1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Christuskirche der protestantischen Kirchengemeinde Ernstweiler/Bubenhausen

Kirchengemeinde Ernstweiler/Bubenhausen : Renoviert und aufgewertet

An und in der Christuskirche der protestantischen Kirchengemeinde Ernstweiler/Bubenhausen wurde in den vergangenen Wochen viel gearbeitet. Eine weitere Bauphase ist aber bereits in Planung.

Dass an der Christuskirche der protestantischen Kirchengemeinde Ernstweiler/Bubenhausen in Zweibrücken gebaut wird, war dank ihrer Lage an einer von allen Seiten viel befahrenen Straßenkreuzung seit Wochen nicht zu übersehen. Ringsum reichte das Baugerüst und sogar den Turm hinauf, denn auch das Dach wurde erneuert. „Ich baue, seit ich hier bin und würde lügen, wenn ich behauptete, dass es mir keinen Spaß macht“, sagt Pfarrer Reinhard Scheller im Rückblick auf seine zehn Jahre im Dienste dieser Gemeinde. Seine Einstellung: „Wir haben Gebäude, die müssen in Ordnung gehalten werden. Das ist unsere Verpflichtung, wie bei einem Auto: Hat es Mängel, ist es nicht nutzbar. Das gilt auch hier.“

Nach zwei Kindergarten-Sanierungen, Pfarrhausrenovierung im Jahr 2014 sowie dem Ausbau einer Wohnung im Gemeindehaus für die Kirchendienerin 2017, war diesmal die Kirche selbst an der Reihe. In einem Seitenschiff tropfte seit Jahren das Wasser durch das flache Dach. Eine Begehung 2021 zur Untersuchung der starken Verwitterung ergab: Hier sind die Dachlatten alle marode, es besteht die Gefahr, dass das Dach an manchen Stellen sogar herunterkommt. Es bedurfte also einer grundlegenden Dachsanierung: Während die Balken noch gut tragen, mussten die Dachlatten ersetzt und das Dach komplett neu eingedeckt werden. Mit der Arbeit wurden Zweibrücker Handwerksunternehmen unter der Leitung des Zweibrücker Architektur-Büros Grub beauftragt.

Die Investitionssumme beträgt mittlerweile 140 000 Euro. Ursprünglich veranschlagt waren 119 000 Euro. Dieser letztgenannte Betrag wurde zu 30 Prozent durch Spenden finanziert, zu 40 Prozent über ein Härte-Darlehen, noch einmal 15 Prozent aus einem Härtefonds der Landeskirche sowie zu 15 Prozent über die Herzog-Wolfgang-Stiftung. Da Mehrkosten durch ergänzende Baumaßnahmen entstanden sind, bedarf es einer Nachfinanzierung von 21 000 Euro, die zum Großteil gesichert ist.

Die Christuskirche wurde nach ihrer Zerstörung des Kirchenschiffs zu Kriegsende im Jahr 1955 neu erbaut. Gleich mit erledigt wurde, da das kostspielige Baugerüst schon mal stand, die Teilsanierung des Kirchturms von 1263, der Risse aufwies. Zusätzlich wurden Taubengitter angebracht, da die Friedensvögel den Turm gerne als Toilette benutzen und ihr scharfer Kot dem Mauerwerk schadet.

Außerdem mussten vier der fünf Glocken-Klöppel erneuert werden, so, wie es mit dem fünften bereits vor einigen Jahren geschah. Eine weitere Maßnahme, welche Zusatzkosten verursachte, ist die unabdingbare Erneuerung des Blitzschutzes. Dafür wurde eine Ringleitung rund um das gesamte Gebäude in der Erde verlegt. Außerdem waren insgesamt zehn einzelne Glasscheiben an den Fenstern zur Westfassade löcherig und mussten ersetzt werden.

Und auch das Kunstwerk „Gedenkstätte Hermann Jürgens“ für die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs, das Kirche und Gemeindehaus verbindet, konnte über das Gerüst aufgearbeitet werden.

Baubeginn war im Februar und soll nun abgeschlossen werden. Zum Glück konnte der Gottesdienst die ganze Zeit über in der Kirche gefeiert werden. Ob das im nächsten Bauabschnitt ebenfalls möglich sein wird, wird sich zeigen. Dann nämlich steht die Hauptrenovierung der Kirche an. Durch die Thermik weist, wie in vielen anderen Kirchen auch, die Decke der Christuskirche ein massives Schimmelproblem auf.

„Wir züchten die Schimmelpilze regelrecht: Jeder Körper hat eine Ausstrahlung von 100 Watt, das Dach ist ungedämmt und das Wasser aus der Atemluft kondensiert bei acht bis 15 Grad, ohne aufgenommen zu werden, unter der Decke“, beschreibt Reinhard Scheller. Er zeigt von der Empore aus den gut sichtbaren, weißlichen Belag auf den hölzernen Querelementen und auch in der Orgel. Über die Pfeifen werden die Schimmelsporen dann quer durch das Gebäude verteilt, so dass beides gleichzeitig renoviert werden müsse. 500 000 Euro schätzt der bauerfahrene Pfarrer die Kosten dafür.

 Gut zwei Monate lang wurde das Dach der 1955 wieder aufgebauten Christuskirche in Ernstweiler saniert.
Gut zwei Monate lang wurde das Dach der 1955 wieder aufgebauten Christuskirche in Ernstweiler saniert. Foto: Cordula von Waldow

Allein die Orgel schlage mit mittlerweile rund 50 000 Euro zu Buche. Er rechnet mit einem Baubeginn erst in zwei Jahren, also 2024, wenn bis dahin die Stärkung der Eigenmittel erfolgt ist beziehungsweise die Finanzierung über weitere Spendengelder gedeckt wird.