Landgericht Zweibrücken Corona bremst Drogenbanden-Prozesse auf der Zielgeraden aus

Zweibrücken · Das Landgericht Zweibrücken hat diese Woche die vier Prozesse gegen neun Männer fortgesetzt, die großräumig als Dealerbande aktiv gewesen sein sollen. Dabei gab es eine inhaltlich überraschende Aussage.

 Allein in einer Wohnung wurden sieben bis acht Kilogramm Marihuana (Symbolbild) gefunden. Wusste der Besitzer davon?

Allein in einer Wohnung wurden sieben bis acht Kilogramm Marihuana (Symbolbild) gefunden. Wusste der Besitzer davon?

Foto: dpa/Matthias Balk

Eigentlich sollten diese Woche zumindest in einem der vier derzeit am Landgericht Zweibrücken parallel laufenden Drogenbanden-Prozesse die ersten Plädoyers gehalten werden (wir berichteten). Doch daraus wurde nichts. Denn wieder einmal schlug das Corona-Virus zu und setzte mehrere Prozessbeteiligte außer Gefecht – darunter nach Informationen unserer Zeitung einen der insgesamt neun Angeklagten. Unklar sei, ob bereits kommende Woche weiterverhandelt werden kann, hieß es am Freitag aus dem Landgericht.

Immerhin konnte die Erste Große Strafkammer an einem der verbliebenen Verhandlungstermine zu Beginn der Woche die Stellungnahmen der in dem Verfahren mit den beiden 27- und 37-jährigen Angeklagten hören. Die Männer ließen ihre „Einlassungen“ zunächst jeweils von ihren Verteidigern vortragen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden Männern zu Beginn des Prozesses zur Last gelegt, sich mit den anderen Angeklagten zu einer Bande zusammengeschlossen zu haben, um gewerbsmäßig mit Betäubungsmitteln zu handeln. Der 27-Jährige habe dabei 33 000 Euro und der 37-Jährige 20 000 Euro eingenommen. Die Staatsanwaltschaft warf dem jüngeren Angeklagten neun und dem älteren sieben „selbständige Handlungen“ vor.

Zwar seien „die in der Anklageschrift genannten Preise absurd“, sagte der Verteidiger des 27-Jährigen, der Bad Dürkheimer Rechtsanwalt Roman Schweitzer – jedoch bestreite sein Mandant eine gewisse Beteiligung an den Drogengeschäften nicht. So habe er mehrere Kilogramm Marihuana und Amphetamin an den im Prozess als Kronzeuge auftretenden gesondert verfolgten Mann aus dem Saarpfalz-Kreis „weitergegeben“. Zuvor habe er das Rauschgift aus einer Wohnung in Hochspeyer geholt und „umgepackt“ – ohne allerdings etwas mit der Bezahlung zu tun gehabt zu haben: „Es war ein Freundschaftsdienst.“

Ebenfalls nichts zu tun gehabt habe sein Mandant mit der in Rede stehenden Marihuana-Plantage. Auch habe er das Rauschgift nicht in seiner Wohnung „gebunkert“, sagte der Anwalt weiter. Im Übrigen wolle der seit frühester Jugend abhängige 27-Jährige „von den Drogen wegkommen“, was er nur durch eine Therapie schaffe, bekräftigte Rechtsanwalt Schweitzer.

Sein Kollege, Rechtsanwalt Christian Behnke aus Kaiserslautern, der den älteren der beiden Angeklagten vertrat, räumte für seinen Mandanten ein, dass der 37-Jährige einmal von einem in einem anderen Verfahren Mitangeklagten, mit dem er befreundet war, gefragt worden sei, ob der 32-jährige Bekannte in seiner Wohnung in Hochspeyer „etwas abstellen“ dürfe. „Ich habe mir nichts dabei gedacht“, so der Angeklagte. Jedoch habe sich dieses „Etwas“ später als sieben bis acht Kilogramm Marihuana entpuppt. Davon habe er seinem Freund 500 Gramm für den Eigenbedarf abgekauft“, ergänzte der 37-Jährige. Auch er bekräftigte, von den Drogen „wegkommen“, seine Abhängigkeit besiegen zu wollen. Deshalb gehe er seit einiger Zeit freiwillig zur Drogenberatungsstelle.

Zu Beginn der vier seit April 2021 am Landgericht parallel laufenden Prozesse hatte die Staatsanwaltschaft den ursprünglich elf Männern – zwei von ihnen sind bereits verurteilt worden (wir berichteten) – bandenmäßigen Drogenhandel vorgeworfen. Demnach sollen sie sich Mitte 2018 zusammengeschlossen und bis zu ihrer Festnahme im November 2020 in über 100 Fällen kiloweise Betäubungsmittel im Millionen-Wert umgeschlagen haben. Dabei sollen sie Marihuana, Amphetamin, Kokain und Haschisch bei Lieferanten vor allem im Rhein-Main-Gebiet oder übers Internet erworben und in der Region Südwest- und Saarpfalz, darunter auch in Zweibrücken, weiterverkauft haben.

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