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Debatte über Tauben in Zweibrücken entbrannt

Viel Aufregung im Netz : Debatte über Tauben in Zweibrücken entbrannt

Tauben gelten seit Jahrhunderten als Symbol des Friedens. Doch ist über die Tiere nun in den Sozialen Netzwerken ein Streit entbrannt, der teilweise gar nicht so friedlich anmutet.

Was ist passiert? Gerhard Herz, Vorsitzender des Naturschutzbeirates der Stadt Zweibrücken, hatte auf Anfrage des Pfälzischen Merkur Stellung bezogen zum Wunsch des Deutschen Tierschutzbundes, Tauben in der Corona-Krise zu helfen. Der Tierschutzbund hatte erklärt, die Tauben litten darunter, dass in den Städten deutlich weniger Besucher seien, für die Tiere falle kaum noch Fressbares ab, die Kommunen sollten zentrale Futterstellen für die Tiere einrichten und diese mit artgerechtem Futter bestücken.

Herz hatte daraufhin im Merkur-Bericht erklärt, er sehe hierfür keine Notwendigkeit. Tauben seien intelligente Tiere, sie fänden auch in der Corona-Krise beispielsweise in Gärten genug Futter, sie könnten auf dem Boden picken wie Hühner.

Selbst wenn, durch die Krise bedingt, die Population etwas zurückgehen sollte, wäre das kein Drama, die Tiere würden sich stark vermehren, in den vergangenen Jahren sei der Bestand in der Rosenstadt stark angewachsen.

Auf der Merkur-Facebook-Gruppe brach daraufhin ein Sturm der Entrüstung los. Viele unterstellten Herz (ebenso wie dem Autor des Artikels), keine Ahnung zu haben und diesem Lebewesen keine Wertschätzung entgegen zu bringen.

Die Stadttaubenhilfe Pirmasens versuchte daraufhin, die Debatte etwas zu versachlichen. Eva Müller, Vorsitzende des Vereins, schlug im Gespräch mit unserer Zeitung moderatere Töne an – doch auch sie befand, dass Herz die Angelegenheit sachlich falsch beurteilt habe.

„Tauben brauchen am Tag 30 bis 40 Gramm Körner – das finden sie nicht in der Stadt. Die Tiere fressen deshalb auch Brot, Dönerreste, ja sogar Fleischreste. Aber nur, weil sie großen Hunger leiden.“

Diese nicht artgerechte Nahrung führe bei den Tauben zu Durchfall und zu dem unansehlichen weißen Stuhl. „Dieser weiße Stuhl, der für starke Verschmutzungen sorgen kann, ist ein sogenannter Hungerstuhl. Können sich die Tiere artgerecht ernähren, haben sie einen braunen, festen Stuhl.“ Dieser sei auch nicht so ätzend.

Müller bezweifelt, dass die Population in Zweibrücken, wie Herz erklärte, stark angestiegen ist. „Wenn das wirklich so ist, wenn das beobachtet wird – dann müsste die Stadt an einem Konzept arbeiten“, betont sie.

Die Stadttaubenhilfe-Vorsitzende sagt, dass es in Pirmasens entsprechende Hilfe bereits gebe. „Wir haben schon längere Zeit einen betreuten Schlag.“ Allerdings, so räumt Müller ein, sei dort zuletzt manches falsch organisiert worden, wenn sich die Corona-Lage etwas beruhige, solle dieser Taubenschlag verbessert werden.

„Wir machen ihn heimischer, es gibt eine Anlock-Voliere – denn Tauben gehen dahin, wo sich andere Tauben aufhalten. Im Schlag wird dann artgerecht gefüttert, das sorgt dafür, dass die Tiere keinen Durchfall bekommen. Und, ganz wichtig: Die Tauben halten sich im Schlag auf. Sie fliegen dann nicht mehr in die Stadt. Tauben sind ohnehin nur in der Stadt, weil sie dort Futter suchen.“

Neben diesem Taubenschlag in der Innenstadt hat der Verein in Eppenbrunn auf einem extra dafür gekauften Grundstück einen Schlag eingerichtet. Dort hielten sich aktuell 280 Tauben auf. Da dieser Standort ländlich gelegen sei, gebe es keinen Streit mit Anwohnern.

Wenn die Tiere wüssten, dass es im Schlag für sie Futter und Wasser gebe, würden sie dort ihre Eier legen. Diese würden dann von Helfern durch Gipseier ausgestauscht. Auf diese Weise könne die Population besser kontrolliert werden.

