Debatte um Berufsfeuerwehr

Zweibrücken. Eine rein ehrenamtliche Feuerwehr in Zweibrücken und dem Land ist auf Dauer wohl nicht mehr machbar. Das erklären Harald Schmieg, Leiter der Zweibrücker Feuerwehr und Markus Schmidt, Leiter der Wehr der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Im Gespräch mit dem Merkur gehen sie davon aus, dass über kurz oder lang eine Berufsfeuerwehr installiert werden muss

Zweibrücken. Eine rein ehrenamtliche Feuerwehr in Zweibrücken und dem Land ist auf Dauer wohl nicht mehr machbar. Das erklären Harald Schmieg, Leiter der Zweibrücker Feuerwehr und Markus Schmidt, Leiter der Wehr der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Im Gespräch mit dem Merkur gehen sie davon aus, dass über kurz oder lang eine Berufsfeuerwehr installiert werden muss. Die Aufgaben, die die Brandschützer wahrnähmen, seien immer vielfältiger und gingen weit über den Brandschutz hinaus. Ferner sitzt das Problem, Nachwuchs zu gewinnen, der bereit ist, dieses Ehrenamt dauerhaft zu leisten, den Wehren im Nacken.Die Verbandsgemeinde-Wehr hat aktuell acht Jugend-Feuerwehren mit 137 Mitgliedern (100 Männer, 37 Frauen); Zweibrücken hat 35 Jugendliche in seiner Nachwuchs-Wehr (im Alter von zehn bis 16 Jahren). Viele Jugendliche würden studieren gehen oder anderweitig wegziehen, sodass immer wieder Lücken entstünden, erklären die Wehr-Leiter.

"In Rheinland-Pfalz sind Kommunen verpflichtet, ab 90 000 Einwohnern eine Berufsfeuerwehr einzurichten. Aber einige Kommunen gehen davon ab", sagt Schmieg. So habe Worms mit 83 000 Einwohnern 60 hauptamtliche Brandschützer. "Der Grund ist, dass es dort einige Industriebetriebe gibt; ferner fallen in Worms generell viele Einsätze an." In Pirmasens, mit 40 000 Einwohnern fast so groß wie Zweibrücken (38 000 Einwohner inklusive Vororten) gebe es bereits 15 Hauptamtliche. In Zweibrücken sind derzeit fünf Feuerwehrleute fest angestellt; diese kümmern sich laut Schmieg um die Gerätewartung und besetzen tagsüber die Wache. Gerade für den Dienst am Tage seien schwer Helfer zu finden, da die meisten Ehrenamtlichen dann arbeiten müssten. Und nicht jeder Arbeitgeber sei bereit, den Helfer immer wieder freizustellen. Die fünf Hauptberuflichen in Zweibrücken reichten nicht einmal aus, um im Ernstfall ein Fahrzeug zu besetzen. "Aus Sicherheitsgründen muss das im Erstangriff ausrückende Fahrzeug mindestens sechs Personen an Bord haben", erklärt Schmieg.

Markus Schmidt, Leiter der Verbandsgemeinde-Wehr, wird noch deutlicher: "An einer Berufsfeuerwehr führt über kurz oder lang kein Weg vorbei." Die Verbandsgemeinde-Wehr hat 17 Löscheinheiten; dort sind insgesamt 498 Helfer tätig. Nur ein einziger von ihnen ist ein hauptberuflicher Brandschützer. Eine Relation, die so künftig unrealistisch sei. "Wir bemühen uns um Nachwuchs, aber es wird immer schwieriger", so Schmidt. Der Gesetzgeber fordere, dass maximal acht Minuten verstreichen dürfen, bis die Feuerwehr am Einsatzort ist. "Diese Vorgabe zu erfüllen, das ist mit unseren Ehrenamtlichen kaum noch zu leisten", sagt er.

Auch wenn der Ruf nach einer Berufsfeuerwehr lauter wird: Weder Schmieg noch Schmidt erklären die Ehrenamtlichen für verzichtbar. "Die Freiwilligen werden aber in Zukunft nur noch in ergänzender Form tätig sein, um die Hauptberufler zu unterstützen", prognostiziert Schmidt. Von einer Pflicht-Feuerwehr halten beide Wehr-Leiter nichts. Der Gesetzgeber sieht für den Fall, dass es Engpässe gibt, die Möglichkeit vor, Bürger für den Dienst zu verpflichten. "So etwas kann man nur im absoluten Notfall machen. Es ist doch klar, dass derart Zwangsverpflichtete völlig demotiviert arbeiten würden", warnt Schmieg. Schmidt pflichtet bei: "Man kann sich vorstellen, mit welcher Einstellung solche Personen an die Arbeit gingen." Foto: pm

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