Der künstliche Mensch als Opfer

Der Vision menschgewordener Roboter begegnen viele mit Furcht. Könnten diese nicht zu stark und zu schlau für uns werden? Die Filme „Vice“ und „Ex Machina“ beleuchten eine andere Frage: Was würden wir mit ihnen machen, wenn wir sie bedingungslos kontrollieren könnten? Furchtbares …

Wie würden wir mit künstlichen Intelligenzen umgehen, die in Form von menschlich aussehenden Robotern daherkommen? Ziemlich grausam - in dieser Antwort sind gleich zwei Filme einig, die jetzt fürs Heimkino erschienen sind. Dabei nehmen sich "Vice" und "Ex Machina" des Themas recht unterschiedlich an. "Vice" ist ein etwas düster gehaltener Thriller, der daherkommt wie eine günstige B-Variante von Ridley Scotts "Bladerunner" oder Michael Crichtons Sci-Fi-Western "Westworld". Darin hat Geschäftsmann Julian (herrlich kühl, aber auch etwas unterfordert: Bruce Willis ) ein lukratives Businesskonzept entwickelt: In dem Komplex Vice kann der zahlende Kunde nahezu alles machen, was er sich vorstellen und leisten kann. Cyborgs, die aussehen, denken und fühlen wie echte Menschen, werden für alle Kundenwünsche eingesetzt. Die können dann Frauen brutal vergewaltigen oder Leute einfach aus Lust niedermetzeln. Um die Sicherheit in Vice zu gewähren, werden am Ende jeden Tages die Gedächtnisse aller Roboter wieder gelöscht. Als jedoch eines Tages Cyborg Kelley (Ambyr Childers) aufgrund eines technischen Fehlers ihre Erinnerungen behält und fliehen kann, drohen Julians obskure Machenschaften aufzufliegen. Auf ihrer Flucht vor Julians üblen Handlangern trifft Kelly zufällig auf den Polizisten Roy (kommt daher wie eine geschwätzig-coole Variante von "Highlander" Christopher Lambert: Thomas Jane). Dieser erkennt die Chance, mit Kellys Hilfe Vice ein Ende zu setzen. Die Handlung ist flott aber zu beliebig von Brian A. Miller in Szene gesetzt, der Tiefgang mäßig, der Schluss wirkt gekünstelt. Doch die Botschaft kommt rüber: Wenn wir uns an Maschinen austoben könnten - müsste sich das nicht künftig auch auf den Umgang mit unseren Mitmenschen auswirken?

In "Ex Machina" ist es nur einer, der mit den künstlichen Maschinen übel umspringt: der hyperintelligente Suchmaschinen-Firmenboss Nathan (Oscar Isaac). Er hat künstliche Intelligenz auf ein neues Level gehoben und in menschliche Gestalt gebannt. Die heißt Ava (Alicia Vikander) und soll vom jungen Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson), der unter dem Vorwand, eine firmeninterne Lotterie gewonnen zu haben, anreist, in Nathans abgelegenem Waldhaus auf Programmierfehler gecheckt werden. Schnell findet Caleb aber heraus, was aus Avas Vorgängerinnen geworden ist und dass sich Nathan angesichts seiner Erfindung für einen Gott hält, der mit "seinen" Geschöpfen machen darf, was er will. Wie ein Kammerspiel mit nur wenigen Protagonisten hat Roman- und Drehbuchautor Alex Garland in seinem Regiedebüt den Film angelegt. Der Handlungsort, äußerlich eine alte Waldhütte inmitten Wäldern und Wasserfällen, ist innen moderner Hochsicherheitspalast und Roboterschmiede zugleich. Der Geist von Stanley Kubricks Werken "2001" oder "Shining" weht durch "Ex Machina", den seine großartigen Akteure - vor allem Oscar Isaac als gleichermaßen zwischen Fitness- und Alkoholrausch pendelndem Super-Programmierer und coolen Sprüchen klopfender Buddy - auf ein hohes Level hieven. Der Streifen fesselt, weil lange offenbleibt, welche Absichten Nathan und Ava verfolgen. Auch kommt er nicht zu moralinsauer daher, sondern überrascht am Ende, wenngleich sich da Logiklücken offenbaren, die den Gesamteindruck mindern.

Vice: Universum Film, 96 Minuten, DVD und Blu-Ray

Ex Machina: Universal Pictures, 108 Minuten, DVD und Blu-Ray