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Deponie: Nicht alles ist schwarz oder weiß

Deponie: Nicht alles ist schwarz oder weiß

Es gibt Einzelfälle in der Zweibrücker Abfallwirtschaftspolitik, bei denen es hilfreich ist, schwarz und weiß zu sehen. Wie Anfang Februar, als nur der Schnee großflächige schwarze Verunreinigungen neben der Deponie sichtbar gemacht hat.

Was gezeigt hat: Trotz wie immer behauptet hoher Sicherheitsstandards kann von der Konditionierungsanlage durchaus Gefahr für die Umwelt ausgehen. Anlagen-Eigentümer Terrag verspricht jetzt, noch mehr für die Sicherheit zu tun. Das ist gut so. Aber warum hat Terrag das nicht gleich getan?

Der Störfall sollte auch dem Deponiebetreiber UBZ und den Stadtpolitikern eine Lehre sein: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Das muss auch für die Müll-Lieferungen aus Italien gelten. Sympathiepunkte in der Bevölkerung kann man damit nicht machen: Niemand jubelt über fremden Müll vor der Haustür. Aber: Es gibt politisch, wirtschaftlich und ökologisch gute Argumente für das Geschäft. Wenn Zweibrücken eine hochmoderne Deponie hat, in Italien daran aber Mangel herrscht - und die Stadt-Tochter UBZ, die ihre Gewinne zugunsten der Zweibrücker Bürger einsetzt, sogar noch hohe Einnahmen durch den italienischen Müll erzielt: Warum soll man auf dieses Win-Win-Win-Geschäft verzichten? Weil es ein ökologisches Restrisiko gibt, sagen die Kritiker . Ökologische Nachteile haben aber auch andere Geschäfte in Zweibrücken. Über die regt sich aber zu Recht niemand auf, wohl weil es Stolzobjekte sind wie die Style Outlets (obwohl diese tagtäglich ökologisch schädliche Autofahrten von weit her verursachen).

Doch bei allem grundsätzlichen Verständnis für das Italien-Geschäft: UBZ und Stadtspitze tragen viel dazu bei, Öl ins Feuer der Kritiker zu gießen. Zum einen, weil man den Müll-Anlieferern aus Italien weitgehend blind vertraut. Nur drei, vier Mal jährlich will der UBZ einzelne Lieferungen kontrollieren. Viel zu selten angesichts der Tatsache, wie sehr es sich "lohnt", heimlich gefährlicheren Müll als erlaubt unterzumischen.

Zum anderen fährt der sonst so entscheidungsstarke Oberbürgermeister beim Italien-Müll einen merkwürdigen Schlingerkurs. Kurz vor der Stadtratswahl hatte Kurt Pirmann im Fernsehen noch angekündigt, die Italien-Verträge stoppen zu wollen. Ein Jahr später, als sie endlich im UBZ-Verwaltungsrat auf der Tagesordnung stehen, behauptet Pirmann plötzlich, das Interview sei sinnentstellend geschnitten. Statt (offensichtlich völlig unberechtigte) SWR-Schelte zu betreiben, sollte Pirmann für seine Überzeugung kämpfen, dass es gut ist, wenn die Stadt-Tochter Einnahmen erzielt. Und dafür kämpfen, dass der UBZ die Anlieferungen besser kontrolliert.

Schwarz-weiß-Denken hilft beim Italien-Müll nicht weiter: Hier gilt es, die Details in den Blick zu nehmen.