Das geht uns alle an!

Wer ist schuld an den Querelen am Evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken? Wer gefährdet Arbeitsplätze und den guten Ruf, den sich das Haus in Jahrzehnten erarbeitet hat? Glaubt man den Demonstranten, die am Freitag durch die Hauptstraße gezogen sind, ist es die Presse . Um genau zu sein, ist es unser Mitbewerber, die "Rheinpfalz".

Da könnten wir als Pfälzischer Merkur uns eigentlich bequem zurücklehnen: Wir sind ja nicht gemeint. Aber das wäre zu kurz gesprungen. Denn hinter der Demo in der Geburtsstadt der Pressefreiheit in Deutschland verbirgt sich ein Verständnis von Pressefreiheit , über das man, bei allem Verständnis für die Ängste der Mitarbeiter des Krankenhauses, zumindest nachdenken sollte. Auch, wenn man gerade einmal nicht gemeint ist.

Fakt ist: Die Presse hat die finanzielle Schieflage des Landesvereins für Innere Mission (LVIM) damals nicht herbeigeschrieben. Die haben andere zu verantworten.

Fakt ist: Die Presse hat keine der bisher erfolgten Umstrukturierungen und Entlassungen am Evangelischen Krankenhaus herbeigeschrieben. Die wurden vom LVIM beschlossen und eingeleitet.

Fakt ist: Die Presse hat den Rosenkrieg zwischen LVIM und Dr. Matthias Stopp nicht herbeigeschrieben. Den haben sich die beiden - zugegebenermaßen über die Presse - in eigener Verantwortung geliefert.

Fakt ist: Das Phantomgutachten zum Brandschutz am Evangelischen Krankenhaus hat nicht die Presse verfasst. Das war das Büro Kappes und Partner aus Stuttgart. Die Presse hat es sich meines Wissens auch nicht auf unlauteren Wegen beschafft.

Über all diese Entwicklungen und Verwirrungen hat die Presse in Zweibrücken lediglich berichtet. Warum hat sie das gemacht? Weil es die Aufgabe einer Lokalzeitung ist, das abzubilden, was vor Ort geschieht. Das Gute und das weniger Gute.

In ihrer Berichterstattung hat die Presse meines Wissens, wie es so schön vor Gericht heißt, in der Summe nichts weggelassen und nichts hinzugefügt. Zugegeben: Weil nicht alle Ansprechpartner immer willens oder in der Lage sind, rasch auf Presseanfragen zu reagieren, sind einzelne Geschichten hier wie dort in Wirklichkeit Fortsetzungsromane. Da steht die Antwort auf die Behauptung schon einmal nicht im gleichen Artikel, wo sie hingehört, sondern erst im Folgetext am nächsten Tag. Das ist, so ehrlich muss man sein, neben einzelnen handwerklichen Schnitzern, die in diesem Fall der "Rheinpfalz" passiert sind, dem Medien-Wettbewerb in der Stadt geschuldet. Wer sich an dem stört, möge sich die politische Relevanz und Brisanz der Themen in vielen Blättern anschauen, die keinen Mitbewerber im Verbreitungsgebiet haben.

Auf der Demo am Freitag wurde mehrfach betont, dass man für Pressefreiheit sei, sich aber gegen einseitige Berichterstattung verwahre. So nachvollziehbar das Anliegen ist: Eine Veranstaltung dieser Art ist dafür der denkbar ungünstigste Rahmen. Hier entstand der Eindruck, das Hauptproblem des Krankenhauses sei die schlechte Presse . Das kann man nicht ernsthaft behaupten.