„Tauben brüten fünfmal im Jahr, jeweils zwei Eier. Aber man muss wissen: Es sind Stressbrüter. Wenn andere Vögel wenig Futter haben, bürten sie weniger. Tauben machen es umgekehrt. Sie brüten dann noch mehr – weil sie die Art erhalten wollen“, weiß Müller.

Für sie sind diese Tiere ganz besondere. „Es sind unheimlich soziale Tiere. Sie kümmern sich herzzerreißend um den Nachwuchs“, bricht sie eine Lanze für diese Vögel. Von daher ärgert sie sich sehr, wenn regelmäßig Menschen Tauben als „Ratten der Lüfte“ bezeichnen. „Das ist ein hartnäckiges Vorurteil. Und es ist falsch.“

Die Tauben seien im übrigen mitnichten ein ernsthafter Übertrager von Krankheiten. Auch das sei ein Vorurteil. Die Tiere würden im Schlag natürlich Staub aufwirbeln, vor dem müsse man sich auch schützen. Aber ansonsten gehe keine größere Gefahr von den Tieren aus. „Wenn das so wäre, müssten die Gesundheitsämter ja Bescheid wissen. Aber es ist halt ein weiteres Vorurteil.“

Von der Stadttaubenhilfe Pirmasens bekommt der Zweibrücker Naturschutz-Beiratschef Herz also Contra. Doch erhält er auch Unterstützung.

Dr. Norbert Pohlmann, der sich als Fraktionsvorsitzender der Grünen im Zweibrücker Stadtrat engagiert und Diplom-Biologe ist, pflichtet auf Merkur-Anfrage den Aussagen Herz’ im Merkur bei: „Ich würde mich der Aussage anschließen, dass wir in der Stadt jede Menge Tauben haben.“

Es sei zwar möglich, dass durch die Corona-Krise das Angebot an Futter für die Tiere zurückgegangen sei. Aber offenkundig nicht so stark, dass es die Population wesentlich beeinflusst habe.

„Tauben sind intelligente Tiere. Die finden ihr Futter, da hat Herr Herz recht. Ob in Gärten oder in Parks. Diese Tiere finden auf jeden Fall etwas.“ Auch Pohlmann schätzt den Taubenkot als „extrem ätzend und aggressiv ein“. Dafür könnten die Tiere natürlich nichts. Aber es sei nun einmal so.

Allerdings weist auch der Diplom-Biologe darauf hin, dass die Tiere durch Fehlernährung Durchfall bekommen können.

Es gebe übrigens ein großes Missverständnis in der Bevölkerung, macht Pohlmann deutlich: Die Menschen seien an das Bild von Tauben in der Innenstadt gewöhnt – und hielten das für völlig normal. Aber das sei es nicht.

Problem: In der Fußgängerzone stießen die Tiere auf eine Überangebot an Fressbarem, ob Laugengebäck-Reste oder Kekskrümel. „Das führt zu Über- und Fehlernährung“, sagt Pohlmann. „Artgerecht wären Samen, Früchte, Beeren und kleine Wirbellose – und genau dies finden die Tiere in Gärten oder auf landwirtschaftlichen Flächen am Stadtrand“, macht er deutlich.

Der Diplom-Biologe gibt ferner zu bedenken: „Wenn nun das städtische Futterangebot zurückgeht, haben die Tauben erst die Möglichkeit, sich artgerecht zu versorgen. Sie müssen sich – wie das in der Natur üblich ist – zur Futtersuche über eine gewisse Entfernung bewegen und stehen in Konkurrenz zu anderen Vögeln. Das ist die natürliche Situation, das setzt dem Bestand natürliche Grenzen, und das verringert die Probleme mit dem Taubenkot in der Stadt.“

Pohlmann schlussfolgert: „Das von einigen Menschen geforderte Zufüttern erscheint überflüssig und auch nicht im Sinne einer naturnahen Populationsentwicklung.“

Die Idee eines Taubenschlags, eines „Taubenhauses“ wie in Pirmasens stößt bei Pohlmann hingegen auf Sympathie. „Es wurde in der Vergangenheit in der Stadt Zweibrücken diskutiert, allerdings kam es dann nie dazu. Über so etwas könnte man sicher nachdenken. Dann wäre auch die Möglichkeit gegeben, die Population zu steuern, in dem man die Eier dort gegen Gipseier austauscht.“