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Coronavirus: Sechs Neuinfektionen in Zweibrücken

Termin kurz nach dem November-Lockdown sei nicht verantwortbar - Unmut in der Gastro-Branche : Wegen Corona: Weihnachtsmarkt ist abgesagt

Mit sechs neuen Fällen bleibt Zweibrücken Risikogebiet. Dass Hotels und Restaurants in den Lockdown müssen, ohne Infektionstreiber zu sein, sorgt für Unmut.

Während die Zahl der Corona-Infektionen in Zweibrücken am Donnerstag weiter gestiegen ist und Deutschland im November in den Teil-Lockdown geht, hat dieser bereits Auswirkungen für die Zeit danach – der Zweibrücker Weihnachtsmarkt fällt aus.

„Heute ist nun leider der Tag gekommen, an dem selbst wir keine Chance mehr sehen, die Planung des Zweibrücker Weihnachtsmarktes 2020 fortzuführen“, teilte Organisator Heiko Saberatzky am späten Mittwochabend auf Facebook mit. Begründung für die Absage: „Wegen der aktuellen Lage sowie dem heute angeordneten Lockdown jetzt im November können wir es nicht verantworten, den Weihnachtsmarkt im November aufzubauen und vier Tage nach dem (angepeilten) Lockdown stattfinden zu lassen. Somit haben wir heute Abend zusammen mit Oberbürgermeister Marold Wosnitza beschlossen, den diesjährigen Weihnachtsmarkt schweren Herzens ausfallen zu lassen.“ Zuletzt geplant war, mit immerhin 50 angemeldeten Buden-Betreibern den Weihnachtsmarkt als „Weihnachtsstadt“ stattfinden zu lassen, um die Abstands-Regeln einhalten zu können mit in der ganzen City statt wie sonst um die Alexanderskirche geballten Buden (wir berichteten).

Im Gesundheitsamts-Bezirk Südwestpfalz haben sich am Donnerstag seit dem Vortag 28 weitere Sars-CoV-2-Infektionen bestätigt, die meisten davon (6) in Zweibrücken. Außerdem gab es im Merkur-Verbreitungsgebiet drei Neuinfektionen in der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben.

Bei elf der 28 neuen Fälle konnten die Infektionsketten bereits nachvollzogen werden. Darunter ist eine Kontaktperson ersten Grades zu den Reiserückkehrern aus Rumänien in Zweibrücken und ebenfalls dort zwei private Kontakte ins Saarland. Ein Fall in Pirmasens ist auf einen Kontakt zu einer infizierten Person am Arbeitsplatz zurückzuführen. In der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland kam es im Zusammenhang mit einem Trauerfall zu zwei Infektionen, deren Quelle in der Familie außerhalb des Gesundheitsamtsbezirks liegt. Weitere fünf Fälle (je einer in Pirmasens, den Verbandsgemeinden Hauenstein und Waldfischbach-Burgalben sowie zwei in Thaleischweiler-Wallhalben) können als Kontaktperson ersten Grades ebenfalls bekannten Corona-Fällen zugeordnet werden.

Warum das hiesige Gesundheitsamt bei der Kontaktverfolgung schon seit einiger Zeit erfolgreicher ist als viele andere Ämter (laut Kanzlerin Merkel gelingt die Verfolgung in 75 Prozent der Fälle nicht mehr), konnte Kreissprecher Thomas Höh auf Merkur-Anfrage nicht beantworten: „Das wäre mit einem so erheblichen Zeitaufwand verbunden, dass das Gesundheitsamt dafür dringend notwendige Tätigkeiten im Rahmen des Infektionsgeschehens ruhen lassen müsste.“

Zweibrücken ist mit 70 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen noch etwas tiefer in die „rote“ Risikogebiets-Zone gerutscht. Der Landkreis Südwestpfalz ist mit einer Inzidenz von 67,5 ebenfalls weiter rot, die Stadt Pirmasens (39,8) orange.

Der bundesweite Teil-Lockdown im November (ab Montag) trifft vor allem Hotels und Restaurants hart: Hotels dürfen nur noch Geschäftsreisende beherbergen, Restaurants nur noch Abhol- und Lieferservice anbieten. Er und viele Kollegen aus der Region Zweibrücken, mit denen er gesprochen habe, seien enttäuscht und entsetzt über diese Entscheidung, sagte Edelbert Lösch, Inhaber des „Kloster Hornbach“, auf Merkur-Anfrage. Man habe viel investiert in Coronaschutz – Lösch unter anderem in eine neue Lüftungsanlage für seine Restaurant-Räume, „die 99,5 Prozent der Viren aus der Luft filtern“, alle Auflagen vorbildlich umgesetzt, in der Region kenne er überhaupt keine Ansteckungs-Fälle in Hotels oder Restaurants. „Ich habe fassungslos vor dem Fernseher gesessen“, berichtet Lösch über die Bund-Länder-Pressekonferenz. Corona-Schutz finde er sehr wichtig – hier werde aber eine bereits durch den Lockdown im Frühjahr schwer gebeutelte Branche getroffen, die für das Infektionsgeschehen gar keine Rolle spiele. Dass diesmal 75 Prozent der Umsatzverluste erstattet werden sollen, ist für Lösch kaum ein Trost: „Wir wollen ja Dienstleister sein – und nicht auf den Staat hoffen.“

Lösch denkt auch an sein Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen viele nun im November Resturlaub nehmen oder Kurzarbeit machen müssen, wodurch ihnen auch die wichtige Einnahmequelle Trinkgeld entgehe. Einiges Personal werde aber auch vor Ort bleiben, weil das Kloster Hornbach weiter einige Geschäftsreise-Kunden habe. Ein Liefer-/Abhol-Service für das Restaurant rechne sich aber nicht im kleinen Hornbach: „Dafür ist Zweibrücken zu weit weg.“

„Das ist die größte Herausforderung, die wir in den 20 Jahren hatten“, sagt Lösch zu der Corona-Krise. Weil man am Markt schon so lange gut etabliert sei, „werden wir mit einer gebrochene Nase, fehlenden Schneidezähnen und einer dicken Backe davonkommen – ich weiß nicht, wie das sonst wäre“.

Und wie lief das Geschäft im „Kloster Hornbach“ zwischen den den beiden Corona-Schließphasen? „Wegen des guten Wetters war der Biergarten sehr gut besucht“, berichtet Lösch. Doch finanziell seien „Flammkuchen und Bratwurst“ natürlich kein Ausgleich für die gesunkenen Gäste-Zahlen im Gourmet-Restaurant. Die Hotelzimmer seien zuletzt auch von Urlaubern gut gebucht gewesen.