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Bon-Pflicht: „Da sammelt sich ganz schön Abfall“

Bon-Pflicht : „Da sammelt sich ganz schön Abfall“

Diesseits und jenseits der Theken in Zweibrücker Geschäften hadert man mit der neu eingeführten Bonpflicht.

„Kassensicherungsverordnung“ heißt die Rechtsvorschrift, die seit dem 1. Januar dazu geführt hat, dass es hierzulande eine so genannte „Bonpflicht“ gibt. Demnach sind auch kleinste Betriebe dazu verpflichtet, beim Verkauf ihrer Waren einen Bon auszustellen und ihren Kunden beim Einkauf auszuhändigen. Im der Realität bedeutet das: wer auch nur ein Brötchen beim Bäcker kauft, erhält neben besagtem Brötchen auch einen Kassenbon – sofern elektronische Kassensysteme genutzt werden. Das neue Gesetz soll vor allem einer Sache dienen: möglichem Steuerhinterzug entgegenzuwirken. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern besteht seitens der Kunden allerdings keine Belegannahmepflicht und genau das spiegelt sich auch bei einem Rundgang in der Zweibrücker Innenstadt wider.

„Zu 90 Prozent nehmen die Kunden den Bon nicht mit“, berichtet Silvia Heinz, Vertretung der Geschäftsführung in der Bäckerei Knauber in der Fußgängerzone. Bei jedem Zahlvorgang legt das Team den Bon zum Einkauf mit dazu, so manch ein Bon landet statt in der Einkaufstasche auf dem Boden oder geht an die Verkäuferinnen zurück. Die entsorgen es dann für ihre Kunden. „Da sammelt sich ganz schön Abfall am Tag“, erklärt Silvia Heinz weiter. Etwa ein halber blauer Sack am Tag kämen da zusammen. Und auch die Kunden sind nicht begeistert. „Die Leute beschweren sich darüber“, erklärt sie weiter. Über die Sinnlosigkeit oder die Menge an unnötig entstandenem Müll.

Für die Unternehmen bedeutet dieser Müll aber auch Kosten. Für zusätzliche Thermorollen und die Entsorgung über den Restmüll, die ja seit Anfang 2018 nur noch eine bestimmte Leerungsanzahl (vier Leerungen pro Jahr) beinhaltet und darüber hinaus penibel abgerechet wird. „Den brauch ich nicht“, hieß es auch in den Bäckereien Leiner und Schmidt, wo die Mitarbeiter die gleichen Erfahrungen machen wie das Team Knauber.

„An die Gesetze müssen wir uns nun mal halten“, erklärt auch Ruth Sprunck vom City Grill. Auch bei Bratwurst und Pommes geht der Bon nun mit über die Theke. „Die Leute wollen aber alle keinen Bon haben, also drucken wir aus, und wer ihn nicht will, für den entsorgen wir ihn.“ Damit die Bons gar nicht erst auf dem Boden oder vor dem Imbiss herumfliegen, wurde eine kleine Tüte im Imbisswagen aufgehängt, in der die zurückgegebenen Bons gesammelt werden. Gerade im Mittagsgeschäft, wenn viele Menschen zeitgleich bedient werden wollen und es mitunter schnell gehen muss, ist die neue Bonpflicht auch ein unangehmer Zeitfaktor.  Sprunck findet das neue Gesetz auch im Hinblick auf die Umwelt einen Rückschritt. Seit einiger Zeit versucht der Imbiss umweltfreundlicher umzurüsten, verwendet beispielsweise statt Styropor-Verpackungen die umweltfreundlichere Papp-Alternative. Und dann kommen nun mit der neuen Verordnung die Bons, die auf Thermo-Rollen gedruckt werden und dadurch nicht im Papiermüll entsorgt werden dürfen. Aber vielleicht – so hatten alle miteinander die Hoffnung – wird das ja nicht ewig so bleiben.