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Der Afghane Omid Ghaznawi will sich in Zweibrücken ein Zukunft aufbauen

Der Afghane Omid Ghaznawi will sich in Zweibrücken ein Zukunft aufbauen : Mit Hilfe und Fleiß zu einer Zukunft

Der 26-jährige Afghane Omid Ghaznawi hat schon ein bewegtes Leben als Flüchtling hinter sich. In Zweibrücken arbeitet er nun für einen Ausbildungsplatz – verbunden mit der Hoffnung auf ein Bleiberecht.

„Ich bin sehr glücklich und zufrieden, dass ich jetzt einen deutschen Schulabschluss habe! Das ist mir wichtig!“ Stolz erzählt der 26-jährige Omid Ghaznawi, ein ernsthafter, junger Mann aus Afghanistan, der endlich eine Lebensperspektive und Zukunft anstreben kann, von seinem ersten Erfolg in Deutschland.

Nach der Abschlussprüfung im Berufsvorbereitungsjahr mit Schwerpunkt Technik an der BBS Pirmasens absolviert er gerade ein Praktikum bei der Zweibrücker Firma „Sonnenplan“, die als innovativer Betrieb mit Photovoltaik gestartet ist und inzwischen Gebäude-Energiekonzepte, wie auch als Elektro- und Heizung und Sanitärmeisterbetrieb ihre Dienste anbietet. „Mein Traumberuf wäre eine Ausbildung als Mediengestalter, denn das hatte ich in Afghanistan begonnen, aber auch der Bereich Elektrik, Heizung und Sanitär interessiert mich sehr“, berichtet der junge Afghane.

Omid Ghaznawi ist in einer Familie mit zahlreichen Kindern in der Provinz Ghazni in der Nähe von Kabul geboren. Da die Familie seines Onkel keinen Sohn hatte, wurde er von dieser großgezogen. Bis zur 10. Klasse besuchte er die Schule und ging mit 15 Jahren anschließend in die Hauptstadt Kabul. „Bei uns wurden Schüler körperlich gezüchtigt, mit Eisen gefüllten Stangen geschlagen, es war wirklich schrecklich“.

In Kabul bekam er über Freunde Kontakt mit einem TV-Sender, arbeitete sechs Monate dort als Küchenhilfe in der Kantine und abends erwarb er erste PC-Kenntnisse. Er schaute BBC-Sendungen des britischen Fernsehns in seiner Sprache, Farsi, und lernte die Grundzüge des Schneidens von TV-Beiträgen.

Zweieinhalb Jahre lang arbeitete er in diesem Beruf oder ersparte sich etwas Geld zum Leben mit Minijobs, in einem Land, das seit Jahrzehnten nur Kriege erlebt hat. „Manchmal gab es fünf Monate lang keinen Lohn für die Arbeit, überall herrschte Unruhe und Unsicherheit.“ Der Ziehvater ist vor sechs Jahren verstorben. „Ich weiß nicht wie, wahrscheinlich ist er von den Taliban getötet worden“.

2015 dann die Entscheidung zur Flucht in eine hoffentlich bessere Zukunft, die ihn über Griechenland und die Balkanroute, teilweise zu Fuß oder versteckt in Lkws, bis nach Österreich brachte. „Es gab unterwegs viel Brutalität, Streitereien und Armut, unter den Flüchtlingen, aber auch der Einwohner der Länder selbst, durch die wir kamen.“ In Österreich wartete er zwei Jahre vergeblich auf eine reguläre Aufenthaltgenehmigung. „Immer wieder hieß es, ich solle zurück nach Kroatien oder nach Afghanistan gebracht werden. Ich hatte große Angst und im Juli 2018 kam ich endlich in Deutschland an. Die Strecke zwischen Salzburg bis zur Grenze legte ich zu Fuß zurück, dann sah ich einen Bahnhof und fuhr mit dem Zug direkt nach Trier in die Flüchtlingsaufnahme.“

Nach zwei Wochen wurde Omid Ghaznawi nach Kusel überstellt, wo er sechs Monate bleiben musste und seine ersten Deutschkenntnisse bis zur Stufe A 1 erwarb. Von Kusel kam er nach Zweibrücken, wo er dank der Hilfe von ehrenamtlichen Helfern und seinem eigenen Fleiß die Sprache besser erlernen konnte.

Inzwischen hat Omid Ghaznawi sich auch bei der Zweibrücker VHS in den B2-Kurs-Technik angemeldet. „Jetzt mit dem erfolgreichen Schulabschluss, der Unterstützung durch das Arbeitsamt und die Industrie- und Handelskammer und den B2-Kurs, kann ich endlich hoffen bleiben zu dürfen und eine Ausbildung für einen guten Beruf beginnen“.