef Stéphane Moulin sprach von einer "Katastrophe für die Stadt und für die Region." Der geplante Kahlschlag von Terex würde sich auswirken auf praktisch alle Lebensbereiche. CDU-Fraktionschef Christoph Gensch sprach von "einem weiteren Tiefschlag für die Region", wenn Terex seinen Plan tatsächlich so umsetze. Grünen-Stadtrat Achim Ruf zeigte sich "geschockt", es gelte, alles Machbare für die Beschäftigten zu tun. FWG-Fraktionschef Kurt Dettweiler sprach von einem "Horrorszenario", Linken-Fraktionschef Matthias Nunold und die FDP-Fraktionsvorsitzende Ingrid Kaiser zeigten sich wie vor den Kopf gestoßen; Kaiser merkte mit Blick auf Terex-Chef Filipov zudem an, es sei ihr völlig unverständlich, wie jemand, der gerade einmal ein paar Wochen im Amt sei, bereits solche Entscheidungen fällen könne.

Der Doppelhaushalt der Stadt Zweibrücken für die beiden Jahre 2017/2018 wurde gestern Abend einstimmig beschlossen. > Bericht folgt