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Debatte um Villa Schwinn in Zweibrücken geht weiter

Auseinandersetzung über Abriss der Ex-Fahrzeughalle der denkmalgeschützten Villa Schwinn zugunsten neuer Wohnungen in der Zweibrücker Innenstadt : Kein bisschen Frieden am Runden Tisch

Pläne für Villa Schwinn: Keine Bewegung im Streit zwischen Stadtverwaltung und kritischen Bürgern.

„Das ging aus wie das Hornberger Schießen.“ Roswitha Chéret, Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Zweibrücken, macht kein Hehl aus ihrer Enttäuschung über die Diskussionen zur Villa Schwinn beim Runden Tisch zu Denkmalschutz und Klimaschutz, der am Dienstagabend mit Stadt- und Fraktionsvertretern sowie geladenen engagierten Bürgern nichtöffentlich stattfand. Chéret und drei weitere Bürger hatten zuvor in einem offenen Brief gegen den geplanten Abriss der Remise (Ex-Fahrzeughalle) der Villa Schwinn protestiert (wir berichteten). „Wir haben uns fast wie auf der Anklagebank gefühlt, wurden von allen Seien angegangen“, sagt Chéret, „jemand hat uns wurde sogar vorgeworfen, wir würden nur rummaulen“. Dabei habe sie gar nicht grundsätzlich etwas gegen moderne Neubauten als Ergänzung zur Villa Schwinn – aber die Remise gehöre nun mal integral zur Villa Schwinn, „das sieht ja ein Blinder“ – für deren Erhalt zu kämpfen sei also ihre Aufgabe als Vertreterin von Denkmalschutz-Interessen. Natürlich hätten auch andere Seiten berechtigte Interessen. Aber für Chéret wäre es auch aufgrund der Gesetzeslage „ein Unding“, die Remise abzureißen – selbst wenn die Denkmalschutzbehörden dies hinnehmen würden, wenn der Investor im Gegenzug das Hauptgebäude der Villa Schwinn denkmalgerechter gestaltet – Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) hatte kürzlich im Merkur angekündigt, eine der Hauptauflagen sei die Sanierung der mit hässlichen Platten verkleideten Westfassade. Doch Chéret findet: „Das kann man nicht gegeneinander aufrechnen.“

Zudem kritisiert Chéret, es werde zu viel Grün zubetoniert, wenn „auf diesem kleinen Gelände“ 77 oder wie es zuletzt hieß gut 100 Wohnungen entstünden. Chéret bedauert auch, „dass wir weiter im luftleeren Raum sind“: Bei dem Runden Tisch war weder der Investor (Firma Irus aus Saarbrücken) dabei noch wurden Plan-Entwürfe gezeigt.

Wosnitza sagt auf Merkur-Anfrage, er habe gar nicht erwartet, dass am Ende dieser „Gesprächsrunde“ ein Kompromiss stehe. In diesem Fall gebe es unterschiedliche Interessen, die zu konträr seien. Für die Stadtentwicklung seien attraktive Wohnungen in der Innenstadt sehr wichtig. „Wir haben uns ausgetauscht und werden im Gespräch bleiben.“ Der Oberbürgermeister würdigte ausdrücklich das Bürger-Engagement, auch wenn man hier anderer Meinung sei.