„Mädchen mit Hutschachtel“ in der Aula des Hofenfels-Gymnasiums aufgeführt Deutsche Geschichte lebendig

Zweibrücken · Das Badische Landestheater zeigte in der Aula des Zweibrücker Hofenfels-Gymnasiums für Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen das Stück „Mädchen mit Hutschachtel“.

 In der Aula des Hofenfels-Gymnasiums wurde das Stück „Mädchen mit Hutschachtel“ gezeigt.

In der Aula des Hofenfels-Gymnasiums wurde das Stück „Mädchen mit Hutschachtel“ gezeigt.

Foto: Susanne Lilischkis

Der 22. Oktober 1940 ist einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Südwestdeutschlands. Innerhalb nur weniger Stunden wurde nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung Badens, der Pfalz und des Saarlandes in das südfranzösische Internierungslager Camp de Gurs deportiert.

Am vergangenen Montag führte das Badische Landestheater in der Aula des Hofenfels-Gymnasiums das Dokumentartheater „Mädchen mit Hutschachtel“ auf. Gefördert hat das Projekt der Bezirksverband Pfalz. Christina Rauch, die auch Mitglied im Kulturausschuss des Bezirksverbandes ist, machte sich dafür stark, dass dieses interessante Stück, das einen Teil deutscher Geschichte abbildet, auch in Zweibrücken gezeigt wird. Eingeladen waren Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen beider Zweibrücker Gymnasien.

Eindringlich zeigten die Schauspieler auf der Bühne, was damals in unserer Region passiert war. Die Gestapo-Beamten kamen am frühen Morgen in die Wohnungen der jüdischen Bürger von Bruchsal. Die Festgenommenen mussten innerhalb einer Stunde reisefertig sein. Mit Zügen und Lastwagen wurden die Menschen in das 1300 Kilometer entfernte Lager Gurs gebracht. Dass sie nie mehr zurückkommen sollten, war ihnen nicht klar. An den Strapazen der Reise starben bereits viele der älteren Jüdinnen und Juden. Von der Deportation in Bruchsal existiert ein etwa einminütiger NS-Propagandafilm mit dem Titel „Bruchsal judenfrei – Die letzten Juden verlassen Bruchsal“.

Das Stück der Autorin Lisa Sommerfeldt nimmt darauf Bezug. Der Film ist das einzige Filmdokument, das in bewegten Bildern die Deportation aus Südwestdeutschland zeigt: 123 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Bruchsal auf dem Weg zum Zug. Fast zwei Drittel davon waren älter als 50 Jahre, darunter aber auch sieben Kinder im Alter zwischen acht und 15 Jahren. Eines dieser Kinder ist ein Mädchen, das eine Hutschachtel trägt. Ihr Name: Edith Löb. Sie war 13 Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter nach Gurs verschleppt wurde. Ihr kleiner Bruder Heinz war zu dieser Zeit in einem Kinderheim in Frankfurt, ihr Vater bereits in den USA. Edith wurde aus dem Lager befreit und musste unter falschem Namen in einem fremden Land untertauchen. Nach dem Krieg gelang es ihr, nach New York auszuwandern. Heinz und ihre Mutter wurden in Auschwitz umgebracht.

Wie war das damals, eine Jüdin in Deutschland zu sein? Diese Frage stellte das Stück immer wieder. Edith berichtet von ihren Erfahrungen, ausgegrenzt zu werden. Auch ihre beste Freundin kommt zu Wort, die nicht glauben kann, dass Edith Jüdin ist, denn sie hat gelernt, dass Juden angeblich stinken, und das tut Edith nicht.

Für Christina Rauch ist es wichtig, sich die Vergangenheit in Erinnerung zu rufen. „Nie wieder ist jetzt“, rief sie den Schülern zu, „wir sollten alle für ein gemeinschaftliches und freundliches Miteinander sorgen“.

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