1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Denkmalschützerin zur Nutzung der Weißen Kaserne

Weiße Kaserne : „Es ist alles da“

Denkmalschützerin Roswitha Chéret hält die alten Investorenpläne zur Weißen Kaserne weiter für bedenkenswert.

Gerade hat der Stadtrat das Ende des Projekts Weiße Kaserne beschlossen (wir berichteten). 480 000 Euro flossen an Steuergeldern in das Areal. Der eher kümmerliche Ertrag: Eines der Gebäude wurde abgerissen, ein weiteres saniert - es ist mit das kleinste Haus auf der 45 Hektar großen Fläche. Die drei riesigen Kasernen und mehrere kleinere Gebäude sind dem Verfall preisgegeben.

Jemand, der sich seit Jahren um das Gelände sorgt, heraus aus purer Bewunderung für die Architektur des 19. Jahrhunderts, ist Roswitha Chéret. „Mein Mann ist Franzose, das hat auch etwas mit der Kaserne zu tun.“ Das Bewahren von älteren Gebäuden liegt ihr aber auch ganz ohne biografische Nostalgie am Herzen: Chéret ist Ortskuratorin der deutschen Stiftung Denkmalschutz. Einst hatte sie sich gefreut über das Konzept des Pirmasenser Investors Bernd Hummel, der das Areal 1996 erworben hatte. „Er hatte vor, dass da ein Kulturzentrum reinkommt. Außerdem war eine Mischnutzung vorgesehen mit Handwerk, Wohnungen, Praxen und Büros.“ Ein „Quartier écologique“, ein neues Stadtviertel unter ökologischen Aspekten, sollte entstehen.

Doch daraus wurde nichts. Erst habe der Investor von 50 Millionen Mark gesprochen, so Chéret, später sogar von 100 Millionen.  „Das ist ein Riesenprojekt, das kann man in unserer Gegend kaum stemmen“, meint die Germanistin im Ruhestand, die niemandem den Schwarzen Peter zuschieben möchte.

Wenn sie sich die Gebäude anschaut, gerät sie einerseits ins Schwärmen: „Schauen Sie mal, das schöne Gebäude hier, man nennt es die Reithalle. Vielleicht war es auch eine Waffenwerkstatt. Jedenfalls: Dieser Luxus an Details, die Abstufungen mit den roten Klinkern, die Fensterlaibungen, wie wunderbar das gemacht ist!“ Ein Plakat einer Ausstellung von 1999 verrät, wie es um das Gebäude bestellt ist.

Und andererseits beklagt Chéret den Zustand vieler Gebäude, die eingeschlagenen Fensterscheiben. Den originalen, aber rostigen Zaun, in den an einer Stelle auch mal ein Fahrzeug hineingefahren sein muss, ohne dass dies jemals ausgebessert wurde. 2010 hatte sie sich vehement gegen den Abriss eines Eckgebäudes gewehrt, mitsamt einer Unterschriftenaktion – genutzt hat es nichts. Das sei auch das einzige Mal gewesen, dass sie Investor Hummel begegnet ist: „Ich war 2007 mit einem Architekten bei ihm, wir haben mit Engelszungen auf ihn eingeredet. Das Haus am Eingang hätte gestört, aber das stimmte nicht!“ Subventionen wolle er gar keine annehmen, habe Hummel damals gesagt, erinnert sich die Denkmalschützerin. Auch das kam anders.

Und jetzt? „Ich kann die Stadt verstehen, dass sie keine Gelder mehr reinstecken will.“ Aber damit sei die Sache ja nicht abgeschlossen. „Für eine Kleinstadt ist es kaum zu verkraften, dass man 45 Hektar stadtnahe Fläche hat, die dem Verfall preisgegeben werden.“ Chérets Wunsch ist, dass sich das Land Rheinland-Pfalz engagiert. Man könne doch die Konversion wieder aufleben lassen mit neuem Konzept.

Nach ihren Vorstellungen hätte das schon früher geschehen sollen. Der gegenüberliegende UBZ, die Gewobau, die VHS und die Bipontina hätte man besser hier angesiedelt. „Fast alle Dienstleistungsämter der Stadt wären hier untergekommen.“ In Landau habe so etwas bei einem vergleichbaren Kasernenviertel geklappt, indem das Land im Rahmen der Landesgartenschau in die Gebäude investierte.

Chéret hat über all die Jahre sämtliche Zeitungsartikel aufbewahrt, sie besitzt auch noch eine Broschüre, die das geplante Quartier écologique beschreibt. Von solch einer Nutzung der Weißen Kaserne ist derzeit nur zu träumen. Die Pensionärin tut es trotzdem. „In fünf bis zehn Minuten ist man zu Fuß in der Stadt. In der Mitte des Geländes könnte man einen Park anlegen, Platz zum Parken gibt es, auch eine Bushaltestelle – es ist alles da.“ Und im Gegensatz zu früher sei der Wohnraum heute knapper. Vor allem aber wünscht sich Chéret, dass die alten Kasernen mit ihren Backsteinfassaden erhalten bleiben: „Sie können sagen, was Sie wollen, diese Bauten sind heute noch stolz und schön!“