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Bund für Umwelt und Naturschutz Rheinland-Pfalz

Bund für Umwelt und Naturschutz Rheinland-Pfalz : Wanderimkerei bedroht Wildbienenbestand

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Rheinland-Pfalz macht darauf aufmerksam, dass es zur Zeit der Kastanienblüte in Regionen des Pfälzerwalds zu einem massenhaften Aufstellen von Beuten durch Wanderimker kommt. Das geht zu Lasten des wichtigen Wildbienenbestands.

(red) Der Massenansturm durch die Wanderimkerei zur Zeit der Kastanienblüte schafft am Haardtrand ein durchaus vermeidbares Problem, das im Interesse des Wildbienenschutzes regelbar ist. Mit diesem Anliegen hat sich Dr. Holger Schindler, Vorstandsmitglied des Bund (Bund für Umwelt und Naturschutz) Rheinland-Pfalz, mit gleichlautenden Schreiben an die zuständigen Behörden gewandt; so an die Chefs der Landkreise Südliche Weinstraße, Bad Dürkheim und der Stadt Neustadt wie auch an die Direktorin des Biosphärenreservats Pfälzerwald sowie an die Spitzen des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums.

Das Problem, das die Umweltschützer umtreibt, hängt zusammen mit dem massenhaften Aufstellen von Beuten durch Wanderimker aus ganz Deutschland, die angelockt werden durch die im Frühsommer stattfindende Blüte der Edelkastanie. Das betrifft auch Imker aus der Region Zweibrücken und dem Saarpfalz-Kreis. Problematisch dabei ist, dass die Bienenvölker nicht nur in den zwei Wochen während der Kastanienblüte da sind, sondern auch schon wenige Wochen vorher ankommen, um dann oft bis in den Herbst herumzustehen, um dadurch zu einer Existenzgefährdung für die örtlichen Wildbienen zu werden. Die Wildbienen aber gehören unverzichtbar zum ortstypischen Artenspektrum. Zum Bestäuben von Nutzpflanzen sind sie um einiges wichtiger als die Honigbiene. Dass all dies sich im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen abspielt, verschärft das Problem.

In der viel zu langen Verweilzeit der Wanderbienen kommt es nach Ansicht des Bund nicht nur durch extremen Nahrungsdruck zum Verhungern der Wildbienen. Auch viele Völker der Honigbienen attackieren sich gegenseitig aus oder infizieren einander mit Krankheiten und Parasiten. Fazit des Bund: Es kann nicht gut gehen, wenn Wanderimker beispielsweise in kleinen Tälern, wo 40 Beuten kein Problem wären, bis zu 600 Bienenvölker auf zwei bis drei Quadratkilometern konzentrieren.

Schindler meint, man könne „nicht regelmäßig das alarmierende Insektensterben beklagen, dann aber nichts dagegen tun“. Es gebe Regeln für Wanderimker, die von zuständigen Behörden durchzusetzen seien. So könne eine beantragte Wanderung auch verweigert werden, unter anderem, wenn naturschutzrechtliche Belange eine Genehmigung ausschließen. Dies ist besonders für Wildbienen der Fall, von denen laut Roter Liste in Deutschland knapp die Hälfte der Arten als gefährdet eingestuft wird.

Es dürfe somit kein Dauerzustand sein, dass in vielen Abschnitten des Haardtrandes regelmäßig auf Trachtflächen von circa zwei bis drei Quadratkilometern weit über die Blütezeit der Edelkastanie hinaus etwa 500-mal 3 000 Honigbienen zusätzlich der Natur aufgebürdet werden. Deshalb müsse der Zeitraum und die Menge der Honigbienen an die natürlichen Ressourcen angepasst werden.

Für Rückfragen zu diesem Thema stehen zur Verfügung: Dr. Holger Schindler, Tel. (0 63 06) 70 15 05 oder (0152) 28 60  85 15 sowie Karl Giesen, Tel. (0 63 45) 4 07 02 26.