Das Glück nach der Flucht

Zweibrücken ist für zahlreiche Bürger mit Migrationshintergrund eine neue Heimat geworden. In unserer Serie „Angekommen in der Fremde“ stellen wir einige von ihnen vor. Heute: Hanan Ahmad aus Syrien.

Das Schicksal von Hanan Ahmad ist tragisch wie das vieler Flüchtlinge. Die 33-jährige Sozialarbeiterin im Jugend- und Schulbereich lebte ein zufriedenes Leben, bis der Krieg in Syrien alles beendete. "Ich bin syrische Palästinenserin, mein Vater musste mit seinen Eltern als Kind 1948 aus Palästina fliehen, meine Mutter ist Syrerin", erläutert Hanan.

Von den etwa 20 Millionen Einwohnern Syriens kam etwa eine halbe Million als Flüchtling aus Palästina und lebt meist im Umland von Damaskus. "Ich bin in Syrien aufgewachsen, besuchte die Schule bis zum Abitur, studierte Sozialwissenschaften und arbeitete acht Jahre in Schulen - ich war zufrieden mit meinem Leben", sagt Hanan.

Der Vater arbeitete am Institut für öffentliche Gesundheit und Hygiene, die Mutter war Hausfrau. Ihre Eltern und sieben Geschwister lebten in der Nähe und Hanans Welt schien in Ordnung.

"Eines Nachts flogen Flugzeuge über uns und warfen Bomben ab, gleichzeitig drangen mit Maschinenpistolen bewaffnete und vermummte Männer in unsere Stadt. Sie riefen ‚Allah Akbar', zwangen die Frauen zum Tragen des Kopftuchs, die Männer wurden verschleppt. Wir flohen, wir wollten nur weg und hatten alles verloren, auch das Restaurant, das mein Mann führte!"

Ihr Bruder, ein Offizier der syrischen Armee, verschwand spurlos. "Seit dem 3. Januar 2013 ist er verschollen und wir wissen nichts von ihm." Sechs Monate später wird ihr Mann auf der Straße überfallen und verschleppt.

Kurz zuvor hatte er noch mit Hanan und deren Mutter telefoniert. Später erzählen Anwohner, dass sie vier bewaffnete Männer in einem Auto gesehen hätten. "Seitdem warte ich auf ein Lebenszeichen meines Mannes", erzählt sie.

Das Klima der Angst, des Misstrauens und der Bespitzelungen , auch unter Kollegen, wurde immer unerträglicher. Zudem wurden die Aufenthaltsrechte der Palästinenser und der öffentlich Beschäftigten auf die Hauptstadt beschränkt, die Situation wurde immer gefährlicher.

Eines Nachts Anfang August letzten Jahres trat Hanan Ahmad mit anderen Geflüchteten mithilfe eines bezahlten Transits die gefährliche Fahrt durch ganz Syrien an. Ihr Weg führte sie auch durch IS-Gebiet nahe der türkischen Grenze. Hanan: "Das war der schwierigste Teil, wir befanden uns immer in Lebensgefahr und oft dachte ich, dass ich sterben muss".

Doch Hanan hat es geschafft und kam im Oktober in Deutschland an. Über Bielefeld, Trier und zwei Monate in Koblenz, kam im Dezember die Zuweisung nach Zweibrücken . "Ein unbeschreibliches Glücksgefühl, endlich wieder auf einer richtigen Toilette in einer Wohnung sitzen zu können!", beschreibt sie.

Vor Kurzem bestand Ahmad den VHS-Integrationskurs mit dem stolzen Ergebnis B-1. Hanan sagt mit Blick auf die Zukunft: "Ich möchte noch besser die deutsche Sprache lernen und eine Arbeit in meinem Beruf finden, am liebsten mit Kindern."