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Schüleraustausch: „Das Lernen der Sprache ist der Schlüssel“

Schüleraustausch : „Das Lernen der Sprache ist der Schlüssel“

Neben den Schulen können auch Austausch-Organisationen Jugendlichen zu Zeit im Ausland verhelfen.

(jen) Als Jana Knolls Tochter mit 16 Jahren verkündete, sie wolle für ein Jahr nach Panama, da wurde es der Mutter doch irgendwie anders. „So jung, so weit weg, und dann gleich für so lange. Ich musste schon erst mal schlucken“, erinnert sie sich. Heute, im Rückblick, ist sie froh, ihrer Tochter diese Erfahrung ermöglicht zu haben, die eine Bereicherung für das ganze Leben sei, erklärt sie.

Die damalige Gastfamilie sei ihrer Tochter eine zweite Familie geworden, Panama ihre zweite Heimat. Die Bande überdauern bis ins Erwachsenenalter, die Gastgeschwister halten regen Kontakt und besuchen sich regelmäßig, zu Familienfeiern wie Hochzeiten lädt man sich selbstverständlich gegenseitig ein. Inzwischen hat die Familie Knoll selbst auch Gastkinder bei sich aufgenommen und kennt daher auch die andere Seite. „Als Gastfamilie öffnet man sein Herz für die jungen Menschen, die da kommen, sie werden ein Teil der Familie, man teilt den Alltag, Feste, die Schule“, erklärt sie.

Jana Knoll betreut als Koordinatorin die Region Saarland und Südwestpfalz für die Austauschorganisation AFS (American Field Service. Der AFS wurde1914 gegründet, ursprünglich mit dem Ziel nach dem Krieg durch die Austauschprogramme die Völkerverständigung zu fördern, Vorurteile abzubauen und dadurch zu weltweitem Frieden beizutragen. Dieser idealistische Grundgedanke gelte heute noch, erklärt Jana Knoll. Der Austausch vor Ort beruht auf ehrenamtlichem Engagement. So erhalten zum Beispiel die Gasteltern auch keine Vergütung für die Aufnahme der Kinder beziehungsweise Jugendlichen.

In seinen Austauschprogramen vermittelt der AFS jugendliche Gastschüler – die meisten sind 15 oder 16 Jahre alt – weltweit in 60 Länder auf allen Kontinenten. Klassisch für ein halbes oder ein ganzes Jahr, inzwischen gibt es aber auch kürzere Angebote. Charakteristisch ist das Eingebunden-Sein in eine Familie, das unterschiedet das Programm auch von Freiwilligendiensten, bei denen die Jugendlichen 17 oder 18 Jahre alt sind.

„Am stärksten nachgefragt als Gastland sind derzeit die USA“, berichtet Jana Knoll. Amerikanische Serien und Filme tragen wohl dazu bei, dass sich viele junge Leute dafür interessieren, und das Highschool-System mit seinen vielen sportlichen und kreativen Wahlmöglichkeiten spreche viele Jugendliche besonders an. Die Erfahrung zeige auch, dass viele deutsche Jugendliche bei einem USA-Aufenthalt relativ gut klar kämen, ebenso wie amerikanische Austauschschüler in Deutschland. „Natürlich sind die Kultur-Unterschiede zum asiatischen Raum, zu Afrika oder Südamerika größer“, räumt sie ein. „Wenn man sich in Südamerika verabredet, und der andere taucht zwei Stunden später erst auf, regt das dort niemanden auf. In Deutschland ist das ein No-Go  – da treffen manchmal schon Welten aufeinander“, sagt sie.

Da das AFS-Programm ein schulisches Programm ist und die Jugendlichen im Gastland ganz regulär die Schule besuchen, sind Sprachkenntnisse des Gastlandes unabdingbar. „Das Lernen der Sprache ist der Schlüssel zur Kultur des Gastlandes, und deshalb auch ein wichtiges Ziel des Austauschs“, erklärt Jana Knoll.  Ob das Austauschjahr in der Heimatschule anerkannt wird, ist dann Sache der jeweiligen Schule. Und hängt natürlich auch von den belegten Kursen im Gastland ab.  

Gewisse „Durststrecken“ oder schwierige Phasen mit Heimweh und Eingewöhnungszeiten gehören natürlich schon dazu, „und oft sind gerade auch diese Zeiten und Herausforderungen für die Jugendlichen später ein großer Gewinn, aus denen sie hervorgehen mit dem Wissen, ich habe das geschafft, ich habe das durchgehalten. Das sind Erfahrungen, die einen prägen und stärken für das ganze Leben.“ Vielen biete die Zeit in der Gastfamilie auch die Möglichkeit, sich anders zu präsentieren und zu entfalten als zu Hause, wo sie vielleicht auf ein bestimmtes Rollenbild festgelegt sind. „Und auch für die Gastfamilie bedeutet ein Gastkind ganz neue Impulse und Anregungen, die oft sehr bereichernd sind.“  Natürlich müsse das dann die ganze Familie mittragen, „denn es betrifft ja auch jeden“.

Als erschwerend hat sie die massive Nutzung sozialer Medien erlebt. „Whatsapp und Facebook machen es vielen Jugendlichen oft schwerer, sich auf das neue Erlebnis wirklich einzulassen und ‚anzukommen‘. Wer mehr mit den  Freunden im Heimatland chattet, als mit den Gastgeschwistern zu reden, lebt sich nicht so schnell ein. Zumal wenn es zum Herkunftsland noch eine Zeitverschiebung gibt, und dann die halbe Nacht dafür draufgeht.“

Wichtig sei, dass sich beide Seiten an die vereinbarten „Spielregeln“ halten, was Rechte und Verpflichtungen angeht. Die Gastkinder sind zum Beispiel keine billigen Arbeitskräfte oder Au pairs. Und die Schüler müssen sich umgekehrt ebenfalls an Absprachen halten.

Es werden noch Gastfamilien gesucht für die Anreise im September. Kontakt: AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., Telefon (040) 399 222 90, www.afs.de.