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„Da kommt nicht Tui, sondern die Luftwaffe“

„Da kommt nicht Tui, sondern die Luftwaffe“

Einen Investor hat der insolvente Zweibrücker Flughafen zwar bis heute nicht, aber immerhin gibt es Ideen, wie das Areal weiter genutzt werden könnte. Der jüngste Vorschlag lautet: als Basislager für EU-weite Hilfsflüge.

Der Zweibrücker Flughafen hat - außer Geld - alles, was ein Flughafen braucht. Darum wäre es eine "technische Sünde", ihn nicht weiter als Flughafen zu nutzen. Findet neben vielen anderen der emeritierte Maschinenbau-Professor Hans-Peter Wilke aus Kaiserslautern . Sein Vorschlag: "Mache man den Flughafen doch zu einem Notfallflughafen für die ganze Bundesrepublik und eventuell auch EU-weit."

Wie das aussehen soll? Wilke, der nach seiner Emeritierung in Kaiserslautern eine Firma namens Leonardeum ("Prävisionäre Forschungs- und Entwicklungsimpulse", siehe Infokasten) gegründet hat, stellt es sich so vor: Auf dem Flughafengelände sollen in den vorhandenen Hallen und Hangars Schnellbauhäuser und Zelte, technisches Gerät vom Funkgerät bis zum Unimog, Trinkwasserkanister und Versorgungspakete, Decken, Hygieneartikel und alle möglichen anderen Hilfsgüter für Notfälle gelagert werden.

Bisher gibt es kein vergleichbares Projekt, sagt Wilke. "Wir haben versucht zu recherchieren. So etwas haben wir nicht gefunden", sagt er. Ein Recherche-Ergebnis, das auch das Bundesverkehrsministerium bestätigt: "Mir ist der Begriff ,Notfallflughafen' nicht bekannt", schreibt Sprecherin Vera Moosmayer in ihrer Antwort auf eine Merkur-Anfrage trocken.

Ein Grund mehr, so etwas zu schaffen, findet Wilke. Bisher würden die Hilfsflüge in Deutschland "zusammengewürfelt" - was wertvolle Zeit koste. "In Haiti hat es drei Wochen gedauert, bis die ersten deutschen Flugzeuge kamen", verdeutlicht er.

Neben dem Material müssten natürlich auch Helfer, Wilke spricht von einer "Kernmannschaft", auf dem Flughafen stationiert werden. Mehr müsse man eigentlich für die Umsetzung seines Planes nicht investieren, meint der pensionierte Ingenieur. "Im Grunde genommen ist alles, was Geld kostet, schon da. Start- und Landebahn, Tower, alle technischen Einrichtungen, Werkstätten. Da kommt nicht Tui, sondern die deutsche Luftwaffe ."

Die ansässigen Flugfirmen müssten nach Wilkes Modell in keinem Fall Zweibrücken verlassen. "Ganz im Gegenteil, es kämen noch einige weitere hinzu, wie zum Beispiel Unternehmen, die die Katastrophen-Vorräte verwalten, pflegen und für den Einsatz zusammen stellen und auch Verpackungsfirmen, die die Anpassungen vornehmen." In erster Linie werde auf Mitbenutzung geplant, zum Beispiel bei den Werften. "Das reduziert für alle Beteiligten die Kosten. Erst in den späteren Phasen wird an Ausbau gedacht."

Als Träger des Notfallflughafens kann sich Wilke das Land vorstellen, "weil dem Land Grund und Boden gehört". Am liebsten wäre ihm jedoch die Europäische Union. Die könne mit dem Hinweis, der Flughafen sei auch für Notfälle in anderen EU-Staaten gedacht, "Gelder freieisen".

Was von den Plänen zu halten ist? Eine sachkundige Antwort auf diese Frage zu bekommen ist derzeit schwer. Das Bundes-Verkehrsministerium verweist ans rheinland-pfälzische Infrastrukturministerium, das wiederum den Ball an Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner abspielt. Dessen Sprecher Sebastian Brunner bestätigt immerhin, dass der Vorschlag von Wilkes Firma eingegangen ist und ergänzt, dass man noch eine Absichtserklärung, einen so genannten "Letter of Intent" erwarte. Wilke hält das für ein Missverständnis: "Wir können keinen Businessplan erarbeiten. Das kostet Geld. Wir sind nur eine kleine Ideenfabrik."

Zum Thema:

Zur PersonHans-Peter Wilke (71 ), war bis zu seiner Emeritierung Professor für Maschinenbau und Verfahrenstechnik an der Hochschule Kaiserslautern . Er kommt von der TU Darmstadt. Er ist nach wie vor Lehrbeauftragter an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Wilke hat mehrere Lehrbücher verfasst. Heute ist er technischer Vorstand des Planungs- und Beratungsunternehmens Leonardeum in Kaiserslautern . Das fünfköpfige Team befasst sich nach Wilkes Angaben mit Projekten wie der Gründung einer "Wasser-Universität" im Südwesten Deutschlands oder einer Trinkwasser-Pipeline von Nord nach Süd durch Afrika, teilweise entlang der Bahnlinie "Pride of Africa". "Das berechnen wir ingenieurtechnisch", unterstreicht Wilke, "politisch können wir nichts bewegen". jam