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BUND meint: Asbest könnte doch sicher in Italien deponiert werden

BUND meint: Asbest könnte doch sicher in Italien deponiert werden

Etwa 25 Teilnehmer waren gestern Abend bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative Mörsbach. Thema war die Klage gegen den Deponie-Ausbau.

Das Thema Mülldeponie ist in Mörsbach ein Dauerbrenner: Gestern trafen sich im Dorfgemeinschaftshaus Mitglieder der Bürgerinitiative Mörsbach (BI) und weitere interessierte Bürger, um sich über den aktuellen Stand der Klage gegen die Erweiterung der Deponie zu informieren.

Eingeladen war Wolfgang Adelfang vom "Bund für Umwelt und Naturschutz". Der BUND klagt gegen die Erweiterung, da die BI selbst nicht klageberechtigt ist (wir berichteten). Die Hauptverhandlung werde im ersten Quartal 2016 stattfinden, sagte Adelfang. Das sei noch vor dem Zeitpunkt, wenn die größeren Arbeiten zur Erweiterung begännen. Seiner Meinung nach könne die Deponie-Erweiterung also noch verhindert werden.

Adelfang kritisierte das Anliefern von asbesthaltigem Müll aus Italien; etwa 35 000 Tonnen pro Jahr seien zwischen 2010 und 2013 nach Mörsbach gebracht worden - dabei existiere in Turin eine hochmoderne Asbest-Deponie. Das Argument, die Italiener wüssten nicht wohin mit ihrem Asbest , könne somit nicht aufrecht erhalten werden. In Deutschland würden die Müllmengen immer geringer ausfallen; für das Stadtgebiet Zweibrücken stehe sogar noch bis ins Jahr 2095 ausreichender Deponieraum zur Verfügung, behauptete Adelfang - und das ohne die geplante Erweiterung. Die Kontrolle des Deponiebetreibers UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken ) durch Stadtrat und -verwaltung sei zudem unzureichend. BI-Vorsitzender Dennis Nizard äußerte dazu, der Stadtrat werde in wichtigen Entscheidungen bezüglich der Deponie gar nicht gefragt.

Neben den italienischen Müllimporten war zweites Hauptthema der Versammlung die aus Sicht der BI mangelhafte Abdichtung der geplanten Erweiterung. Im Normalfall, so führte Wolfgang Adelfang aus, sollten Mülldeponien auf einem Gebiet mit Lehmboden liegen, der Lehm dichte dabei auf natürliche Weise ab. Im Mörsbacher Rechenbachtal, kein Lehmgebiet, braucht es deshalb eine künstliche Barriere, die den Kontakt gefährlicher Stoffe mit dem Grundwasser verhindern soll. Die chemischen Eigenschaften einer solchen Barriere seien entscheidend für den Schutz des Grundwassers. Ein Gutachten der Beratungsgesellschaft Asmus & Prabucki diene als Grundlage für die Genehmigung der Deponie-Erweiterung. Nach Adelfangs Auffassung wurden dabei jedoch an einigen Stellen falsche Berechnungen angestellt - "die beherrschen den Dreisatz nicht", behauptete der Oberauerbacher Umweltschützer. Die Richtwerte seien viel zu gering. Selbst das Landesamt für Geologie weise darauf hin, dass nicht belegt sei, dass die Werte, die nun genehmigt sind, für die Schadstoffrückhaltung ausreichend seien. Das Gutachten sei somit, so Adelfang, ein Gefälligkeitsgutachten und habe rein politische Gründe.

Die stellvertretende BI-Vorsitzende Julia Igel nannte es beschämend, dass ein solches Gutachten die Grundlage für den Planfeststellungsentscheid der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd darstelle.

SGD und UBZ haben mehrfach betont, dass von dem Ausbau keine Belastungen ausgehen und der Müllimport wirtschaftlich erforderlich ist (wir berichteten).