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Neujahrsempfang der Stadt Zweibrücken: Das Bauamt braucht mehr Personal

Neujahrsempfang der Stadt Zweibrücken : Das Bauamt braucht mehr Personal

Bürgermeister Gauf verliest Neujahrsrede des erkrankten OB: 2018 will die Stadt groß in Straßenbau investieren.

Ein Rosenstadt-Kuriosum zum Jahresauftakt: Gestern Abend sprach zwar Bürgermeister Christian Gauf (CDU) in der Festhalle, doch seine Worte stammten aus der Feder von Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD). Erstmals seit sehr vielen Jahren konnte das Stadtoberhaupt beim Neujahrsempfang von Stadt, Stadttöchtern und Bundeswehr nicht selbst dabei sein. Pirmann ist im Nardini-Klinikum, Details zu seinem Zustand wurden am Dienstag nicht bekannt.

Für den seit September amtierenden Gauf war es kein Novum: Bei seinem Dienstantritt war er auch gleich Stadtoberhaupt, weil Pirmann auch da krank war. Und beim Rathaussturm am Samstag hatte er ihn mit aufgeklebtem Schnäuzer auch optisch zu ersetzen versucht. „Ich bin der Vertreter des OB, ich kann mir nicht aussuchen, wann es mir recht ist. Heute Abend werde ich sicher etwas nervöser sein“, hatte Gauf am Nachmittag gegenüber dem Merkur erklärt. Die Rede spiegele die Meinung des gesamten Stadtvorstands wieder.

Und in dieser Ansicht ist „Zweibrücken ein Motor der Wirtschaft, der Kreativität und Innovation. Wir sind auch Kristallisationspunkt des kulturellen Lebens“, sprach Gauf. Die Rosenstadt habe „eine entscheidende Bedeutung für die Struktur sowie für die wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Entwicklung“ auch für das Land. In dem Zusammenhang sei etwa erwähnenswert: Die Zentrale Bußgeldstelle am Flughafen, die 150 Arbeitsplätze schafft und seit Jahrzehnten wieder einen Ansiedlungserfolg einer Landes-Außenstelle in Zweibrücken bedeute.

Das Äußere Zweibrückens sei „in einem permanent positiven Wandel“. Etwa durch den Abriss der Passage Schreiner und den für Herbst dort geplanten Netto-Markt. Oder dem Wohnprojekt am Fasaneriewald, das neue Einwohner sogar aus Neunkirchen anlocken soll. Nicht zuletzt werde der Bauausschuss „in den nächsten Wochen“ über eine Investorengruppe für das Gelände der Stadtgärtnerei entscheiden.

Dem „Stolzobjekt Fasanerie“ habe man durch Investitionen der Gewobau und der Angebote des Standesamtes „neuen Atem eingehaucht“. Vor allem aber habe Zweibrücken mit der Stadt am Wasser am Bleicherbach jetzt ein „innerstädtisches Juwel, wie es nur wenige Städte in Rheinland-Pfalz vorweisen können“. Laut Gauf „eine Einmaligkeit, die wir in den kommenden Monaten verstärkt bewerben wollen“. Und die ab Frühjahr noch um eine dauerhaft installierte Toilette und bald danach das öffentliche Awo-Café ergänzt wird. „Begonnen haben wir mit dem Abriss der Alten Feuerwache, um den seit Jahrzehnten diskutierten Eventsaal für das Helmholtz-Gymnasium in Angriff nehmen zu können“, sagte Gauf weiter.

Ohne die Integration der Stadttöchter sei vieles nicht möglich. Beispielhaft nannte Gauf, dass die halbe Million Jahresdefizit des Rosengartens durch ein „kompliziertes Geflecht von Stadtwerken, UBZ und Stadt“ nicht mehr in deren Bilanzen auftaucht. 2017 sei man „nahe an einem ausgeglichenen Haushalt“. Das hat vor allem mit einer brummenden Wirtschaft (60 Prozent des geplanten Defizits von zehn bis zwölf Millionen Euro kamen durch Gewerbesteuern rein) und strukturellen Veränderungen der Verwaltung (die übrigen 40 Prozent) zu tun. Obwohl man darüber hinaus fast zehn Millionen Euro Schulden abgebaut habe, werde die ADD auch diesmal beim Nachtragshaushalt Auflagen machen, um mehr Einnahmen zu erzielen.

Auf der anderen Seite will die Stadt auch 2018 groß investieren: nicht zuletzt drei Millionen für Beleuchtung und Straßenbau (man hoffe etwa auf den Ausbau der Kreisstraße 1 – sehr zur Freude von Wattweilers Ex-Ortsvorsteher Reinhard Kunze). Die Verkehrssituation werde sich „wesentlich“ etwa durch den Ixheimer Nagelwerk-Kreisel verbessern. Gauf bat gleich um Verständnis bei den Bürgern, dass es „sicherlich über zwei Jahre“ zu Beeinträchtigungen und Umleitungen kommt. Gleichzeitig warb er rückblickend um Verständnis für den jüngsten „Verkehrschaosmonat“ September mit Baustellen am Bahneinschnitt, Kinokreisel, Überflieger und Niederauerbach über den Wiesbach. Alle Maßnahmen sorgten künftig für Entlastung. Hätten die Zweibrücker früher das Nichtbauen von Straßen beklagt, so klagten sie heute eher über zu viele Baustellen.

Um den dringend benötigten vierzügigen Kindergarten (drei Millionen Euro) zu bauen, müsse man die „Bauverwaltung vorübergehend personell verstärken“. Denn punktuelle Förderungen seien schön, führten aber bei Planungsbüros wie Verwaltungen kurzfristig zu völligen Überlastungen. Gauf: „Es wäre unbedingt notwendig, dass die Städte durch kontinuierliche Finanzzuflüsse in die Lage versetzt werden, die an sie gestellten Anforderungen durchgehend und permanent zu erfüllen.“ In dem Zusammenhang wurde wie 2016 ein Entschuldungskonzept durch Bund und Land angemahnt.

Bürgermeister Christian Gauf (rechts) zeichnete Polizist Sascha Prechtl für seine Zivilcourage aus. Er hatte vor wenigen Tagen ein zweijähriges Mädchen mit Nase-Mund-Beatmung wiederbelebt. Am Neujahrsmorgen konnte das Mädchen wieder aus der Kinderklinik entlassen werden. Zudem wurde die (beruflich bedingt abwesende) Andrea Renner-Baumann geehrt, die schon im März 2016 durch ihr mutiges Einschreiten eine Sexualstraftat verhindert hatte. Foto: Marco Wille; www.marcowille.de/Marco Wille

Zentral sei 2018 auch die Entwicklung der Canadasiedlung. Noch diesen Januar werde man mit der Diakonie Pirmasens einen Vertrag über den Bau der Senioreneinrichtung unterzeichnen. Und auch „Seniorenwohnungen nach den neuesten Erkenntnissen, Quartierstreff, Vor- und Umfeldwohnen zum Seniorenheim, eine grüne Lunge mit Spielplatz wollen wir im Quartier entwickeln“.